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Haushaltsrede 2026/2027

Landrat Dr. Ulrich Fiedler hat in der Kreistagssitzung am 15.10.2025 den Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027 unter der Überschrift "Einfach machen" eingebracht und in seiner Haushaltsrede näher vorgestellt. 

Die komplette Haushaltsrede des Landrats können Sie nachfolgend nachlesen. Zur besseren Übersichtlichkeit ist die Rede in thematische Abschnitte untergliedert.

Rede von Landrat Dr. Ulrich Fiedler

Sehr geehrte Mitglieder des Kreistags,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. 

In finanziell absolut schwierigen Zeiten haben wir als Landkreisverwaltung einen Haushaltsentwurf erarbeitet, den wir bis auf den letzten Cent vertreten:  

  • gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises,
  • gegenüber den anwesenden Gremienmitgliedern
  • und besonders gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der gesamten Landkreisverwaltung. 

Dieser Haushaltsentwurf ist eine Gemeinschaftsleistung. Unsere Vorgehensweise hat mir wieder einmal gezeigt, dass das Miteinander, dass der Blick auf das Ergebnis zum Ziel führt. Auch und gerade in diesen Zeiten. 

Wir haben in den letzten Wochen und Monaten an diesem Haushaltsentwurf gearbeitet, Gespräche und interne Verhandlungen geführt, Runden gedreht - immer mit dem Ziel, das Beste für den Landkreis zu erzielen, das Ganze im Blick zu behalten, den Landkreis weiterhin zukunftsfähig zu gestalten. Gleich zu Beginn ein großes Dankeschön an alle Kolleginnen und Kollegen, die sich konstruktiv in diesen Prozess eingebracht haben. 

Sehr geehrte Damen und Herren,

es wäre ein Leichtes, sich vor Sie hinzustellen und zu lamentieren, zu beklagen, in welch finanziell schwierigen Situationen wir derzeit verharren, um dann die Hände in den Schoß zu legen, mit den Schultern zu zucken und zu sagen - kann man nix machen. 

Das ist nicht unsere Haltung, das ist nicht das, was ich, was die Bürgerinnen und Bürger vom Landkreis Reutlingen gewohnt sind. 

Wir machen einfach. 

Auch oder gerade, wenn es nicht einfach ist. 

Denn ohne uns ist ein ziviles Leben, wie wir es kennen, nicht möglich. Unser Handeln ist ein Dienst an und für die Menschen hier im Landkreis. Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst und handeln täglich danach. 

Doch auch vor zwei Jahren standen wir vor großen Herausforderungen. Zahlreiche Krisen haben schon vor zwei Jahren unser Zusammenleben geprägt. Damals haben wir zum ersten Mal in der Geschichte des Landkreises einen Doppelhaushalt verabschiedet. Wir haben vor zwei Jahren bewusst antizyklisch investiert. Und das waren gute Entscheidungen. 

Ein Doppelhaushalt ist in Krisenzeiten ein sehr gutes Instrument, um ruhiger durch unruhige Zeiten zu navigieren, um mit sicherer, mit krisensicherer Hand Entscheidungen treffen zu können. 

Dabei haben nicht nur wir die Planbarkeit von Maßnahmen geschätzt, auch die Menschen hier in unserem Landkreis konnten sich auf die vor zwei Jahren anvisierten Ziele verlassen. Das gibt Sicherheit und Vertrauen: 

  • in unsere Arbeit
  • in unsere Verwaltung
  • in unser politisches System - etwas, was wir dringend weiter benötigen und wozu wir unseren Beitrag leisten. 

Auch und gerade für die Einheiten, die den Neubau unseres Verwaltungsgebäudes vorantreiben, war und ist ein Doppelhaushalt ein Segen. Denn: er bringt Ruhe ins System, er schafft Verlässlichkeit. Und nicht zuletzt für die Städte und Gemeinden ist es ein Unsicherheitsfaktor weniger, wenn die Kreisumlage für die nächsten zwei Jahre bekannt ist.  

Gleichzeitig haben wir in den letzten beiden Jahren dort gespart, wo es uns möglich war. Wir haben im laufenden Jahr bisher nur 80 Prozent, im vergangenen Jahr 90 Prozent der Haushaltsmittel freigegeben.

Auch die im Stellenplan vorgesehenen zusätzlichen Stellen wurden nicht vollumfänglich ausgeschöpft. Darüber hinaus schauen wir uns jede freiwerdende Stelle an und prüfen, ob wir diese nachbesetzen oder nicht.

