Landkreis aktuell

Unternehmer im Integrationszentrum


Auf Einladung von Landrat Thomas Reumann waren über 50 Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, insbesondere von Handwerksbetrieben, Geflüchtete aus dem Landkreis sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Agentur für Arbeit und des Landratsamts zum Unternehmerabend in das Integrationszentrum Ermstal in Dettingen gekommen.


pm-071 Unternehmerabend Jobmentoren



 
Umrahmt von afrikanischen Djembe Rhythmen dankte Landrat Reumann den Handwerksbetrieben und Unternehmen für Ihre Bereitschaft sich an dem Projekt „Jobmentoren“ des Landkreises Reutlingen zu beteiligen. Ziel des Projektes sei es, gemeinsam mit Partnern Geflüchtete möglichst schnell mit Betrieben in Kontakt zu bringen. Ganzheitlich gelte bei diesem Modell der Ansatz „erst statuieren, dann qualifizieren“. Die bisherigen positiven Erfahrungen würden Mut machen, diesen Weg weiter zu gehen.
 
Damit war der Unternehmerabend rund um das Thema Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt eröffnet. In Form einer Podiumsdiskussion wurden die Hemmnisse und Hürden, aber auch der Gewinn, den die Beschäftigung von Geflüchteten und Asylbewerben für die Gesellschaft und die Unternehmen hat, herausgestellt.
 
Stellvertretend für alle Firmen, die sich der Aufgabe angenommen haben, Arbeitsplätze in unterschiedlichen Bereichen auch Geflüchteten anzubieten, erörterten Walter Erbe für die Syndikat AG, Daniel Morgenstern für die Cerona Remarketing & Recycling GmbH sowie Dr. Claudius Müller für das Landratsamt Reutlingen als Arbeitgeber von Geflüchteten die Schwierigkeiten, Hindernisse und Vorteile, die sich durch die Anstellung von Geflüchteten ergeben haben. Die Geflüchteten selbst schilderten aus ihrer Sicht, welche Probleme sie bei ihren Arbeitgebern haben.
 
Mit den inhaltlichen Fragen sei er durch sein Studium zum Bauingenieur in Syrien vertraut, erklärt der syrische Mitarbeiter des Kreisbauamtes. Die größere Herausforderung seien die baurechtlichen Fachbegriffe. Gemeinsam mit den Kollegen suche man gerade nach einem vergleichbaren arabischen Äquivalent für das Wort „Fundament“, wie Ordnungsdezernent Dr. Müller bestätigt.
 
Neben sprachlichen Herausforderungen gebe es aber auch andere Bereiche, die bei der Beschäftigung von Geflüchteten eine Rolle spielten. Anlässlich des gerade begonnenen Fastenmonats Ramadan wurde beispielhaft veranschaulicht, dass fehlende interkulturelle und soziale Kompetenzen oft zu Missverständnissen führten. Problematisch werde es allerdings, wenn der Mangel an Flüssigkeit und Nahrung bei Beschäftigten zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führe oder sogar die Sicherheit der Mitarbeitenden nicht gewährleistet sei, wie Zimmerer Erbe verdeutlichte.
 
Mehrfach wurde der Mehrwert, der bei der Beschäftigung von Geflüchteten entstehe, unterstrichen. In Anbetracht des Fachkräftemangels und vieler unbesetzter Ausbildungsplätze in der Region wurde von Unternehmerseite hervorgehoben, dass sie in den Geflüchteten durchaus Potenzial für geeignete Beschäftigte sehen und viele Unternehmen bereit seien hier aus eigenen Mitteln Unterstützung hinsichtlich der Qualifizierung der neuen Mitarbeitenden zu leisten.
 
Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Stefan Rechthaler, dem Jobmentor des Amtes für Migration und Integration beim Landkreis Reutlingen. Er kümmert sich, in enger Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit und der Kreishandwerkerschaft, um die Vermittlung von Geflüchteten in Arbeit und ist dabei in engem Austausch mit vielen kleineren und mittleren Unternehmen in der Region. Dass seine Arbeit erfolgreich ist, lässt sich durch 83 vermittelter Flüchtlinge belegen, aber auch durch den Zuspruch der geladenen Firmeninhaber. Finanziert wird seine Stelle unter anderem auch aus Fördermitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

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