Die Streuobstwiese

Was ist das überhaupt?

"Unter Streuobst ist die traditionelle Form des Obstbaues zu verstehen, bei der vorwiegend großkronige und hochstämmige Obstbäume verschiedener Arten und Sorten, Alters- und Größenklassen in weiträumigen Abständen meist auf Dauergrünland stehen.
Im Unterschied zu modernen Dichtpflanzungen mit geschlossenen, einheitlichen Blöcken ist in Streuobstbeständen stets der Einzelbaum in Form und Farbe als Individuum erkennbar. Die Bäume wurden ursprünglich meist mit einheitlichen, aber weiträumigen Abständen in Reihen gepflanzt und sind später durch Ausfälle und fehlende Nachpflanzungen zu den Namen gebenden, scheinbar wahllos über die Landschaft 'gestreuten' lückigen und uneinheitlichen Beständen geworden. Dass diese Bestände heute ganz im Gegensatz zu ihrer Entstehungsszeit überwiegend extensiv bewirtschaftet und damit wenig oder gar nicht gedüngt und gespritzt werden, steht außer Frage, hat jedoch mit dem Begriff 'Streuobst' ursächlich nichts zu tun." (Def. von Prof Dr. Weller, ehem. FH Nürtingen)
Wildformen unseres heutigen Obstes sind schon seit tausenden von Jahren bekannt. Nach Süddeutschland kam das Obst aber erst durch die Römer.

Diese eingeführten Kulturformen wurden zunächst vor allem in klimatisch günstigen Lagen von Klöstern und auf Gutshöfen angebaut. Später dehnte sich der Anbau dann auf Ortschaften aus.

Der Begriff Streuobstwiese taucht 1941 das erste Mal überhaupt auf. Davor wurde lediglich von Obstwiesen gesprochen.
Streuobstwiesen waren ab dem 18. Jahrhundert oft gürtelförmig um die Dörfer angelegt oder verbanden einzelne Dörfer miteinander. Oft wurden sie auch gemeinschaftlich angelegt und genutzt.

Die Bedeutung des Streuobstanbaus stieg bis zu dessen Höhepunkt im 19. sowie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bis dahin waren mehrere tausend Obstsorten bekannt, vor allem Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen. Diese wurden je nach Standort und Verwendung angebaut und waren allesamt sehr robuste Sorten.

Der Rückgang begann in den 1920-er Jahren mit dem aufkommenden Plantagenanbau.

Im „Emser Beschluss“ wurde 1953 gefordert, Streuanbau, Strassenanbau und Mischkultur sei zu verwerfen. Von der EWG wurde eine Richtlinie erlassen, auf deren Grundlage bis 1974 für jeden gefällten hochstämmigen Baum eine Prämie gezahlt wurde. Außerdem wurden viele Obstwiesen mit guten Böden in Ackerland umgewandelt und diese Umwandlung subventioniert.

Die Notwendigkeit der Ernährungssicherung durch Streuobst bestand nicht mehr, Ackerbau war einfacher und rentabler. Hinzu kam, dass sich die Ortschaften rasant ausdehnten und viele Flächen, darunter auch Streuobstwiesen, durch Siedlungen und Strassen in Anspruch genommen wurden.

Bis heute gehen die Streuobstwiesen immer weiter zurück. Erst in den letzten Jahren macht sich ein Umdenken bemerkbar und es wird verstärkt für die Streuobstwiesen geworben.
Die traditionelle Nutzung der Streuobstwiese ist eine Kombination aus Obsterzeugung und Grünlandbewirtschaftung – also Mähwiese oder Viehweide. Aus diesem Grund wurden meist hochstämmige Bäume gepflanzt, die mit einer unteren Asthöhe von etwa 1,8 Meter eine Bewirtschaftung der darunter liegenden Fläche ermöglichten. Weidende_Schafe

Heutzutage werden jedoch viele der vorhandenen Streuobstwiesen weder genutzt noch gepflegt. Oft ist die Bewirtschaftung der Flächen aufgrund der Lage (oft am Hang) und des Baumbestandes nicht einfach. Die finanziellen Anreize, Zeit und Arbeit zu investieren, fehlen. Die Notwendigkeit der Bewirtschaftung, die früher gegeben war, besteht nicht mehr, das Interesse an der Erhaltung dieser landschaftsbildprägenden Strukturen ist leider vielfach verloren gegangen.

Hiermit geht auch ein Verlust der Kenntnisse über den Streuobstanbau einher. Viele der Streuobstwiesen können nur durch umfassende Pflegemaßnahmen und -konzepte gerettet oder erhalten werden.Eine Erhaltung der Streuobstwiesen ist nur möglich, wenn diese Flächen wieder genutzt oder gepflegt werden. Das bedeutet, dass die Wiesen 1 bis 2 mal jährlich gemäht oder beweidet werden müssen. Zu häufiges Mähen oder Düngen, also eine intensive Nutzung der Flächen, führt zum einem Schwund der typischen Streuobstwiesen – Begleitflora und damit auch der dazugehörigen Tierwelt.

Auch die Obstbäume müssen fachmännisch gepflegt werden, um Ertrag zu bringen und gesund zu bleiben. So können regelmäßige Pflegeschnitte, zum Beispiel. gegen Pilzbefall helfen. Der regelmäßige Baumschnitt sollte dabei von einem Fachwart durchgeführt werden.
Nicht alles, was in einem Baum so krabbelt, ist gleich ein Schädling. Es gibt viele Nützlinge. Darunter versteht man Tiere, die sich von Schädlingen ernähren. Oft werden die Nützlinge auch als biologische Schädlingsbekämpfung bezeichnet. Wichtige Nützlinge bei uns sind Florfliege, Marienkäfer, Schwebefliege und Raubwanze. Man sollte sie kennen und schätzen lernen, um sie nicht fälschlicher Weise als Ungeziefer zu bekämpfen. Generell gilt: Je ausgeglichener das ökologische Gleichgewicht in einer Streuobstwiese, desto weniger Pflanzenschutzmaßnahmen sind nötig.

Schorf (Venturia spec.)

Schorf
Der Schorf ist eine Pilzkrankheit mit mehreren Varietäten, die an verschiedenen Obstsorten vorkommen. Sie ist die bedeutenste Krankheit im Obstbau in unseren Gebieten.
Wenn es viel Niederschlag gibt, kann es zu rasanten Ausbrüchen kommen, die die Menge und Qualität des Ertrages stark mindern. Durch den Schorf bilden sich braune, raue Flecken auf Blätter und Früchten. Eine Ansteckung mit den Pilzsporen kann das ganze Jahr erfolgen.

