Was viele Obstbaumbesitzerinnen und -besitzer kaum noch auf dem Schirm hatten, ist in diesem Jahr wieder akut: Der Feuerbrand, eine bakterielle Erkrankung von Kernobstgewächsen, tritt im Landkreis Reutlingen wieder verstärkt auf.
Nach rund zehn ruhigen Jahren kam der erneute Befallsdruck in ganz Baden-Württemberg für die Fachleute überraschend. Im Landkreis Reutlingen häufen sich besonders im nördlichen Kreisgebiet rund um Walddorfhäslach derzeit die Meldungen, aber auch aus dem Albvorland erhält die Grünflächenberatungsstelle Hinweise auf befallene Bäume.
Die Witterungsbedingungen haben die Ausbreitung des Erregers Erwinia amylovora in diesem Jahr offenbar begünstigt. Trotz der sommerlichen Hitze haben sich die Bakterien gut vermehrt - ein Umstand, der so nicht unbedingt zu erwarten war.
Gerade in heißen Sommern sehen viele Gartenbesitzerinnen und -besitzer braune Triebspitzen an ihren Apfel- und Birnbäumen und denken zuerst an Trockenstress. Die Unterscheidung ist aber wichtig - typische Merkmale von Feuerbrand sind:
Trockenschäden zeichnen sich dagegen wie folgt aus:
Aufgrund der anhaltenden Hitze und Trockenheit werden Trockenheitsschäden an Obstbäumen in den kommenden Wochen weiter zunehmen. Besonders gefährdet sind Jungbäume: Sie haben noch kein ausreichend tiefes Wurzelwerk ausgebildet und sind dringend auf zusätzliche Wassergaben angewiesen. Als Faustregel gilt: 20 bis 30 Liter Wasser alle zwei Wochen, das hält junge Bäume am Leben und verhindert bleibende Schäden.
Der Feuerbrand ist inzwischen nicht mehr meldepflichtig. Das bedeutet aber keinesfalls Entwarnung - im Gegenteil: Die Bekämpfung liegt jetzt umso mehr in der Verantwortung jedes einzelnen Baumbesitzenden. Denn unbehandelte Befallsherde können sich rasch auf Nachbarbäume und -grundstücke ausbreiten. Die einzige wirksame Maßnahme ist der konsequente Rückschnitt ins gesunde Holz. Dabei gilt:
Wer Kernobstbäume, also Apfel, Birne, Quitte, im Garten oder auf der Streuobstwiese hat, sollte in den kommenden Wochen regelmäßig nach den Bäumen schauen. Je früher ein Befall erkannt und entfernt wird, desto besser stehen die Chancen, den Baum zu retten und eine Ausbreitung zu verhindern.
Thilo Tschersich, Simon Walch
Kreisfachberater für Obst- und Gartenbau / Grünflächenberatungsstelle am Landratsamt Reutlingen
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