Auch für die Jahre 2026 und 2027 haben wir einen Doppelhaushalt ausgearbeitet, der Ihnen nun vorliegt. Die Situation hat sich erneut verschärft. Multiple Krisen und strukturelle Herausforderungen bleiben weiterhin prägend für unsere Gegenwart, sicherlich auch für unsere Zukunft. Wir werden uns auch in der weiteren Zukunftsplanung solchen Herausforderungen stellen müssen. 

Aber, sehr geehrte Damen und Herren, ich habe auch eine gute Nachricht für Sie: Der Landkreis Reutlingen ist es gewohnt, zu priorisieren und sorgfältig abzuwägen, sparsam und gleichzeitig effizient zu arbeiten. 

Wir werden weiterhin die Themen der Daseinsvorsorge ebenso wie Zukunftsthemen voranbringen und gestalten: für die Menschen in unserem Landkreis. Nun werden wir noch stärker priorisieren und abwägen:

  • Was bietet den größten Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger?
  • Wo können wir Prozesse verbessern?
  • Wo gibt es weiteres Sparpotenzial?

Gleichzeitig ist es unerlässlich, dass ich auch an dieser Stelle meine Forderungen an Bund und Land erneuere: Wir benötigen dringend, wenn nicht gar dringender denn je eine auskömmliche Finanzierung der uns auferlegten Aufgaben. 

Wir auf der kommunalen Ebene können nicht mehr - nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil uns die Mittel - sei es Finanzen oder Personal - schlichtweg fehlen. Wir übernehmen deutlich mehr als 25 Prozent der öffentlichen Aufgaben. Wir erhalten aber nur rund 15 Prozent des Steueraufkommens zugewiesen. Wir kämpfen seit Jahren mit dieser mehr als deutlichen Unterfinanzierung. Das kann nicht weiter funktionieren. Die Situation ist dramatisch. Wir brauchen dringend deutlich höhere Anteile an der Umsatz- und Einkommenssteuer. 

Vor wenigen Tagen erreichte uns die Nachricht, dass das Land ein Paket zur finanziellen Stütze der Kommunen geschnürt hat. Das ist grundsätzlich begrüßenswert. 

Werte Kreistagsmitglieder, sobald wir belastbare Informationen haben, wie groß diese finanzielle Hilfe für den Landkreis Reutlingen sein wird, werden wir auf Sie zukommen. Diese Mittel werden nach unserer ersten Einschätzung lediglich die im vorliegenden Entwurf des Doppelhaushalts eingeplanten Risiken reduzieren. Ein echter Befreiungsschlag ist das nicht, denn wir erhalten Zahlungen, die uns sowieso zustehen.

Das ist ein kleines Pflaster auf eine große, klaffende Wunde. Diese Finanzspritze löst nicht die Unterfinanzierung unserer Aufgaben, die Unterbesetzung unserer Verwaltung.

Fast 75 Prozent unserer Haushaltsmittel fließen in die Bereiche Soziales und Jugend. Hier gibt es strukturellen Veränderungsbedarf, hier gibt es Chancen auf strukturelle Verbesserungen, von denen alle profitieren. In unserem Haushalt stehen dagegen 3,4 Prozent für ÖPNV inklusive Regionalstadtbahn! Und 0,6 Prozent für Wirtschaft, Tourismus, Theater, Musikpflege, VHS und Kultur - insgesamt! 

Es kann nicht sein, dass wir an den kleinsten Stellschrauben unserer intakten Gesellschaft drehen müssen, weil Bund und Land der Mut fehlt, die großen Stellschrauben in Bewegung zu setzen - Stellschrauben, die offensichtliche, strukturelle Fehlentscheidungen korrigieren, die unseren Haushalt hier auf kommunaler Ebene mit vielen Millionen entlasten würden. 

Das ist unsozial. Das belastet unsere Gesellschaft an der falschen Stelle und ich bin nicht bereit, unser Zusammenleben dort zu gefährden, wo wir in den Städten und Gemeinden, im gesamten Landkreis zusammen mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern, vor allem auch im Ehrenamt, großartige Strukturen des Zusammenlebens und des Miteianders aufgebaut haben. Ich bin nicht bereit, Familien, Vereine, Ehrenamt, bürgerschaftliches Engagement, Kultureinrichtungen nicht weiter zu unterstützen und somit zu gefährden, weil Bund und Land ihre Hausaufgaben nicht machen.