Zur Senkung des Befalldrucks ist die Ausbringung von Fungiziden sowie auch vorbeugende Maßnahmen notwendig. Um die Erkrankung einzudämmen muss z.B. auf eine begrenzte Gabe von Pflanzenschutzmitteln geachtet werden, die für Bodenorganismen schädlich sind, da diese im Jahresverlauf das Falllaub zersetzen. I
m Herbst ist das übrige Falllaub unbedingt zu entsorgen, da die Blätter den Pilz weiter verbreiten können, und im Frühling für eine erneute Infektion sorgen.
Die Ausbringung von Kalkstickstoff ist auch eine Möglichkeit der Vorbeugung, da durch die Gabe die Fruchtkörper des Pilzes verätzt werden, und somit die Produktion von reifen Ascosporen reduziert wird. Jedoch ist bei der Stickstoffgabe auch auf die Menge zu achten, da sonst eine eher schädigende Wirkung für den ganzen Baum durch Verätzungen an den Wurzeln erzielt wird.


Apfelmehltau (Podosphaera leucotricha)

n4Mehltau_Apfel Mehltau ist eine Pilzkrankheit, die besonders an bestimmten Apfelsorten erhebliche Schäden verursacht. Besonders gefährdet sind trocken-warme Lagen, da durch einen Befall die Transpiration der Blätter zusätzlich erhöht wird. Der Erreger überwintert v.a. in den Endknospen.
Infizierte Knospen weisen eine schlankere Form als gesunde auf, sind zudem leicht runzlig an der Oberfläche und weisen keinen richtigen Schluß der Knospenschuppen auf. Bei Befall findet der Austrieb entweder gar nicht, oder sehr verspätet statt.  Die jungen Blätter weisen schon von Beginn an einen weißlich-mehligen Belag auf und rollen sich später von Rand her ein. Auch die Äste weisen bereits früh im Jahr diesen Überzug auf. Im weiteren Verlauf verkahlen die Triebspitzen, und sie sind gegenüber gesunden Trieben verkürzt. Oft weisen sie nur noch die Spitzenblätter auf, die sog. "Mehltaukerzen". Von Januar bis April müssen rigoros alle befallenen Triebe weggeschnitten werden. Dies kann auch gleich in Verbindung mit dem Winterschnitt geschehen.
Da befallene Bäume Jahr für Jahr immer schwächer werden, nehmen auch die Erträge ab. Um einer solchen Gefahr zu entgehen, sollten generell unempfindliche Sorten gepflanzt werden. Falls Schutzmaßnahmen versäumt wurden oder trotzdem eine weitere Infektion entstanden ist, sollte man zwischen Mai bis Juli zu chemischen Mitteln greifen.
Falls ein späterer Sekundärbefall durch Konidien vorliegt, äußert sich dieser durch fleckige Aufhellungen an der Blattoberseite, und an der -unterseite zeigt sich ein weißliches Pilzmycel. Die Blattränder sind meist auch auffällig gewellt.
Auch die Früchte von für Mehltau stark empfindlichen Sorten werden bei einem Befall nicht verschont. Diese bleiben im Wachstum zurück und haben eine typische netzartige Berostung auf der Oberfläche (Mehltauberostung). Dies wird durch die Zerstörung der äußeren Epidermis ausgelöst, die dadurch verkorkt. Typisch ist diese Erscheinung besonders bei rotschaligen Sorten.


Birnengitterrost (Gymnosporangium sabinae)

n5Birnengitterrost Diese Krankheit wird durch einen wirtswechselnden Rostpilz ausgelöst, der zu seiner Entwicklung zwei Pflanzen Wachholder als Primärwirt und die Birne als Sekundärwirt) benötigt.  Befallen werden können nahezu alle Birnensorten. Die beste Art m einem Befall vorzubeugen ist es, darauf zu achten, daß jeweils nur eine der beiden Pflanzen an einem Ort vorkommt. Bei schwachem Befall sollten im Juli die befallenen Blätter entfernt werden, damit sich keine neuen Pilzsporen entwickeln können und etwa einen benachbarten Wachholder infizieren. Eine chemische Bekämpfung ist nämlich nur auf Birnbäumen möglich.

An den Blättern der Birne entsteht ab Mai orangrote Flecken, die später an der Blattunterseite Warzen bilden. Die befallenen Blätter werden abgestoßen. Beim Wacholder weisen die Triebe spindelartige Verdickungen auf.



Feuerbrand (Erwinia amylovora)

n6Feuerbrand_Frucht1
Der Befall mit Feuerbrand ist wegen seiner Gefährlichkeit für den Kernobstbau MELDEPFLICHTIG ! 
Erkennbar ist die Krankheit durch verfrühte Welkung und Verfärbung der Blüten zunächst ins bräunliche, später ins schwarze. Auch Blätter und bereits entwickelte Früchte können befallen werden.
Die Krankheit wird durch ein Bakterium verursacht, das von Insekten, Vögel und Wind in der Blütezeit verschleppt wird und sich somit rasend schnell ausbreiten kann.
Auch durch Arbeitsgeräte, die bei der Behandlung von befallenen Bäumen eingesetzt wurden und anschließend nicht desinfiziert worden sind, sowie über Sporen, die an der Kleidung haften, kann das Bakterium weitergegeben werden.
Deshalb ist eine strenge Hygiene bei der Behandlung von Feuerbrand von äußerster Wichtigkeit.  Die Ausbreitung kann nur eingedämmt werden, in dem man infizierte Pflanzenteile bis ca. 30cm in das „gesunde“ Holz zurückschneidet und diese sofort entsorgt (durch verbrennen vor Ort oder an geeigne-ter Stelle).
Die Schwierigkeit beim Rückschnitt liegt darin, dass sich der Übergang vom gesunden in das befallene Holz fließend ist und sich nur schwer festlegen lässt. Deshalb ist es in diesem Fall ratsam etwas mehr abzuschneiden, um sicher zu sein. Auch sollte beachtet werden, dass diese Arbeiten nur bei trockener Witterung stattfinden.

n7Feuerbrand_Triebspitze2 Auf den ersten Blick besteht auch eine Ähnlichkeit bei einem Triebspitzen- und Blütenbefall mit der Monilia-Krankheit (Triebspitzenkrankheit und Fruchtfäule), die jedoch eine Pilzkrankheit ist. Die Symptome unterschieden sich bei näherer Betrachtung und nach Anschneiden des Gewebes zum Teil sehr eindeutig vom Feuerbrand. Jedoch sind die Unterschiede oftmals auch nur gering und nur mit viel Erfahrung oder auch gar nicht zu erkennen, so daß die Verwechslungsgefahr groß ist. In diesen Fällen sollte eine Probe der verdächtigen Pflanzenteile in ein Labor zur näheren Untersuchung eingesandt werden.

