Landkreis aktuell

Ausstellungseröffnung Carolus Horn


„Wie aus Wolken Spiegeleier werden“

Rund um den Welt-Alzheimertag am 21. September finden weltweit alljährlich vielfältige Aktivitäten statt, um die Öffentlichkeit auf die Situation demenzerkrankter Menschen und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen.
 
Ein Höhepunkt des diesjährigen Veranstaltungsprogramms rund um den Welt-Alzheimertag 2018 im Landkreis Reutlingen ist die Ausstellung „Wie aus Wolken Spiegeleier werden“, in der Bilder des mit 60 Jahren an Demenz erkrankten Werbegrafikers Carolus Horn (1921-1992) gezeigt werden. Die Ausstellung wurde von der Altenhilfefachberatung des Landkreises organisiert und mit Förderung der Seniorenstiftung der Kreissparkasse ermöglicht. 
 
Zur Ausstellungseröffnung am 12.September um 18.00 Uhr im Casino des ZfP Zwiefalten sind alle interessierten Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen. Christel Meixner, Alzheimerberatungsstelle des DRK, und Kerstin Rilling, Museumspädagogin im Kunstmuseum Reutlingen, werden in einem Vortrag Einblicke in das Leben und Schaffen von Carolus Horn geben und seine Bilder erläutern. Zusätzlich sorgt das Duo Feuervogel für einen musikalischen Beitrag.
 
Zu sehen ist die Ausstellung vom 12. bis 21.September 2018 im ZfP Zwiefalten, Verwaltungsgebäude EG, Hauptstr. 9, täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr und vom 25. September bis 10.Oktober 2018 in der Kreissparkasse in Metzingen, Schönbeinstr. 11, während der Öffnungszeiten.
 
Carolus Horn war einer der bekanntesten deutschen Werbegrafiker und Werbetexter des letzten Jahrhunderts. Schon als Kind entdeckte er seine Leidenschaft für das Zeichnen und Malen. In den 1930-er Jahren erhielt er den Auftrag, ein Kinoplakat für einen Film mit Luis Trenker zu gestalten. Während des 2.Weltkrieges und seiner Kriegsgefangenschaft in Russland half ihm die Malerei zu überleben. Nach dem Krieg begann er seine Karriere als Werbegrafiker und Werbetexter. Er entwarf und gestaltete einige der bekanntesten Werbekampagnen des deutschen Wirtschaftswunders - für die Deutsche Bundesbahn, für Esso oder für Opel. Daneben schuf er eine umfangreiche Sammlung an Landschaftsdarstellungen sowie Städteansichten und setzte Eindrücke zahlreicher Reisen bildlich um.
 
Als Carolus Horn 1981 an Demenz erkrankte, befürchteten Freunde und Familie den Verlust seiner künstlerischen Fähigkeiten. Sie erlebten jedoch eher eine Steigerung seiner Schaffenskraft. Er arbeitete an seinen Bildern bis kurz vor seinem Tod und seine Werke gewannen sogar an Ausdruckskraft. In seiner Malerei kommt der Verlauf seiner Erkrankung zum Ausdruck. Die beginnende Erkrankung wird in seinen Bildern deutlich durch Veränderungen der räumlichen Bezüge und im Verlust der Dreidimensionalität. Später wurde die Gestaltung naiver, dabei aber zugleich farbenfroher. Mit fortschreitendem Krankheitsverlauf wurden Bildelemente immer stärker reduziert und schematisiert, ja abstrakt. Beispielhaft hierfür sind die Art der Darstellungen des Himmels und der Wolken: Waren diese anfangs noch detailliert und realistisch, so glichen sie am Ende „Spiegeleiern“. Zuletzt schuf Carolus Horn einfarbige Bilder und zeichnete mit Bleistift. Von großer Faszination für den Betrachter sind auch seine Darstellungen der Rialto-Brücke in Venedig - ein Motiv, dass er schon in gesunden Tagen wählte und während seiner Erkrankung wiederholt zu Papier brachte.


Rialtobrücke, Carolus Horn
 
Aktivität und kreatives Gestalten bietet auch dementiell erkrankten Menschen Halt und Lebensqualität. Dies schilderte nach dem Tod von Carolus Horn seine Witwe eindrucksvoll; die Malerei war für Carolus Horn Lebensinhalt - bis zuletzt.
 
Der Eintritt zur Ausstellungseröffnung ist kostenlos. Es ist keine Anmeldung erforderlich.

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