„Denkmale laden ein, zu den Wurzeln zu schauen, zur eigenen Herkunft.
Sie sind das Gedächtnis unserer Kultur.“
– Dr. Joachim Hamberger
Siegfried Leo Palmer (geboren am 16.10.1929; gestorben am 21.09.2018) war Forstamtsleiter in Bad Urach und Spiritus Rector der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) Baden-Württemberg. Er hat die naturgemäße Waldwirtschaft in Süddeutschland über Jahrzehnte maßgeblich geprägt.
- Von 1963 bis 1976 war Palmer Leiter des Staatlichen Forstamtes Bad Urach. Anschließend wurde er Leiter der Abteilung für Forsteinrichtung an der Forstdirektion Tübingen. Während seiner beruflichen Laufbahn war er maßgeblich an der Entwicklung zahlreicher waldbaulicher Behandlungs- und Inventurverfahren beteiligt. So geht die Entwicklung der heute etablierten Zieldurchmesserernte in Buchenmischwäldern auf ihn zurück, die die damals üblichen großflächigen Verjüngungsverfahren wie Schirmschläge weitgehend ablöste. Auch die Einführung der Betriebsinventur auf Stichprobenbasis und die Einteilung der Wälder in sogenannte Waldentwicklungstypen nach Ausgangszustand und Zielsetzung gehen auf Palmer zurück. Bereits 1987 empfahl Siegfried Leo Palmer den Bürgermeistern eine anspruchsvolle waldbauliche Planung ihrer Kommunalwälder, die aufgrund der großklimatischen Veränderungen auf Risikominimierung durch Diversifizierung abzielte.
- Nach seiner Pensionierung 1994 bis zu seinem Tod 2018 engagierte er sich mit großem persönlichen Einsatz in der ANW Baden-Württemberg. Im Rahmen unzähliger Exkursionen und Waldbauübungen für Förster und Waldbesitzer aus Süddeutschland, Frankreich und der Schweiz vermittelte er ein besonderes Gespür für ökologische Zusammenhänge, Waldgeschichte und Waldentwicklung – immer mit Blick auf die Balance zwischen betriebswirtschaftlicher Optimierung und ökologischen Belangen. Er vermittelte eine dynamische Sichtweise auf die Waldentwicklung und prägte maßgeblich die Waldbehandlung im Einklang mit natürlichen Prozessen.
- Für sein herausragendes Engagement wurde er 2001 mit dem Georg-Ludwig-Hartig-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2006 erhielt er außerdem die Dr.-Karl-Dannecker-Medaille.
- Der Gedenkstein – ein Granit aus dem Nordschwarzwald, nur 10 km Luftlinie von Siegfried Leo Palmers Geburtsort entfernt – wurde auf Initiative der ANW und auf Wunsch der Witwe, Frau Ingeborg Palmer aus Dettingen a. d. Erms, aufgestellt. Der Kaltentalweiher wurde in den 1970er Jahren von Siegfried Palmer selbst geplant und angelegt, so dass der Gedenkstein symbolisch mit seinem Lebenswerk verbunden ist. Im Beisein der Familie Palmer, von Vertreterinnen und Vertretern der Landesforstverwaltung, des Staatsforstbetriebs ForstBW, der ANW und weiteren Wegbegleitern wurde der Gedenkstein zu Ehren Palmers am 22. Juli 2023 feierlich enthüllt. Er soll die Erinnerung an einen herausragenden Waldbauer, Impulsgeber und Lehrer der naturgemäßen Waldbewirtschaftung bewahren.
Vv.l.n.r.: Witwe Ingeborg Palmer, Konstantin v. Teuffel (Direktor i.R. der FVA Baden-Württemberg), Max Reger (Vorstandsvorsitzender ForstBW), Christoph Zink (2. Vorstand ANW Baden-Württemberg), Franz- Josef Risse (Vorstand ANW Baden-Württemberg, Leiter Kreisforstamt Reutlingen).