22. Oktober 2005

  • © Landkreis Reutlingen

Landesvertreterversammlung NABU

Sehr geehrter Herr Dr. Rösler,
meine Damen und Herren Abgeordneten,
Herr Bürgermeister Münzing,
meine Damen und Herren,
 
ich begrüße Sie alle sehr herzlich hier im Landkreis Reutlingen, in einem der schönsten Landkreise Baden-Württembergs. Dies sagen zwar die anderen auch, bei uns stimmt es aber.
Ich begrüße Sie also alle sehr herzlich in der Alenberghalle und in der Tat: Gibt es in diesen Tagen einen besseren Ort für eine Landesvertreterversammlung 2005 des NABU-Landesverbandes Baden-Württemberg? Im Herzen des künftigen Biosphärengebietes? Natürlich nicht!
Meine Damen und Herren, der NABU berät den Landkreis Reutlingen partnerschaftlich und konstruktiv kritisch in Fragen des Artenschutzes und gibt Anregungen für die Ausweisung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten. Ihre Mitglieder betätigen sich zudem äußerst engagiert als ehrenamtliche Naturschutzwarte und sind damit wichtige Partner z. B. in Fragen der Bauleitplanung und bei Baumaßnahmen. Vor allem durch die Projekte PLENUM und REGIONEN AKTIV im Landkreis sind die gemeinsamen Anstrengungen des NABU und des Landkreises noch enger zusammengewachsen. Der NABU ist Projektträger bei einer ganzen Anzahl sehr erfolgreicher Projekte:
  • etwa den Alb-Guides, mit jährlich zwischen 50 und 70 gebuchten Touren als wichtige Multiplikatoren für unsere regionalen Produkte und Ideen im Sinne unserer Regionalentwicklung
  • der Naturerlebnispfad Streuobst – ein Lehrpfad mit pfiffigen Erlebnismöglichkeiten rund um das Thema Streuobst
  • die Verbesserung der Schaftriebwege für Schäfereien
  • die Wiederansiedlung und Bestandsverbesserung des Steinkauzes auf Reutlinger Streuobstwiesen
  • die Umsetzung von Erzeugerkriterien für unsere rotkernige Buche, dazu gehört auch die Kartierung von Schwarzspechthöhlen in 3 000 Hektar Buchenwald von Reutlingen bis Trochtelfingen
  • die Albvisionen – eine Studie für die Folgenutzung des Truppenübungsplatzes als außerordentlich geeigneten Grundlage für die weitere Nutzungsentwicklung
  • und nicht zuletzt das Projekt Sonderausbildung von Exkursionsleiterinnen für den ehrenamtlichen Truppenübungsplatz, um dem großen Bedürfnis, den Truppenübungsplatz rasch zu betreten, zu eröffnen. 
Alles in allen sind bis heute über 225 000 EUR Fördermittel in diese gemeinsamen Projekte mit dem NABU geflossen, die Investitionen in Natur- und Landschaftsschutz in Höhe von fast 318 000 EUR ausgelöst haben. Dies war nur durch vertrauensvolle Partnerschaft möglich, wofür ich im Namen des Landkreises Reutlingen und persönlich herzlich danke.
 
Sie gestatten aber, dass ich natürlich das brennende Thema, das mir unter den Nägeln brennt, wenigstens kurz streife.
 
Ich möchte die rhetorische Frage stellen und sie im Anschluss dann auch gleich beantworten:
Biosphärengebiet Schwäbische Alb – eine einmalige Chance für die Region?
 
Fazit ist, das Biosphärengebiet Schwäbische Alb hat bereits heute eine atemberaubende Karriere hinter sich. Vor einem Jahr noch für viele Fachchinesisch, gehört der Begriff heute praktisch zum festen Bestandteil jeder Diskussionsrunde.
 
Initialzündung für diese rasante Entwicklung war am 27. April dieses Jahres in Stuttgart – also gerade mal vor 6 Monaten die Regierungserklärung von Herrn Ministerpräsident Oettinger, in der er den Willen der Landesregierung unterstrich, dass aus dem Truppenübungsplatz Münsingen ein Biosphärengebiet entstehen soll. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich Herrn Ministerpräsident Oettinger, aber auch Ihnen, sehr verehrter Herr Minister Hauk, für Ihr persönliches Engagement bei der Weiterentwicklung des Biosphärengebiets ausdrücklich danken.
Wir haben den Ball, den der Ministerpräsident uns zuspielte, sehr schnell aufgegriffen. Zusammen mit den Städten Bad Urach, Münsingen und der Gemeinde Römerstein hat der Landkreis Reutlingen noch im Juni einen ersten Abgrenzungsentwurf für ein Biosphärengebiet Schwäbische Alb erarbeitet. Dieser erste Abgrenzungsvorschlag – wir sprechen immerhin über 28 500 Hektar – stieß auch bei der Landesregierung auf eine sehr positive Resonanz und ist heute Grundlage für die aus naturschutzfachlichen Gründen sinnvolle Erweiterung. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir Gemeinden aus dem Alb-Donau-Kreis und aus dem Landkreis Esslingen gewinnen können, um die UNESCO-Anerkennung mit 30 000 Hektar zu erreichen.

Den Abzug der Bundeswehr mit allen Folgen für die Albregion konnten wir nicht verhindern, jetzt müssen wir gemeinsam das Beste daraus machen.
Ich möchte die Chance, die ein Biosphärengebiet für den Landkreis Reutlingen und die Region bietet, mit beiden Händen greifen und entschlossen zupacken, um den Schwung der aktuellen Diskussion zu nutzen und rasch zu Ergebnissen zu kommen.

Nach meiner festen Überzeugung dürfen wir die Chance für Natur und Mensch nicht zerreden, sondern müssen jetzt konsequent an der Entwicklung des Biosphärengebietes arbeiten. 
 
Ich möchte, dass wir das weltweit 460. Biosphärengebiet werden. Bekanntlich gibt es weltweit 459 Biosphärenreservate in 97 Ländern.
 
Ich möchte, dass in unserer Region das 15. Biosphärengebiet Deutschlands und erst Recht das erste in Baden-Württemberg entsteht.
 
Vieles, was in einem Biosphärengebiet geschehen soll, wird im Landkreis Reutlingen schon seit einigen Jahren mit Hilfe von PLENUM und REGIONEN AKTIV gelebt. Insoweit ist das Biosphärengebiet Schwäbische Alb eigentlich die konsequente Fortsetzung des Weges, den wir mit PLENUM und REGIONEN AKTIV erfolgreich beschritten haben. 
 
Also: Biosphärengebiet Schwäbische Alb – eine einmalige Chance für die Region!
 
Ich danke Ihnen.

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