Nähere Infos zum Thema auch unter:
www.lfp-bw.de
www.feuerbrand.de


Monilia (Monilia fructigena,M. laxa)

n8Monilia_Trieb1
Diese Pilzkrankheit wird durch zwei verschiedene Arten hervorgerufen, (M. furctigena wird als Kernobstmonilia, M. laxa als Steinobstmonilia bezeichnet), jedoch führen beide Arten sowohl an den Zweigen und Früchten von Kern- als auch von Steinobst zur Spitzendürre und Fruchtfäule. Eine Unterscheidung ist daher nicht von Relevanz.
Besonders leiden die Sauerkirschen unter dieser Krankheit. Deshalb sollte man bei der Auswahl der Pflanzen auf weniger empfindliche Sorten achten.
Befallene Teile welken schon im Frühjahr (Blüten und ganze Triebe). Früchte sterben ebenfalls ab und sehen „schimmlig“ aus. Diese fallen jedoch nicht ab, sondern bleiben am Baum hängen. Deshalb sollten, auch während der Fruchtreife, alle befallenen Triebe sofort entfernt werden.
Der Übergang zwischen befallenem und gesundem Holz ist sehr scharf, d.h. lässt sich gut erkennen, und läßt sich daher im Gegensatz zum Feuerbrand gut ausschneiden. Jedoch sollte zur Vorsicht ein Teil des gesunden Holzes abgetrennt werden, um einem weiteren Fortschreiten der Krankheit vorzubeugen. Besonders bei feuchter Witterung wird der Pilz (wie alle Pilzarten) begünstigt. Darum ist eine aufgelockerte Krone von Vorteil, da diese nach dem Regen schneller abtrocknet, und somit das Pilzwachstum und die Infektionsgefahr reduziert. Zusätzlich kann mit chemischen Mitteln geschützt bzw. vorgebeugt werden, da durch Wind auch Sporen des Pilzes über weitere Strecken verbreitet werden.


Obstbaumkrebs (Necrita galligena)

n9Obstbaumkrebs_Sporen Der Obstbaumkrebs ist ein durch einen Schlauchpilz verursachte Nekrose, die über äußerliche Verletzungen in die Pflanzen eindringt und sich dort mit seinem Mycel ausbreitet. Die Infektion erfolgt durch Sporen, die von bereits befallenen Bäumen weiterverbreitet werden. 
Feuchtwarme Witterung insbesondere während der Zeit des Frühjahrs- und Herbstschnittes stellt ein besonderes Risiko dar und erfordert einige Vorsichtsmaßnahmen (Gerätehygiene und sorgfältige Vorgehensweise) sowie einen sofortigen Wundverschluß nach dem Schnitt.
Auch durch Hagelschäden und Astwinkelrisse können die Sporen eindringen, deshalb ist eine Kontrolle auf solche Schäden durchaus ratsam. Der Verlauf der Krankheit geht von den Befallsstellen aus und tötet das Rindengewebe ab, was dann dieses typisch nekrotische Äußere durch den Versuch der Überwallung des Baumes verursacht. Die Triebe oberhalb der Befallsstelle streben ab, bzw. verkümmern, da die Versorgung dieses Bereiches gestört ist. Geschwulstartige Wucherungen treten meist nur bei älteren Zweigen und Ästen auf. Dort sind auch die Sporenlager, mit denen sich der Pilz weiter verbreitet.
Deshalb ist darauf zu achten, dass diese mit entfernt werden. Wichtigste Maßnahme bei einem festgestellten Befall ist das sofortige Ausschneiden und die Vernichtung von befallenen Holzteile. Krebswunden sollten bis ins gesunde Holz hinein ausgeschnitten werden.
Stark befallene Bäume lassen sich meist nicht heilen und müssen, um die Ausbreitung einzudämmen, entfernt werden. Ausschlaggebend für einen Befall sind oft die Standortsbedingungen und die Wahl der Sorte. Auf eine nicht zu hohe Stickstoffversorgung ist zu achten, da sie den Befall begünstigt. Es gibt auch besonders anfällige Sorten, jedoch sind vollständig resistente Sorten auch nicht vorhanden. Bleibt nur die Wahl von standortsangepassten Sorten, die möglichst gut mit den örtlichen Gegebenheiten zurechtkommen und daher von vorneherein stabiler aufwachsen.

Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) 

n11Eichenprozessionsspinner5
Als wärmeliebende Art bevorzugt der Prozessionsspinner zur Eiablage frei stehende, besonnte Bäume an Waldrändern, Parks, Ortsbegrünungen, Gärten, Sportplätzen, Schwimmbädern usw. - also gerade dort, wo sich Menschen oft und gerne aufhalten.
Sehr auffälliges Merkmal des Prozessionsspinners (auch Namensgebend) ist die Bildung von Fraßgesellschaften, die sich prozessionsartig vom Ruheort zum Fraßort fortbewegen.  Die Raupe des Prozessionsspinners verursacht ernsthafte allergische Hautreaktionen. In der Mehrheit der Fälle handelte es sich um Raupendermatitis, die durch die Brennhaare der Raupe ausgelöst werden. Die mikroskopisch feinen, 0,1 bis 0,25 mm langen Haare bilden dichte Polster auf dem Rücken der Hinterleibssegmente. Bei Beunruhigung der Raupen brechen die Haare ab und werden vor allem bei trocken-warmem Wetter durch Luftströmungen über weite Strecken verfrachtet.

n12Eichenprozessionsspinner4 Die spitzen, an den Abbruchstellen scharfe, mit Widerhaken versehene Spiegelhaare bohren sich bevorzugt an dünnen, feuchten Hautstellen ein. Diese Fremdkörper und ein von einer Drüse gebildetes, lösliches Protein (Thaumetopein) löst eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems aus, die individuell unterschiedlich ausfallen kann. Diese reicht von lokalen Hautentzündungen bis zum anaphylaktischen Schock.
Maßnahmen zur Regulierung der Eichenprozessionsspinnerpopulation sind erfahrungsgemäß nur in Ausnahmefällen gerechtfertigt, z.B. bei gesundheitlichen und hygienischen Gründen, vor allem dort wo Raupennester unmittelbar im Bereich von Häusern, Wegen, Parkplätzen sowie Erholungs- und Sportanlagen zu finden sind.


