Landkreis aktuell

Waldzustand im Landkreis Reutlingen


Dem Wald geht es besser - die Buche bereitet aber immer noch Sorgen

Der aktuelle Waldzustand wird in Baden-Württemberg jährlich von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg erhoben. Der Waldzustandsbericht 2011 zeigt, dass sich der Zustand der Wälder in Baden-Württemberg erneut verbessert hat. Das gilt auch für den Landkreis Reutlingen.

Messgröße der Waldzustandserhebung ist die sogenannte Belaubungsdichte: Bei den untersuchten Bäumen wird festgestellt, wie viel Prozent Nadeln oder Laub zu einer voll belaubten Krone fehlen. Diese Größe wird als Blatt-/Nadel-verlustprozent bezeichnet. Landesweit liegt das mittlere Verlustprozent von Nadeln und Blättern bei 21,2 Prozent und damit 1,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Insbesondere Fichte, Kiefer und Eiche profitierten von günstigen Witterungsbedingungen und geringem Befall von Schadinsekten.

Der Buche allerdings - im Landkreis Reutlingen mit einem Flächenanteil von 46 Prozent die bedeutendste Baumart -  machte in diesem Jahr die starke "Fruktifikation" zu schaffen. Denn die Energie, die in Blüte und Fruchtausbildung investiert wird, fehlt den Bäumen an anderer Stelle. Sie bilden deshalb weniger und kleinere Blätter aus, die vorzeitig verfärbt und schon früh abgeworfen werden. "Darüber hinaus ist die Entwicklung beim Eschentriebsterben bedenklich. Die Pilzkrankheit breitet sich seit 2009 im Land aus. Dieses Jahr hat sie auch im Landkreis verstärkt Eschenbestände aller Altersklassen befallen", betont der Leiter des Kreisforstamts, Werner Gamerdinger.

Gesicherte Aussagen über den Waldzustand sind nur für ganze Wuchsgebiete, nicht für den Landkreis möglich. Der Landkreis Reutlingen liegt mit seinem nördlichen Teil im sogenannten Wuchsgebiet Neckarland. Der südliche Teil gehört zum Wuchsgebiet Schwäbische Alb. Die Situation im Neckarland ist durch das etwas trockenere und wärmere Klima bekannterweise anders gelagert als auf der Alb. In den einzelnen Wuchsgebieten ist die Entwicklung der Baumarten deshalb unter Umständen recht unterschiedlich. Das Schadniveau der Fichte zum Beispiel hat sich im Neckarland verschlechtert, auf der Schwäbischen Alb hingegen ist eine deutliche Erholung zu verzeichnen.

Im Neckarland liegt der mittlere Nadel-/Blattverlust allgemein bei 23,6 Prozent und damit 0,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Besonders herauszuheben ist dort die Verbesserung bei der Eiche (die hier auch stärker vertreten ist als auf der Alb). Geringe Schädigung durch blattfressende Raupen sowie äußerst geringer Befall durch Eichenmehltau führen in der Kombination mit günstigen Witterungsbedingungen in diesem Jahr zu einer deutlichen Erholung bei dieser Baumart.
Auf der Alb geht es den Bäumen besonders gut. Hier ist die Verbesserung bei geringerem Ausgangsniveau noch deutlicher als im Neckarland. Der mittlere Nadel-/Blattverlust aller Baumarten verringert sich in diesem Gebiet um 1,3 Prozent auf nur noch 18,6 Prozent.

„Nach dem trockenen Frühjahr war der Sommer eher wechselhaft und verregnet. Das wirkt sich wegen der ausgeglichenen Wasserversorgung in der Vegetationszeit positiv auf den Wald aus“, erklärt Kreisforstamtsleiter Gamerdinger. Es bleibe aber abzuwarten, wie sich die kommenden Jahre klimatisch entwickeln. "Aufgrund des Klimawandels werden wir zukünftig verstärkt mit ständig wechselnden klimatischen Extremen leben müssen", so Gamerdinger. Für die Waldbewirtschaftung bedeute dies ständige Pflege und Anpassung.

Ungeachtet der Entwicklung des Schadniveaus gilt für alle Baumarten, dass der jeweilige Zuwachs in den letzten 15 Jahren größer war als die Nutzungen. Der Landkreis Reutlingen wurde also „holzreicher". Einzige Ausnahme bildet dabei die Fichte, deren Flächenanteil abgenommen hat. Diese Tatsache zeigt, dass in der Vergangenheit eine Umwandlung von fichtendominierten Beständen in laubholzreiche Mischwälder vollzogen wurde. Laubholzreiche Mischwälder besitzen nach heutigem Kenntnisstand die größte Widerstandskraft gegen abiotische (Sturm, Trockenheit, Schadstoffe) und biotische (Insekten) Einwirkungen.

Wald ist ein stark prägendes Landschaftselement und wurde seit jeher vom Menschen in vielfältiger Weise genutzt. Im Landkreis Reutlingen nimmt seine Fläche 42 500 Hektar ein. 39 Prozent der Fläche des Landkreises sind Wald. Diese Fläche verteilt sich auf drei verschiedene Besitzarten. Die Städte und Gemeinden nehmen mit 53 Prozent den größten Anteil ein, gefolgt vom Land Baden-Württemberg mit 22 Prozent. 19 Prozent der Waldflächen sind in privater Hand, 6 Prozent sind Bundeswald.

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