Ich appelliere an die Entscheiderinnen und Entscheider auf Bundes- und Landesebene, kluge, nachhaltige und entbürokratisierende Veränderungen herbeizuführen - in allen Bereichen. 

Wir sind eine solidarische Gemeinschaft. Solidarität ist ein Teil unseres Wertesystems. Und finanzielle Solidarität muss bei den Richtigen ankommen. Dafür braucht es Veränderungen, dafür müssen Anreize richtig gesetzt, müssen Hürden, muss Bürokratie abgebaut werden. 

Bürokratie ist per se nichts Schlechtes, verhindert sie doch Willkür. Bürokratische Entscheidungen werden nicht nach dem Nasenfaktor getroffen. Aber wir alle haben ein Dickicht an Vorschriften aufgebaut, das darauf abzielt, in jedem noch so erdenklichen Einzel- und Sonderfall scheinbare Gerechtigkeit herzustellen.

Das ist teuer. 

Das ist kompliziert. 

Das macht unsere Vorgehensweisen komplex und aufwändig. 

Das muss sich ändern.

Einfach machen. 

Das wär’s doch, sehr geehrte Damen und Herren, oder? 

Und tatsächlich machen wir einfach einfach im Landratsamt Reutlingen. 

Wir haben im Juli dieses Jahres ein Projekt mit dem Titel „Einfach machen“ ins Leben gerufen. Wir rufen alle Kolleginnen und Kollegen auf, ihre Ideen, Verbesserungsvorschläge einzubringen, damit wir Vorgänge einfacher und unbürokratischer machen. 

Alles kann gemeldet werden. 

Wir gehen allen Ideen nach und setzen die Vorschläge um, bei denen die Handlungsmöglichkeiten bei uns liegen und die spürbar Wirkung erzielen. Es sind schon einige Ideen eingegangen: von der doppelten Aufbewahrung von Auszahlungsanordnungen über die Digitalisierung des Rechnungslaufs über die Vereinfachung bei der Krank- bzw. Gesundmeldung bis hin zum Verzicht auf das Vier-Augen-Prinzip bei Baugenehmigungen. 

Wir warten nicht erst auf das begrüßenswerte kommunale Regelungsbefreiungsgesetz, das vor wenigen Tagen verabschiedet wurde, wir machen einfach.

Auch bei den Themen künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen machen wir einfach. 

Auf unserer Homepage finden sich bereits heute zahlreiche digital unterstützte Dienstleistungen, die den einen oder anderen Weg zu uns beschleunigen oder gar ersparen.

KI sehen wir als Hilfsmittel, um Arbeitsvorgänge effizienter, schneller zu machen, um noch leistungsfähiger zu werden. Im Frühjahr 2025 haben wir nele.AI eingeführt - eine KI-Plattform aus Deutschland, die es uns ermöglicht, generative KI datenschutzkonform einzusetzen.  

Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, wo möglich, Prozesse zu digitalisieren, gar zu automatisieren. Dabei bilden wir analoge Prozesse nicht einfach digital ab, sondern wir stellen sie auf den Prüfstand, optimieren sie und erst dann werden sie in digitale Prozesse überführt oder eben automatisiert. 

Das klingt einfach, ist es aber nicht. Wir haben dabei selbst immer wieder Hürden zu überwinden, die unsere Vorhaben beinahe zum Scheitern bringen. So arbeiten wir seit geraumer Zeit mit Nachdruck an der Einführung von RPA im Sozialbereich - an Roboter gesteuerter Prozessautomatisierung bzw. robotic process automation. 

Wir werden RPA in unserer Wohngeldstelle im Kreissozialamt einsetzen. Dabei übernimmt die RPA die händische Datenübertragung. Manuelle, fehleranfällige und zeitaufwändige Tätigkeiten werden so durch RPA, wie der Name schon sagt, automatisiert, Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter künftig entlastet. Wir stehen kurz vor der Testphase im Fachamt. 

Wir werden durch die Einführung von RPA unterstützten Verfahren in zahlreichen Bereichen spürbare Entlastung erfahren. 

Wir werden einmal mehr zeigen, dass wir ein moderner, effizienter Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger sind. 

Wir werden auch als Arbeitgeber weiter an Attraktivität gewinnen, da wir nicht warten, bis moderne Vorgehensweisen zentral eingeführt werden, sondern weil wir einfach machen. 

Und egal ob KI oder RPA, die Entscheidungen in unseren Verwaltungsabläufen werden weiterhin von meinen Kolleginnen und Kollegen getroffen. 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

nun zu den Rahmenbedingungen, die diesen Haushaltsplanentwurf beeinflussen. 

