Landkreis aktuell

Klimapartnerschaft mit Ulundi


Sawubona, das heißt „Hallo“ in der Zulu-Sprache, die hauptsächlich in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal gesprochen wird. So grüßte kürzlich eine Delegation aus der dortigen Kommune Ulundi bei ihrem Besuch im Landkreis Reutlingen. Anlass für den Besuch war der Auftakt der gemeinsamen Teilnahme am durch Bundesmittel geförderten Projekt „Kommunale Klimapartnerschaften“.
 
Vertreterinnen und Vertreter des Landkreis Reutlingen und aus Ulundi
v.l.n.r.:
 Salome Mages (Koordinatorin Kommunale Entwicklungspolitik), Karin Blum (Geschäftsteilleitung Nahverkehr und Mobilität), Richard Mazibuko (Geschäftsführender Direktor Planung und Entwicklung in der Gemeindeverwaltung Ulundi), Hans-Jürgen Stede (Erster Landesbeamter), Thandeka Ntombela (Geschäftsführende Direktorin Gemeindedienst in der Gemeindeverwaltung Ulundi), Landrat Thomas Reumann, Wilson Ntshangase (Bürgermeister Ulundi), Julius Regelmann (Abfallwirtschaft)
 

Seit 2010 pflegt der Landkreis Reutlingen freundschaftliche Beziehungen zu der südafrikanischen Kommune Ulundi. Gemeinsam mit der Stiftung Nature Life-International war von Anfang das Ziel, diese als offenen Nachhaltigkeitsdialog zu gestalten. Nun soll dieser Austausch insbesondere im Bereich Klimaschutz und Klimaanpassung konkret weiterentwickelt werden. Deswegen haben der Landkreis Reutlingen und die südafrikanische Gemeinde beschlossen, sich gemeinsam an dem Projekt „Kommunale Klimapartnerschaften“ zu beteiligen. Gefördert durch Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), wird das entwicklungspolitische Projekt durch die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) der Engagement Global gGmbH mit Sitz in Bonn organisiert und betreut. Das Projekt unterstützt Kommunen in ihren Bemühungen, auf lokaler Ebene einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
 
Dem Besuch der Delegation aus Ulundi im Landkreis ging daher die gemeinsame Teilnahme an der internationalen Auftaktkonferenz des Projekts in Münster voraus. Dort trafen sich zehn deutsche Gemeinden und Landkreise mit ihren jeweiligen Partnerkommunen aus Afrika und Südamerika zum ersten Erfahrungsaustausch im Rahmen eines dreitägigen Workshops. Dabei wurde die Grundlage für die systematisch angelegte Zusammenarbeit in der Zukunft geschaffen.
 
Anschließend folgte die dreiköpfige Delegation aus Ulundi der Einladung des Kreisamts für nachhaltige Entwicklung, welche die Klimapartnerschaft im Landkreis koordiniert.
 
Bei einem Treffen betonte Landrat Thomas Reumann, dass es um eine Partnerschaft auf Augenhöhe gehe und man den Austausch fördern wolle, um lokale Antworten auf globale Herausforderungen zu entwickeln und dabei voneinander zu lernen: „Bei meinem letzten Besuch in Ulundi hat mich überzeugt, wie Erträge aus den Maßnahmen zum Umweltmanagement im dortigen Naturreservat sinnvoll für soziale Projekte eingesetzt werden“.
 
Gemeinsame Bildungsarbeit im Rahmen der Klimapartnerschaft soll die Menschen im Landkreis darauf aufmerksam machen, dass der Klimawandel nicht nur eine Herausforderung für unsere folgenden Generationen ist, wie derzeit die Fridays4Future-Bewegung aufzeigt. Es besteht auch ein Ungleichgewicht zwischen den größten Verursachern des Klimawandels und denen, die dessen Effekte bereits jetzt am stärksten zu spüren bekommen. „Unser Handeln hat konkrete Auswirkungen auf das Leben unserer Partner im Globalen Süden. Dafür möchten wir mit der Klimapartnerschaft sensibilisieren“, sagt Salome Mages, Koordinatorin für Kommunale Entwicklungspolitik und zuständig für das Projekt im Landkreis Reutlingen.
 
Ein wichtiges Thema für die Delegation aus Ulundi war ebenso der Umgang mit Abfällen. Allgemein fehle es dort am Verständnis dafür, dass diese als Wertstoff zu verstehen seien, die durch geeignete Verwertungsmaßnahmen wieder in den Stoffkreislauf eingespeist werden können, erläuterte der Bürgermeister von Ulundi Wilson Ntshangase während eines Arbeitsbesuchs auf dem Wertstoffhof Reutlingen-Schinderteich. Die Besichtigung des Komposthofs Pfullingen lies bei den Gästen die Idee reifen, dass durch den Aufbau von Abfallwirtschaftsstrukturen zudem Potentiale zur Schaffung von Arbeitsplätzen bestünden, die in Ulundi dringend gebraucht würden. Durch die Errichtung kleiner, dezentraler Komposthöfe könne man dort außerdem einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, erklärte Julius Regelmann, Mitarbeiter der Abfallwirtschaft des Landkreises bei seiner Führung über den Hof. Die Kompostierung der Bioabfälle würde dazu führen, dass Bioabfälle nicht mehr auf Deponien landen und dort das Treibhausgas Methan ausstoßen, so die Einschätzung. Abnehmer von qualitativ hochwertigem Kompostmaterial gebe es durch die lokale Landwirtschaft in Ulundi genug, erklärte Bürgermeister Ntshangase.
 
Die größten Herausforderungen erlebt die südafrikanische Kommune derzeit jedoch im Bereich Energieversorgung. Seit den landesweiten Wahlen im Mai ist einer der zwei Stromverteiler in Ulundi funktionsunfähig, sodass die Verwaltung dieser Tage die Stromversorgung im zweistunden Rhythmus abwechselnd in einzelnen Stadtteilen abschalten muss. Wie man solchen Situationen durch die Nutzung regenerativer Energiequellen entgegen wirken und dabei unabhängig von staatlichen Energieversorgern sein könnte, wurde bei der Begehung eines im Landkreis ansässigen Energietechnik-Unternehmens deutlich.
 
Im Rahmen der neugeschlossenen Klimapartnerschaft sollen solche Herausforderungen gemeinsam angegangen werden. Im Vordergrund steht dabei der kommunale Wissensaustausch. Ziel des Projekts ist es, in den kommenden zwei Jahren ein gemeinsames Handlungsprogramm mit Maßnahmenvorschlägen in den Bereichen Klimaschutz und Klimafolgenanpassung zu erarbeiten. Gegenseitige Expertensendungen sollen dazu dienen, die Bedarfe zu identifizieren und in Projektideen zu übersetzen. Zum Abschluss des Besuchs der Delegation lud Bürgermeister Ntshangase die Vertreterinnen und Vertreter des Landkreises Reutlingen Ende des Jahres nach Ulundi ein, um die Zusammenarbeit dort fortzusetzen.

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