Apfelblütenstecher (Anthonomus pomorum)

n13Apfelblutenstecher5
Der Käfer ist etwa 5mm groß, und gehört zu der Ordnung Rüsselkäfer. Er kommt häufig in Waldrandlagen vor und spielt vor allem in Jahren mit geringem Blütenansatz eine schädigende Rolle. Die Apfelblütenstecher kommen im Frühjahr, sobald die Temperaturen die Frostzone verlassen haben, an die Apfelbäume und suchen nach noch geschlossenen Blüten,wo sie in der Regel 1 Ei in die Knospe ablegen.
Die Larve, (in Fachkreisen Kaiwurm genannt) zerstört die Blütenknospen von innen heraus und verhindert somit die Entwicklung von Früchten. Die Knospe bleibt durch den Befall geschlossen und wird braun. Wirksamen Schutz vor Befall kann nur durch regelmäßige Kontrolle (mittels Klopfproben) erwirkt werden, denn die Bekämpfung muß im Frühjahr vor der Eiablage der Käfer erfolgen (Stadium Grüne Spitzen - Mausohrstadium). In Jahren mit starkem Blütenansatz kann der Käfer jedoch eine positiv ausdünnende Wirkung haben und verhindert die Belastung der fruchttragenden Äste durch übermäßigen Behang.


Apfelwickler und Pflaumenwickler
(Cydia pomonella, Cydia funebrana)

n14Apfelwickler_Raupe
Die Raupe des Apfelwicklers wird auch treffend als Obstmade bezeichnet, da sie die Früchte für den Verkauf unbrauchbar und diese, wie auch den Besitzer der Bäume im warsten Sinne "madig" macht. Diese beiden Falter gehören zu den wichtigsten Obstbaumschädlingen, da sie meist 2 Generationen pro Saison ausbilden, und deshalb auch enormen Schaden anrichten können. Die 2. Generation ist weit aus schädlicher, da sie die reifen Früchte angehen. Eine regelmäßige Kontrolle durch Pheromonfallen ist in der Flugzeit ab Mai daher unabdingbar. Mit dieser Methode wird die Anzahl der männlichen Falter ermittelt. Im Winter, jedoch bis spätestens Ende April sollte die Rinde der Obstbäume auf Larven und Puppen abgesucht werden.
Um die reifenden Äpfel vor einem Befall durch die 2. Generation zu schützen, können die befallene Früchte durch Schütteln der Bäume und Absammeln entfernt werden. Bereits Ende Juni fallen die ersten "wurmigen" Äpfel vom Baum. Ab Ende Juni sollte ein Wellpappe-Fanggürtel angelegt und einmal wöchentlich kontrolliert werden. Die frisch geschlüpften Raupen, die am Stamm hochkriechen, um sich in der Rinde zu verpuppen, können so angefangen werden, da sie sich in den Ritzen der Wellpappe verkriechen um dort als Puppe zu überwintern. Falls ein zu starker Befall festgestellt wird, kann biologisch mit dem Granulose Virus oder sonstigen zugelassenen Mitteln behandelt werden.


Blattläuse (Unterordnung Aphidiana)

n15blattlaus
Blattläuse sind Pflanzensaftsauger. Sie kommen meist in sehr großen Mengen auf ihren Wirtspflanzen vor und viele Arten sind bedeutende Schädlinge in der Landwirtschaft.

Es gibt kaum eine Pflanze, an der Blattläuse nicht vorkommen können, denn diese Insektenart hat kein spezifisches Wirtsspektrum. Die Blattlaus ist ein saugendes Insekt, welches das ganze Jahr über auftritt. Besonders verheerend kann ein Befall an jungen Bäumen sein, denn manche Arten können Krankheiten in Form von Viren übertragen oder Pflanzengallen induzieren.

Blattläuse haben viele natürliche Feinde, wie Marienkäfer, Florfliegen und Schwebefliegen. Junge Blätter und Knospen sollten kontrolliert werden. Um Nützlinge nicht zu schädigen sollte ein selektiv wirkende Spritzmöglichkeit gewählt werden, und dies erst Abends, nach dem Bienenflug angewandt werden.


Großer und kleiner Frostspanner
(Erannis defoliaria, Operophthera brumata)

n17kl_Frostspanner_Weibchen2
Die im Herbst angebrachten Leimringe müssen im Frühjahr entfernt werden, damit die Vögel nicht verleitet werden, dieses "künstliche Nahrungsangebot" zu nutzen, und die anhaftenden Raupen und Käfer abzupicken. Dies kann durchaus fatale Folgen haben, denn durch den Leim können die Schnäbel insbesondere die von Jungvögeln verkleben, was wiederum einen qualvollen Hungertod zur Folge haben kann.
Es werden nur Laubbäume befallen, hauptsächlich Obstsorten wie Apfel, Birne, Kirsche aber auch Eiche, Hainbuche, Linde, Ulme und Birke. Waldnahe Obstgärten oder die Nähe von Eichengehölzen, sowie sandreiche Standorte sind stärker gefährdet.
Ende März des Folgejahres schlüpfen die Jungraupen mit dem Austrieb, die zuerst die austreibenden Knospen und später die Blätter befallen. Den Sommer verbringt der Spanner als Puppe und kommt als ausgewachsene Falter ab Ende September bis November aus dem Boden. Die Männchen sitzen tagsüber auf gefallenem Laub oder an den Stämmen und schwärmen in der Dämmerung bzw. Nacht. Sie begatten das flugunfähige Weibchen, welches an warmen Herbsttagen am Stamm empor kriecht, um seine Eier in den Rindenspalten und Knospen des unteren Kronenbereichs abzulegen. Eine Populationsanalyse lässt sich recht einfach durchführen (zumindest die Anzahl der Weibchen lässt sich nachweisen, da diese flugunfähig sind). 
Zur regelmäßigen Kontrolle können zum einen die Jungraupen bzw. die Anzahl der Weibchen an den Bäumen erfasst werden. Für letzteres sollten im Herbst Leimringe an dem Stamm angelegt werden, damit die flugunfähigen Weibchen daran kleben bleiben, und es nicht zur Eiabblage kommt. Mit dieser Methode ist zumindest die Anzahl der nächsten Generation der Spanner wirkungsvoll reduziert.

Schadensschwelle: Die abgefangenen Weibchen werden gezählt. Die kritische Zahl beträgt 1 Weibchen pro cm Stammumfang. Ist diese Zahl überschritten, werden va. im extensiven Obstbau weitere Maßnahmen zur Bekämpfung nötig. Ebenfalls ist es ratsam Astproben zur Feststellung von Eibesatz zu nehemen, um gegebenenfalls die Notwendigkeit einer Winterspritzung festzustellen.

