Der Landkreis Reutlingen erstellt regelmäßig eine Endenergie- und CO2-Bilanz für das Landkreisgebiet. Die dafür notwendigen Daten werden von den statistischen Landesämtern und anderen Quellen immer etwa 2 bis 3 Jahre zeitverzögert veröffentlicht. Daher liegt nun die Bilanz für das Jahr 2022 vor.
Die Endenergie- und CO2-Bilanz ist ein wichtiges Instrument für das Monitoring der Klimaschutzziele und um die bestehenden Potenziale in der Region zu identifizieren.
In der Bilanz werden Endenergieverbräuche auf dem Gebiet des Landkreises nach Energieträgern (fossile/erneuerbare) und Verbrauchssektoren wie zum Beispiel Privathaushalte und Verkehr erfasst. Anhand hinterlegter Emissionswertepro Energieträger werden die Treibhausgasemissionen berechnet. Die Emissionswerte werden von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) zur Verfügung gestellt.
Nicht berücksichtigt in der Bilanz sind Emissionen, die Landkreisbürgerinnen und Landkreisbürger außerhalb des Landkreises verursachen (zum Beispiel Arbeit, Reisen), sowie Emissionen durch Ernährung und Konsum sowie nicht-energiebasierte Emissionen der Landwirtschaft wie zum Beispiel durch Tierhaltung und den Einsatz von Wirtschaftsdünger.
Zu den Treibhausgasen (THG) zählen alle wichtigen klimawirksamen Gase, wie Kohlendioxid (CO2), Methan (CH3) und Lachgas (N2O). Diese werden üblicherweise als CO2-Äquivalente (CO2e) oder allgemein als Treibhausgase (THG) bezeichnet. Im Jahr 2022 wurden 1,840 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Landkreis hauptsächlich durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern ausgestoßen.
Die Abbildung zeigt die Treibhausgasemissionen nach Verbrauchssektoren im Landkreis Reutlingen. Im Jahr 2022 wurden insgesamt 1,840 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert. Private Haushalte tragen 30 Prozent zu den Emissionen bei, Gewerbe und Sonstiges 20 Prozent, Verarbeitendes Gewerbe 24 Prozent und Verkehr 26 Prozent. Die Emissionen der kommunalen Liegenschaften wurden nicht gesondert, sondern im Sektor Gewerbe und Sonstiges erfasst. Die Emissionen stammen hauptsächlich aus der Verbrennung verschiedener Energieträger wie Kraftstoffe (Verkehr), Heizöl, Erdgas und Strom, der unter anderem auch aus Kohle und Erdgas erzeugt wird.
Gegenüber 2013 konnten die Treibhausgas-Emissionen absolut trotz steigender Einwohnerzahlen in allen Sektoren außer dem Verkehr reduziert werden.
Die höchsten Einsparungen konnten im Sektor Private Haushalte verzeichnet werden (circa 300.000 Tonnen CO2-Äquivalente). Auch im Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen konnten seit 2013 knapp 200.000 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Der Sektor Industrie unterlag großen Schwankungen, ist aber insgesamt auch um über 70.000 Tonnen CO2-Äquivalente gesunken.
Dementsprechend ist auch ein Rückgang bei den Emissionen je Einwohner pro Jahr zu verzeichnen, 8,55 Tonnen im Jahr 2013 auf 5,9 Tonnen im Jahr 2022. Bei den 5,9 Tonnen liegt der Regionalstrommix zugrunde. Beim Bundesstrommix mit höheren Emissionswerten belaufen sich die CO2-Emissionen auf 6,3 Tonnen pro Kopf. Laut dem Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz Baden-Württemberg (KlimaG BW) dürfen im Jahr 2040 nicht mehr Emissionen ausgestoßen werden als lokal in Böden und Biomasse wie Bäumen und Sträucher gebunden werden (Netto-Treibhausgasneutralität). Das bedeutet, dass im Jahr 2040 idealerweise nur 1 Tonne CO2 pro Einwohner pro Jahr emittiert werden.
Die gesunkenen Gesamtemissionen und damit verbunden der Pro-Kopf-Emissionen werden größtenteils durch den Ausbau und Einsatz von erneuerbaren Energien im Strom- und Wärmesektor und zunehmend auch durch E-Mobilität erzielt.
Im Landkreis Reutlingen beträgt der Anteil eneuerbarer Energien (EE) am lokalen Stromverbrauch 28,7 Prozent im Jahr 2022. Der Strom stammt hauptsächlich aus der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)* und Fotovoltaik(PV)-Anlagen. Ein geringer Anteil aus Wasser- und Windkraft. Im Wärmesektor beträgt der Anteil EE 22,3 Prozent. Die Wärme wird hauptsächlich über Kraft-Wärme-Kopplung, Biomasse und sonstige Erneuerbare zur Verfügung gestellt. Ein kleiner Teil über Solarthermie und Umweltwärme.
*Eingesetzte Energieträger der Kraft-Wärme-Kopplung können fossil (meistens Erdgas) oder erneuerbar (meistens Biogas) sein. Erdgasbetriebene Kraft-Wärme-Kopplungen werden als primärenergieschonend bezeichnet, weil durch die Verbrennung gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt werden.
Die Daten zu den erneuerbaren Energien zeigen, dass sowohl im Bereich Strom als auch Wärme noch ein Ausbaupotenzial besteht. Strom wird in Zukunft eine größere Rolle im Wärme- und Verkehrssektor spielen. Windenergie spielt bisher noch keine große Rolle im Strommix des Landkreis Reutlingen. Dies wird sich aber in Zukunft ändern.
In der Handlungsstrategie Klimaschutz hat der Landkreis Handlungsfelder, Bausteine und mögliche Maßnahmen zur Erschließung dieser Potenziale definiert. Auf Anfrage stellen wir Ihnen gerne die "Handlungsstrategie Klimaschutz" zur Verfügung.