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Klimaanpassung

Klimaanpassung bedeutet, den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken oder diese zu minimieren. Hitze und Extremwetter wie Dürren, Hitzewellen und Starkregen- oder Hagelereignisse sind Auswirkungen des Klimawandels, die wir im Landkreis Reutlingen schon seit einiger Zeit erleben und die in Zukunft häufiger werden. Das alles hat Auswirkungen auf unsere Naturräume, die Landwirtschaft und den Forst, auf die menschliche Gesundheit und unsere wirtschaftliche Grundlage. Klimaanpassung bedeutet dabei, mit diesen neuen Gegebenheiten umzugehen. Es erfordert ein Umdenken und eine neue Herangehensweise insbesondere im Umgang mit Wasser und Hitze. 

Informationen zur Klimaanpassung

Mit Beginn der Industrialisierung verbreitete sich die Verbrennung von fossilen Rohstoffen zur Energieerzeugung für Strom, Wärme und Fortbewegung. Dadurch stieg die Jahresmitteltemperatur in Baden-Württemberg um bisher plus 1,6 Grad Celsius an. 

Messbare Vergangenheit und Gegenwart

Im Landkreis Reutlingen erleben wir messbar wärmere Sommer und Winter, mehr „Heiße Tage“ (plus 30 Grad Celsius und mehr), mehr Starkregenereignisse und Veränderungen in den Niederschlagsmustern hin zu trockeneren Sommern und feuchteren Wintern.

Während die Jahresmitteltemperatur im Zeitraum von 1061 bis 1990 auf der Schwäbischen Alb bei 6 bis 7 Grad Celsius und in Albvorland bei 8 bis 9 Grad Celsius lag, stieg sie im Zeitraum von 1995 bis 2024 auf 7 bis 8 Grad bzw. 9 bis 11 Grad Celsius an. Das Jahr 2023 war zum Beispiel ein sehr heißes Jahr. Hier lag die Jahresmitteltemperatur auf der Alb bei 9 bis 10  Grad Celsius und im Albvorland bei 11 bis 12 Grad Celsius.

Wie die Klimavergangenheit Ihrer Kommune war, können Sie beim  Klimaatlas Baden-Württemberg sehen: tippen Sie den gewünschten Namen einer Kommune ein und schauen Sie sich die verschiedenen Klimakennwerte für das vergangene Jahr und den Referenzzeitraum an. Die Klimaprofile der Kommunen oder das des Landkreises können auch herunterladen werden.

Modellierte Zukunftsvorhersagen 

Die nahe Klimazukunft von jetzt bis 2050 sowie die ferne Klimazukunft von 2071 bis 2100 wurde für Baden-Württemberg und für alle zugehörigen Landkreise, Städte und Gemeinden modelliert und sind im Kartenviewer des Klimaatlas Baden-Württemberg einsehbar. Wie genau aber die Klimazukunft aussehen wird, hängt von dem Klimaschutzverhalten der Weltgemeinschaft ab. Um diese Entwicklungen greifbarer zu machen, wurden mehrere Treibhausgasemissionsszenarien für die nahe sowie ferne Zukunft modelliert: das „2 Grad Celsius-Ziel“ Szenario (Representative Concentration Pathway 2,6), den „Mittlere Weg“ (Representative Concentration Pathway 4,5) und das „Hochemissionsszenario“ (Representative Concentration Pathway 8,5). Diese Szenarien basieren auf dem fünften Sachstandsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change.

Wie wird die Klimazukunft sein? Aktuell liegt die Welt auf Kurs des Hochemissionsszenarios, das auch als „Weiter so“-Szenario bezeichnet wird. Es bedeutet, dass zwar Klimaschutz betrieben wird, aber nicht in ausreichendem Maße um die globale Erwärmung signifikant einzubremsen. 