Bekämpfungsmöglichkeiten: Die Überwinterung erfolgt als Ei, welches die Möglichkeit einer Winterspritzung mit ölhaltigen Mitteln bietet, damit die Eier „ersticken“. Im Frühjahr kann eine Behandlung mit Bazillus thuringiensis-Präparaten erfolgen, jedoch ist für diese Maßnahme eine höhere Tagestemperatur notwendig. Bekämpfung der Jungraupen durch Spritzung im Frühjahr.

Prophylaxe: Leimringe anlegen und Jungraupenzählung Förderung natürlicher Feinde wie Vögel (insb. Meisen durch aufhängen von Nistkästen), Kleinsäuger, Raubwanzen, Laufkäfer, Spinnen.


Obstbaumspinnmilbe, „rote Spinne“ (Panonchyus ulmi)

n19Wintereier_spinnmilbe
Die Gattung der Spinnmilben umfasst mehrere Arten, die an den verschiedensten Pflanzen vorkommen. Die Unterart der Obstbaumspinnmilbe kommt am häufigsten an Kern- und Steinobst vor. 
Der Befall mit Spinnmilben führt zu Wachstumshemmungen, einem geringeren Fruchtansatz, Reifeverzögerung, sowie zu Ertrags- und Qualitätseinbußen.
Das Schadbild der Spinnmilbe zeigt sich recht früh an den Blättern, die erst von den Larven und später von den erwachsenen Milben ausgesaugt werden. Die Blätter sind mit kleinen, silberfarbenen Saugstellen gesprenkelt. An der Blattunterseite bilden die Spinnmilben zwischen den Blattachseln und den Blattunterseiten feine Gespinste.
Im Sommer sind die befallenen Blätter gelblich bis rostbraun verfärbt und vertrocknen. Bei sehr starkem Befall kann es zur Entlaubung kommen. Ab Ende August bis etwa Anfang Oktober werden die Eier bevorzugt an der Sonnenseite auf der Rinde abgelegt. Diese sind leuchtend rot, und sind stellenweise in solchen Massen konzentriert, sodaß ganze Partien rot erscheinen.
Die Larven schlüpfen um die Blütezeit aus den Wintereiern aus. Die Sommereier sind heller gefärbt und werden ab Mai an der Blattunterseite abgelegt, aus denen nach 3 bis 15 Tagen erneut Larven schlüpfen. Vor allem trocken-warme Phasen förden die Entwicklung der Milben, die in Südwestdeutschland in der Regel 5 Generationen pro Saison ausbilden können. Jedoch hemmen kühles Wetter und andauernder Regen deren Entwicklung. Oft sind ab Mitte Mai Sommereier, Erwachsene und Larven gleichzeitig auf der Blattunterseite zu finden.


Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi)

n21kirschfruchtfliege1 Sie ist der bedeutendste Schädling im Süßkirschenanbau im süddeutschen Raum. In den nördlicheren Kirschanbaugebieten ist sie von geringerer Bedeutung (z.B. im „alten Land“).
Das Fruchtfleisch von befallenen Kirschen wird bräunlich und wandelt sich in eine jauchig-verdorbene Masse um. Sie sind nicht mehr zum Verzehr geeignet und werden daher auch nicht mehr im Handel zugelassen und müssen möglichst zu Brennzwecken verwendet werden.
Dadurch entsteht dem Erzeuger ein finanzieller Verlust. Eine einzige Fliege kann durch ihre Eiablage (bis zu 250 Eier möglich) drei Pfund Kirschen unbrauchbar machen. Weitere Wirte sind Vogelkirsche (Prunus avium), Heckenkirsche (Lonicera spp.), Schneebeere (Symphoricarpus spp.) und Traubenkirsche (Prunus padus). Deshalb ist darauf zu achten, dass diese „wilden“ Kirschenarten nicht in der Nähe von Erwerbsflächen vorkommen, da sie als Zusatzwirte dienen und den Befallsdruck erhöhen.

n20Kirschfruchtfliege3 Befallen werden mittlere bis späte Süßkirschensorten. Frühe Sorten und Sauerkirschen werden in der Regel nicht befallen. Der Befall lässt sich oft nur an reifen Früchten feststellen. Man findet, zumeist in der Nähe des Stieles braune eingesunkene Stellen und die Früchte sind weich (Kern lässt sich im Inneren verschieben, da das Fruchtfleisch zerstört ist). Im Innern befindet sich die weißliche Made. 
Die Eiablage erfolgt je nach Klimazone etwa ab Ende Mai bis Mitte Juni mit dem Legestachel unter die Haut der noch unreifen Kirschen. Nach etwa einer Woche schlüpfen die Maden und fressen sich bis zum Stein durch und ernährt sich von dem Fruchtfleisch. Nach einem Fraß von ca. drei Wochen verlassen sie die mittlerweile reifen Früchte durch ein kleines Loch in Stielnähe und suchen den Boden auf, um sich dort zu verpuppen. Die Fliegen überdauern ein bis max. drei Jahren als Puppen im Boden und schlüpfen dann wieder ab Mitte Mai.

1. AUSDÜNNEN

Unter Ausdünnen versteht man das Entfernen von überzähligen Blüten oder Früchten. Die wichtigsten Ziele des Ausdünnens sind die Erhaltung der regelmäßigen Fruchtbarkeit, Austriebsfähigkeit und Verbesserung der Inneren und Äußeren Fruchtqualität, d.h. die Bäume werden unter dem maximal möglichen Ertrag gehalten, um eine gleichmäßige Produktion von Obst zu erhalten (keine Schwankungen zwischen Vollertrag und Geringertrag).

Alternanz:

In günstigen Jahren bildet sich ein Assimilatüberschuß aufgrund geringem Fruchtbehang, und der Baum setzt viele Blütenknospen an. Diese werden im darauffolgenden Jahr (Tragjahr) zu Früchten, die die Assimilate gänzlich aufbrauchen, sowie Hemmstoffe gegen neue Blütenknospenbildung produzieren. Die Folge daraus ist ein „Rastjahr“, in dem der Baum weniger Früchte trägt, wieder einen Assimilatüberschuß hervorruft... der Kreislauf schließt sich. Alternanz kann auch durch Spätfrost ausgelöst werden, der im Frühjahr den gesamten Blütenknospenbesatz vernichtet.

