Landkreis aktuell

Workshop "Kommunale Partnerschaften"


Wie motiviere ich junge Leute, sich einzubringen? Wie finanziere ich Partnerschaftsaktionen? Wie wird das sichtbar, was wir tun? Was passiert in den Partnerschaften unter nationalistischen Entwicklungen? Wie sich Kreis-, Städte- und Gemeindepartnerschaften für die Zukunft aufstellen, dazu trafen sich gestern 21 Engagierte im Landratsamt Reutlingen zu einem Workshop für kommunale Partnerschaften.

Ehrenamtlich und hauptamtlich Engagierte trafen sich im Landratsamt Reutlingen zu einem Austausch über kommunale Partnerschaften

 
„Dass Europa vor Ort erlebbar wird, verdanken wir zu einem Großteil Ihnen mit Ihrem Engagement in den kommunalen Partnerschaften!“ Mit dieser Botschaft entließ Landrat Thomas Reumann die anwesenden Teilnehmenden in den Workshop. Dass die Veranstaltung auch genügend Raum für Erfahrungsaustausch biete, lobte und betonte er, denn davon würden alle profitieren. Und der Erfahrungshorizont war tatsächlich breit gefächert. Von der geplanten Erstpartnerschaft bis zum 60-jährigen Jubiläum war alles dabei.
 
Als gemeinsame Diskussionsgrundlage diente die aktuelle Studie „Städtepartnerschaften - den europäischen Bürgersinn stärken“ des deutsch-französischen Instituts und der Bertelsmann-Stiftung, die Dr. Eileen Keller gleich zu Beginn vorstellte. Die Daten und Erfahrungen aus der Befragung von über 1.000 Kommunen regten gleich vormittags zum intensiven Austausch an. Prof. Dr. Frank Baasner, Direktor des deutsch-französischen Instituts strukturierte den Dialog und vervollständigte die Ergebnisse mit den Erkenntnissen aus den vorangegangenen vier Workshops, die in dieser Veranstaltungsreihe bereits in Heilbronn, Pforzheim, Emmendingen und Karlsruhe stattgefunden hatten.
 
Gute Beispiele für partnerschaftliche Aktivitäten wurden zuhauf genannt: Der gemeinsame Besuch der jeweiligen Hauptstädte durch das Römersteiner Partnerschaftskomitee oder aber die großartige Resonanz auf das europäische Wochenende mit beeindruckendem mehrsprachigem ökumenischem Gottesdienst in Metzingen.
Sehr beliebt bei den Partnerkommunen seien mittlerweile Besuche auf deutschen Weihnachtsmärkten. Zur Aufbesserung der Partnervereinskasse hätten viele Komitees einen eigenen Stand am lokalen Weihnachtsmarkt, was auch gleich hilfreich für eine bessere Sichtbarkeit des Engagements sei. Eine überregional bekannte Weiterentwicklung dieser Idee ist der umbrisch-provenzalische Markt in Tübingen. Da würde im besten Sinne der Genussanlass mit ökonomischen Interessen verknüpft.
 
Aber auch die Herausforderungen in den Partnerschaften wurden von den ehrenamtlich und hauptamtlich Engagierten benannt und diskutiert. Wie umgehen mit einem neu gewählten nationalistisch orientierten Bürgermeister in der Partnerstadt, der den Kontakt abbricht. Die Partnerschaftsvereine sollten ihren Kontakt und ihre Aktivitäten deshalb nicht aufgeben, betonte Baasner. Denn grundsätzlich stünde die bürgerschaftliche Begegnung im Vordergrund und könne auch im kleinen Rahmen weiter betrieben werden. Wie viel Diplomatie nötig wäre, wurde unterschiedlich bewertet. So wurde aus Münsingen berichtet, dass die ungarischen Zuhörer die deutlichen proeuropäischen Worte des Münsinger Bürgermeisters bei einem Besuch in der ungarischen Partnerstadt dankbar aufgenommen hätten.
 
Die Unterstützung durch die Verwaltungsspitze sei allgemein sehr wichtig für die Partnerschaftsarbeit und wäre auch in den meisten der anwesenden Kommunen vorhanden, so waren sich die Teilnehmer einig. Mehr Beteiligung der Gemeinderäte an Partnerschaftsaktionen stünde dagegen vielerorts noch auf der Wunschliste.
 
Auch die Unterbringungsfrage war ein Thema. Die übliche Unterbringung in der Gastfamilie ist nicht mehr immer Konsens, einige Delegationsteilnehmer würden mittlerweile Hotels bevorzugen. Als mögliche Gründe wurden Bequemlichkeit, Angst vor dem Unbekannten, aber auch auf der Gastgeberseite die mögliche Scham davor, eine „schlechte“ Unterkunft anzubieten, angeführt. Die Teilnehmer einigten sich darauf, dass im Kern die Unterbringung in Gastfamilien erhalten bleiben sollte. Bei anderweitiger Unterbringung wäre es wichtig, ähnliche Interessen zusammen bringen und die Begegnungen über niederschwellige gemeinsame Aktivitäten wie das gemeinsame Essen zu ermöglichen. Dass diese positiven Erfahrungen zu einem Einstellungswechsel bei „Hotel-Teilnehmern“ geführt hatten, konnte die Vorsitzende des Pliezhausener Partnerschaftsvereins berichten.
 
Der Nachmittag wurde speziell für die Themen Förderung und Jugendarbeit genutzt.
Katja Fischer gab als Europa- und Fördermittelbeauftragte des Landkreises Reutlingen einen Überblick über die Möglichkeiten, aus welchen Quellen Partnerschaftsarbeit finanziert werden kann. Sie nutzte die Gelegenheit, um das Erasmus-Projekt vorzustellen, über das kommunale Auszubildende in der Region Neckar-Alb für vier Wochen ins Auslandspraktikum können. Und das könnte schließlich auch in der Partnerstadt stattfinden.
 
Auch wenn die Überalterung in den Partnerschaftsvereinen angegangen werden muss, ist es doch gut ein Kernteam zu haben, dass die Partnerschaft stabilisiert und als Vertrauensbasis fungiert. Wie junge Menschen für die Partnerschaftsarbeit begeistert werden könnten wollten die Teilnehmer von Lisa Möller wissen, die ehrenamtlich die Geschäfte des deutsch-französischen Jugendausschusses führt. „Indem ihr ihnen auf Augenhöhe begegnet und ihnen Verantwortung übertragt“, lautete die prompte Antwort. Außerdem wäre es hilfreich, wenn die jungen Menschen die Partnerschaftsvereine digital „finden“ könnten. Ein Verein ohne eigene Homepage sei grundsätzlich schon einmal nicht interessant, weil sich die jungen Menschen keinen Überblick verschaffen könnten. Mutige Komitees könnten sich überlegen, ein Snapchat-Konto oder einen Instagram-Account anzulegen.
 
Die Veranstaltungsreihe zu den kommunalen Partnerschaften  läuft als Modellprojekt unter der Schirmherrschaft von Gisela Erler, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung im Staatsministerium Baden-Württemberg. Eine sechste Veranstaltung wird im Dezember in Ulm stattfinden.

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