Für den Landkreis Reutlingen und seine kreisangehörigen Kommunen bedeutet das konkret, dass bis Ende dieses Jahrhunderts das Albvorland bis zu 40 Tage im Jahr Temperaturen von plus 30 Grad Celsius erleben wird und die Schwäbische Alb immerhin noch 20 Tage. Dabei sind Temperaturen mit über plus 40 Grad Celsius nicht ausgeschlossen.
Die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur wird von ehemals plus 8 bis plus 9 Grad Celsius im Albvorlandund plus 6 bis 8 Grad Celsius auf der Schwäbischen Alb auf plus 12 bis 13 Grad Celsius (Voralb) beziehungsweise plus 10 bis 11 Grad Celsius Schwäbische Alb ansteigen.
In den Sommern werden insgesamt weniger Niederschläge fallen, diese dafür vermehrt als Starkregenereignisse, während die Winter höchstwahrscheinlich feuchter werden.

Damit die hohen Temperaturen des „Weiter so“-Szenarios nicht Realität werden, bedarf es eines konsequenten Klimaschutzes sowie einer bestmöglichen Anpassung an das sich verändernde Klima.

Der Landkreis Reutlingen ist in vielen Bereichen Ansprechpartner und Partner für Kommunen und die Privatwirtschaft. Diese Bereiche umfassen die Gesundheitsvorsorge, Bevölkerungsschutz, Wasser- und Naturschutz sowie die Land- und Forstwirtschaft. Auch die Infrastruktur wie Gebäude, Baugebiete, Energieversorgung und Mobilität stehen vor Herausforderungen und müssen die Veränderungen durch den Klimawandel berücksichtigten und diese verhindern oder ggf. minimieren. Im Jahr 2016 gab der Landkreis Reutlingen die Broschüre „Der lokale Klimawandel: Ursachen - Folgen - Anpassung“ heraus. Im Jahr 2022 wurden im Rahmen der durch KLIMAPASS des Land Baden-Württemberg geförderten „Einstiegsberatung Klimaanpassung“ erste Betroffenheiten durch den Klimawandel im Landkreis erhoben und priorisiert. 

Für Bürgerinnen und Bürger bietet die Kreisfachberatung für Obst- und Gartenbau Informationen an, wie Streuobstwiesen und Gärten klimafit gemacht werden können. 

Unter "Projekte“ finden Sie weitere Informationen zu: 

Mit Inkrafttreten des Klimaanpassungsgesetzes des Bundes am 1. Juli 2024 wurden die Weichen für verpflichtende, systematische Klimaanpassung in Deutschland gestellt. In Baden-Württemberg mündete diese Verpflichtung in dem Änderungsgesetz vom 29. Juli 2025 des Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetzes. Hier wird den Land- und Stadtkreisen sowie den großen Kreisstädten die Erstellung eines Klimaanpassungskonzeptes vorgegeben. Dabei kommt den Landkreisen eine besondere Rolle zu: in Phase 1 muss bis spätestens Mitte 2031 ein beschlossenes Klimaanpassungskonzept für die Landratsamtsthemen für das Kreisgebiet unter Einbezug der kreisangehörigen Kommunen veröffentlicht sein. In Phase 2 erstellen die Landkreise gemeindescharfe Anpassungskonzepte unter Mitwirkung der jeweiligen Kommunen. Phase 2 Konzepte müssen bis spätestens Mitte 2034 von den jeweiligen Stadt- bzw. Gemeinderäten beschlossen und veröffentlicht sein. Phase 1 und 2 Konzepte sind mit konkreten Maßnahmenvorschlägen ausgestattet, die nachfolgend in Umsetzung gehen sollen. 

Im Jahr 2026 plant das Landratsamt die kreisweite Klimawirk- und Betroffenheitsanalyse im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben zu erarbeiten. 

Einen guten Überblick über das Thema und viele weiterführende Informationen finden Sie beim Klimaatlas des Kompetenzzentrums Klimawandel der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. Ebenfalls finden Sie Informationen beim Umweltbundesamt und der Deutschen Klimaanpassungsstrategie.

Das Gesundheitsamt Baden-Württemberg informiert speziell zum Thema Gesundheit und Hitze, praktische Tipps wurden hierzu auch von der Stadt Reutlingen verfasst. 

Der neue Umgang mit Wasser wird im „Leitfaden Regenwasser“ der Stadt Reutlingen für den „Stadtraum“ aufgezeigt. Für den alltäglichen, sparsamen Umgang mit Wasser gibt das Umweltbundesamt Tipps.