Blüte:

Durch das Entfernen von überzähligen Blüten (und somit Begrenzung der Anzahl möglicher Früchte), wird der Baum entlastet und hat noch genügend Assimilate übrig, um die Blütenknospen für das nächste Jahr auszubilden. Ebenso fällt die Produktion der Phytohormone, die in den Samen der Jungfrüchte gebildet werden und den Austrieb von Blütenknospen hemmen, weg. Für einen Vollertrag des Baumes genügen bei gutem Ansatz 5-10% der Blüten, die sich zu Früchten entwickeln. Entscheidend für ein gleichmäßiges Ertragsverhalten (bei Verhinderung von Alternanz) der Obstbäume ist das Verhältnis der Blätter zur Fruchtzahl. Das optimale Verhältnis liegt bei ca. 30-40 : 1, d.h. mind. 30 bis 40 Blätter pro Frucht. Bei stark alternierenden Sorten ist für einen Ertragsausgleich eine höhere Blattmasse erforderlich.

Frucht:

Die äußere Qualität und somit der Preis hängen im wesentlichen von der Größe der Früchte ab. Wenn ein Produzent also gute Erlöse aus seinem Obst erzielen will, muss er qualitativ hochwertige, und auch gleichzeitig große Früchte produzieren. Die sortentypische Fruchtgrößen können aber nur bei optimalem Fruchtbehang erzielt werden. Da die Ernährung der Frucht auch im wesentlichen von den verfügbaren Assimilaten abhängt, muss auch für die Ausbildung einer optimalen Fruchtqualität für jede Frucht eine Mindestanzahl von Blättern an dem dazugehörigen Fruchttrieb (Langtriebe werden für die Blattanzahl nicht berücksichtigt) vorhanden sein (z.B. bei Apfel ca. 20-30 vollentwickelte Blätter je Frucht). Speziell bei großfrüchtigen und kleinblättrigen Sorten ist auf einen höheren Blattmasseanteil zu achten um einen Ausgleich zu erhalten. Überzählige Früchte müssen entfernt werden, da sonst die Fruchtgröße sowie die Qualität leidet. Schlecht entwickelte Früchte sollten deshalb schon im Ansatz beim Dünnen ausgebrochen werden. Qualitätssteigerungen werden in aller erster Linie durch Handausdünnung erreicht, da diese Methode am besten auf die Förderung der „besseren Früchte“ angewendet werden kann.

Zeitpunkt:

Der Zeitpunkt des Ausdünnens kann je nach beabsichtigtem Zweck sehr verschieden sein. Ein Einfluß auf die Alternanz ist jedoch nach dem Junifruchtfall nur in sehr gerigem Umfang möglich. Am günstigsten ist es, schon die Blüten (Blütenausdünnung) zu entfernen. Durch diese Methode können viele Assimilate, die sonst in die Entwicklung der Jungfrüchte geflossen wären, gespart werden. Jedoch bedeutet ein frühes Ausdünnen der Bäume auch eine gewisses Risiko, da das Ausmaß an Verlusten durch Spätfrost und natürlichen Fruchtfall nicht abgeschätzt werden kann. Dieses Risiko lässt sich jedoch im Bezug auf die Alternanzvorbeugung nicht vermeiden. Wenn jedoch durch das Ausdünnen nur eine Verbesserung der Fruchtqualität erreicht werden soll, kann dies auch nach dem Junifall geschehen. Eine beachtliche Qualitätsverbesserung ist selbst bei einer Ausdünnung bis einige Wochen vor der Ernte festzustellen (bei Apfel und Birne bis etwa 4 Wochen vor der Ernte signifikant).

Methoden:

Eine Blütenbeschränkung kann schon durch den Baumschnitt erreicht werden, in dem das ältere Fruchtholz (ab 2-jähriges bei Kernobst) ausgelichtet wird. Dies darf jedoch nicht in zu starkem Maße geschehen, da sonst der Baum zu zusätzlichem Triebwachstum angeregt wird. (Faustregel: viel Schnitt, viel Austrieb) Die Durchführung der Ausdünnung kann auf verschiedene Weisen geschehen, z.B. durch:

Händisches Ausdünnen (manuell):

ist wohl die sicherste Methode, um die Regelmäßigkeit der Erträge (speziell bei Sorten, die zur Alternierung neigen) zu fördern. Jedoch sollte vor dem Entfernen der Blütenbüschel eine Begutachtung der Blühstärke vorgenommen werden. Ab einem mittleren bis hohen Blütenansatz ist eine Blütenausdünnung zu empfehlen, da ca. die Hälfte bis zu drei Viertel der Blüten ausgedünnt werden sollte, um der Alternanz vorzubeugen. Bei geringerem Blütenansatz ist davon abzusehen, da zusätzliche Verluste (Spätfrost & Fruchtfall) den Ertrag zu stark mindern. Ebenfalls ist das händische Verfahren auch nur bei kleineren Bäumen zu empfehlen, da sonst der Arbeitsaufwand ins unermessliche steigt. Die Fruchtausdünnung nach dem Junifall kann jedoch nicht durch die alternanzbrechende Ausdünnung um die Blütezeit ersetzt werden, da die Effekte für die Verbesserung der Fruchtqualität sonst nicht erreicht werden (z.B. größere Früchte; höherer Deckfarbenanteil; mehr Geschmack durch Inhaltsstoffe wie Zucker, Säure und Vitamine; steigender „Blühwilligkeit“; größere Ernteertrag).

Mechanische Ausdünnung (maschinell):

Die maschinelle Fruchtausdünnung ist eine Alternative zur manuellen und chemischen Methode, die mittels eines Traktors mit der entsprechenden Anbaumaschine durchgeführt wird. Ein dringender Bedarf an neuen Ausdünnungsmöglichkeiten ergibt sich aus folgenden Gründen: -im Bioobstbau sind keine chemischen Mittel zugelassen und der manuelle Prozeß wäre zu aufwendig -biologische Ausdünnungsmittel haben keine ausreichende Wirkung -frühzeitige Ausdünnung hat die grösste alternanzbrechende Wirkung

Einsatzzeitpunkt der Ausdünnungsmaschine:

Grün- bis Rotknospenstadium; spätere Behandlungen können zu Fruchtverletzungen führen, bei früheren Behandlungen zeigen oft verstärkte Holzschäden und auch ungenügende Wirkung. Neuerdings werden im Bioobstbau bei starkem Blütenansatz das mechanische und händische Verfahren kombiniert.

Nachteile des Einsatzes der Maschine:

Ist nur für bestimmte, schlanke Baumformen anwendbar (Spindel ohne starke Seitenäste) -Holzschäden -Früher Einsatzzeitpunkt (Spätfrostgefährdung) -Förderung und Verschleppung von Krankheiten und Schädlingen (Feuerbrand, Krebs, Blutlaus) -Beeinflussung des Triebwachstums

Chemische Blüten- und Fruchtausdünnung:

Im Bioanbau stehen im Moment keine registrierten chemischen Aus-dünnungsmittel zur Verfügung. Spezielle Biofungizide bzw. -insektizide haben aber eine mehr oder minder ausdünnende Wirkung, indem durch deren Ätzwirkung ein verstärkter Fruchtfall induziert wird.

Neudosan:

Ist ein Präperat auf Basis von Kaliumsalzen aus natürlichen Fettsäu-ren, welches laut Hersteller in einer 2-4% -igen Lösung in die Vollblüte mit ca. 1000 Liter Wasser pro Hektar ausgebracht wird. Obgleich die-ses Mittel eine gute Ausdünnungswirkung zeigt, war das Ergebnis we-nig zufriedenstellend, da in der Testreihe eine zu hoher Anteil an Fruchtberostung festgestellt wurde.

Schwefelkalkbrühe:

Eines der wichtigsten Fungizide im Bioobstbau. Es konnte bei diesem Mittel in einigen Versuchen eine ausdünnende Wirkung festgestellt werden. Die empfohlene Aufwandmenge beträgt von 20-40 kg pro Hektar, welches einer Konzentration von 2-4% entspricht.

2. AUSTRIEBSREGULIERUNG:

Alle wachstumsregulierenden Maßnahmen müssen darauf abzielen, den Lichteinfall auf die Blätter und die Frucht zu verbessern. Eine lockere Krone mit gutem Aufbau, d.h. nur eine mäßige Neutriebbilung mit einem mäßigen Schnitteingriff im Sommer, tragen zu einer besseren Qualität der Früchte und einem verminderten Krankheits- und Schädlingsdruck. Oberste Priorität dabei ist die Schaffung und Erhaltung des Gleichgewichtes zwischen Triebwachstum und Ertrag (=physiologisches Gleichgewicht). Dieses Gleichgewicht ist gegeben, wenn sich neben einem reichen Fruchtbehang noch ein notwendiges Mindestwachstum zeigt.

Krautige Triebe entfernen:

Maßnahme, um mehr Licht an die tragenden Äste und deren Früchte zu bekommen, damit diese sich gut entwickeln und auch bei der Ernte eine hohe Qualität erzielen. Unterstützung des pysiologischen Gleichgewichts durch diesen Eingriff (=Wachstumsregulierung), da sonst ein zu hohes Triebwachstum, die Qualität der Früchte nachteilig beeinflusst. Ebenso kann durch diesen Eingriff das Wachstum und somit auch der Aufbau der Bäume gesteuert werden.

„Pinzieren“:

bedeutet die junge Pflanze zu „entspitzen“, damit sie sich besser verzweigt und kräftiger wächst. Das Pinzieren der neu ausgetriebenen, jungen Spitzen stoppt allzu starkes Längenwachstum. Die Triebe werden gezwungen, aus den „schlafenden Knospen“ auszutreiben und sich noch mehr zu verzweigen. Je öfter pinziert wird, desto mehr Triebe bilden sich. Der Wuchs wird dichter, und es erwachsen mehr Blütenanlagen.

3. SOMMERSCHNITT:

Riß:

Das Reißen von jungen, krautigen Trieben sollte vor dem verholzen der Triebbasis im Zeitraum von Ende Mai bis etwa Mitte Juni geschehen, da sonst dadurch zu grosse Schäden an den Zweigen entstehen. Durch diese Methode lassen sich die Reitertriebe und Wasserschosse sehr leicht und auch rasch entfernen. Es besteht auch die Möglichkeit kräftige & steil stehende, verholzte einjährige Triebe bzw. Zweige zu reissen. Das Reissen ist im Gegensatz zum schneiden ein natürlicher Prozess, und die Reisswunden verheilen in der Regel schneller als Schnittwunden.

Schnitt:

Der Sommerschnitt ist angebracht, sobald das Triebwachstum abgeschlossen ist. An der Schnittstelle sollte der Baum nicht wieder austreiben, da diese Triebe anfällig für Schorf und Mehltau und Frost, da diese schlecht verholzt sind (Nachtriebe, die Träger von Schorfsporen sind stellen im nächsten Frühjahr ein Infektionspotential dar). Der günstigste Zeitpunkt für den Sommerschnitt liegt daher um die Mitte August, jedoch kann sich der Zeitpunkt je nach Höhenlage, Witterung und Sorte verschieben. Ebenfalls sollte das Binden und Hängen zu dieser Zeit durchgeführt werden. Zu früher Schnitt im Sommer kann zu einem verfrühten Austrieb der Blütenknospen führen (im ungünstigsten Fall noch im Herbst des selben Jahres). Aus diesem Grund ist von einem frühen Sommerschnitt im Juni und Juli abzuraten.

Ziele des Sommerschnitts bei Ertragsbäumen Wachstumsbremse:

Das Triebwachstum kann durch einen intensiven Sommerschnitt nicht reguliert werden. Vielmehr wird auf die Beruhigung des Triebwachstums durch die Selbstregulierung des Obstbaumes Ende August gesetzt, und dann einen intensiven Schnitt anzuwenden, der keine anregende Wirkung mehr auf den Baum auslöst. Eine solche Anlage sollte für den „Augustschnitt“ eineinhalb Jahre völlig ungeschnitten bleiben (kein vorheriger Sommer- und Winterschnitt).

Regulierung des Verhältnisses von Blatt zu Frucht:

Bei starkem Triebwachstum und geringem Fruchtbehang werden die Früchte im Verhältnis zu groß, und damit auch anfällig für physiologische Störungen wie Stippe und Glasigkeit. Das ideale Verhältnis liegt etwa bei 40 : 1 (Blatt : Frucht) und sollte bei starkem Fruchtansatz händisch hergestellt werden.

Kräftigung der Blütenknospen:

Durch die bessere Belichtung im Kroneninnenraum wird die Qualität und Intensität der Blütenknospen gefördert, und führt zu besseren Chancen des Fruchtansatzes in der Nähe des Mittelastes.

4. WINTERSCHNITT:

Es kann während der ganzen Ruheperiode vom Laubfall bis zum Knospenschwellen geschnitten werden. In einigen Fällen ist es zweckmäßig, den Schnitt kurz vor der Blüte (z.B. beim Pfirsich) oder gleich nach der Ernte (bei Sauerkirsche) durchzuführen. Die Schnittmethoden entsprechen dann dem der Art angepassten üblichen Winterschnitt.

Nach der Ernte: (Herbstschnitt)

Insbesondere bei Herbstsorten (Elstar, Gala, Arlet) kann zur Wachstumsberuhigung auch nach der Ernte ein Teil des Baumschnittes, wie z.B. das wegschneiden ganzer Äste, durchgeführt werden. Jedoch ist bei diesen Maßnahmen große Vorsicht geboten, denn im belaubten Zustand neigt man dazu, den Rückschnitt zu stark auszuführen.

Frühjahrsschnitt:

Schwach gewachsende Obstbäume sollten jetzt geschnitten werden. Der Grund dafür liegt in der zum Frühjahr zunehmenden Anreicherung von Bildungsstoffen in den Trieben. Werden die Triebe früh geschnitten, gehen relativ wenig Stoffe verloren. Erfolgt der Gehölzschnitt spät, gehen dem Gehölz mehr Aufbaustoffe verloren, und der Zuwachs verringert sich. Deshalb sollten Apfel- und Birnbäume, die im vergangenen Jahr stark gewachsen sind und wenig getragen haben, erst im März bzw. Anfang April geschnitten werden. Das Ziel des Frühjahrschnitts ist es, den Baum auf die kommende Saison vorzubereiten, und zu pflegen:

Pflege der Krone, um die Leistungs- und Tragfähigkeit zu erhalten und zu fördern ·optimale Fruchtbildung gewährleisten, indem die Krone „licht gestaltet“ ist und auch standortsangepasst ausgerichtet ·rechtzeitige Fruchtholzerneuerung durch Wegnahme von Ästen, um Vergreisung vorzubeugen ·Wegnahme kranker Baumteile sofort nach dem Sichtbarwerden, um das Infektionsrisiko zu verringern

Schnittarten in Anpassung an die Entwicklungsperioden Erziehungsschnitt:

Er beginnt mit dem Pflanzschnitt; Ziel ist der Aufbau eines stabilen tragfähigen Astgerüstes (Leit- und Fruchtäste).

Instandhaltungsschnitt:

Er beginnt im Stadium der zunehmenden Ertragsperiode. Es wird in die Instandhaltung und den Fruchtholzschnitt übergeleitet. Der Rückschnitt der Leit- und Seitenäste tritt zurück, der Wegschnitt des zu dicht stehenden Holzes tritt in den Vordergrund. Es soll vermieden werden, dass später zu viele starke Äste, die starke Wunden hinterlassen, entfernt werden müssen (=Überwachungsschnitt). Ein ständiges Überwachen der Krone kann aber ein zeitweiliges und kräftiges Auslichten nicht ausschließen. Der Überwachungs- und Auslichtungsschnitt müssen sich gegenseitig ergänzen.

Wirkungsgesetze & Reaktionen der Bäume auf den Schnitt Gesetz der Triebspitzenförderung:

Die Reaktion der Bäume auf Eingriffe des Schnittes folgen einem allgemeingültigen Gesetz, dem der Spitzenförderung (=Akrotonie); insbesondere bei baumartigen Gewächsen. Es besagt, dass stets die Knospe am kräftigsten austreibt, die im System (Krone- oder Astsystem) am höchsten steht. Bei steil nach oben gerichteten Trieben ist dies in der Regel immer die Endknospe. An waagrecht stehenden Trieben werden die auf der oberen Seite des Triebes vorhandenen Knospen (=Oberseiten-, Reiterförderung) gefördert. Ist ein Seitentrieb bogenförmig ausgeformt, so dass die Endknospe nach unten zeigt, so sind die am höchsten stehenden Knospen im Austrieb bevorzugt (=Scheitelpunktförderung). Wird der Trieb schon an der Basis nach unten gekrümmt, wird die sonst relativ schwach ausgebildete Basisknospe im Austrieb gefördert (Basisförderung = Basitonie, vorwiegend bei strauchartigen Gewächsen).

Gesetz von der Stärke des Rückschnitts:

Dieses Wirkungsgesetz von der Stärke des Rückschnitts besagt, dass bei einem starken Rückschnitt zwar nur ein geringer Anteil an Knospen verbleibt, diese aber lange und kräftige Triebe hervorbringen, während bei einem weniger scharfen Rückschnitt mehr Knospen zum Austrieb veranlasst werden, die einzelnen Triebe aber mehr oder weniger kurz bleiben. Dazwischen liegen alle Übergänge. Das Zusammenwirken von „Spitzenförderung“ und „Stärke des Rückschnitts“ kann zu einer Umkehrung des Gesetzes von der Stärke des Rückschnitts führen:

Wenn innerhalb einer Krone ein langer, schwacher Jahrestrieb in einem spitzen Winkel zu Stammachse hochgebunden wird (oder von Natur aus steil steht) und ein gegenüber etwas höher angesetzter, kräftiger, steil stehender einjähriger Trieb vorhanden ist, und beide zu gleichwertigen Trieben erzogen werden sollen, so schneidet man den letztgenannten scharf, den ersten dagegen schwach auf die sogenannte „Saftwaage“.




Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensgemeinschaften Mitteleuropas. Dies ergibt sich einerseits aus der Fülle an verschiedenen Lebensräumen, die eine solche Streuobstwiese zu bieten hat; andererseits auch aus der extensiven Bewirtschaftungsform, da hier meist nicht oder nur sehr wenig gedüngt oder anderweitig chemisch eingegriffen wird.

Die vielen verschiedenen Nischen für die Tierwelt ergeben sich aus dem vertikalen Strukturreichtum. So gibt es allein in der Krautschicht einer Obstwiese mehrere tausend Insekten, hinzu kommen Spinnentiere und Kleinsäuger.

In der Baumschicht leben Bilche, Fledermäuse und zahlreiche Vogelarten, die als bedroht gelten und die auf die Streuobstwiesen angewiesen sind. Viele dieser Tiere benötigen alte Obstbäume als Nistplatz. Das verfügbare Nahrungsangebot ist durch die Krautschicht sehr hoch.

Die Funktionen einer Streuobstwiese gehen aber weit darüber hinaus, 'lediglich' Lebensraum zu bieten. Sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Boden -. und Wasserschutz. Durch die geschlossene Krautschicht unter dem Obstbaumbestand wird in hohem Masse der Erosion entgegengewirkt. Da der Boden kaum abgetragen und im Allgemeinen auch nur sehr wenig gedüngt wird, werden kaum Nährstoffe ausgewaschen, eine Eutrophierung von Gewässern wird so weitgehend verhindert.

Außerdem bieten Streuobstwiesen den angrenzenden Dörfern Windschutz, da dieser durch den Baumbestand abgebremst wird. Als Frischluftproduzenten liefern sie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, Unreinheiten in der Luft können abgepuffert werden und Stäube werden von den Blättern gefiltert.

Sehr wichtig ist es auch, die vorhandene genetische Vielfalt der alten Obstsorten zu erhalten.

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