Die kommunale Finanzsituation ist desaströs; dies zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamts von April 2025, das ein Rekorddefizit von 24,8 Milliarden Euro ausweist. Wir spüren dieses Defizit nicht erst seit April.  

Ebenso spüren wir die schwache Konjunktur in Deutschland nun schon das zweite Jahr in Folge, das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt ging um 0,5 Prozent zurück. 

Die Inflationsrate ging im Frühjahr 2025 spürbar zurück. Aber: die Deutsche Bundesbank geht davon aus, dass sich dieser erfreuliche Trend nicht durchsetzen wird. Zudem ist die geopolitische Situation absolut unvorhersehbar geworden. 

Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation in Baden-Württemberg sage ich als Jurist: Es kommt darauf an. Die Wirtschaftsleistung ist im vergangenen Jahr preisbereinigt um 0,4 Prozent gesunken. Schaut man auf das verarbeitende Gewerbe oder das Baugewerbe, so ist die Wirtschaftsleistung deutlich gesunken, ein Blick auf den Dienstleistungssektor zeigt hingegen ein Wachstum um 1 Prozent. 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

wir sind gute Nachrichten fast schon nicht mehr gewohnt, aber der Konjunkturklimaindex der Industrie- und Handelskammer Reutlingen hat sich in der ersten Jahreshälfte 2025 etwas verbessert. Unser regionales Handwerk zeigt sich derzeit stabil und hat im erwähnten Zeithorizont keine Veränderung der Geschäftsentwicklung verzeichnet. 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

auch dieses Mal bringen wir wieder einen Doppelhaushalt ein, der auf den folgenden vom Kreistag erarbeiteten Grundsätzen fußt: 

  • Wir verfolgen eine generationengerechte Finanzpolitik.
  • Mobilität ist im städtischen sowie im ländlichen Raum nachhaltig und zukunftsfähig aufgestellt.
  • Unsere Verwaltung arbeitet angemessen und ist wirtschaftlich ausgestattet.
  • Die Chancen der Digitalisierung werden verantwortungsvoll genutzt.
  • Wir kümmern uns um aktive Daseinsvorsorge.
  • Wir streben ein systematisches Nachhaltigkeitsmanagement an. 

Des Weiteren basiert dieser Haushaltsplanentwurf auf den Ergebnissen der Mai-Steuerschätzung, den Orientierungsdaten des Ministeriums für Finanzen und des Ministeriums für Inneres, für Digitalisierung und Kommunen zur kommunalen Haushalts- und Finanzplanung in den Jahren 2026 ff. (Haushaltserlass 2026), auf dem vorläufigen Rechnungsergebnis 2024 und auf den Prognosen für das Rechnungsergebnis 2025.

Was heißt das nun? 

Wir werden Ende 2025 voraussichtlich sämtliche Reserven aufgebraucht haben, die uns in den vergangenen Jahren für einen Ausgleich des Haushalts zur Verfügung standen. Unsere Rücklagen schlagen sich nicht mehr in liquiden Mitteln nieder, sondern sind in Sachvermögen gebunden.

Das Haushaltsvolumen im Jahr 2026 erhöht sich um 18,21 Millionen Euro (3,11 Prozent) auf 604,17 Millionen Euro. Im Jahr 2027 sinkt das Haushaltsvolumen aufgrund geringerer Investitionen um 5,25 Millionen Euro (-0,87 Prozent) auf 598,92 Millionen Euro.

Das Ergebnis 2026 sieht 897.275 Euro vor, das Ergebnis 2027 4.393.614 Euro. Damit gehen wir durch eine Talsohle und stellen alles auf den Prüfstand. Es sind zudem keine neuen Stellen im Doppelhaushalt 2026/2027 vorgesehen. 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

Sie und ich - wir haben durch unsere Ämter gemeinsam Verantwortung übernommen, für den Landkreis und für seine Bürgerinnen und Bürger. Wie Sie dem vorliegenden Haushaltsplanentwurf entnehmen können, werden wir trotz der verschärften finanziellen Belastungen den Kreisumlagehebesatz um 4 Prozentpunkte auf 37 Prozent für das Jahr 2026 anheben. Im darauffolgenden Jahr, 2027, ist keine weitere Erhöhung vorgesehen. Damit schaffen wir Planbarkeit für unsere Städte und Gemeinden. 

Wir werden trotz der schwierigen Haushaltslage dringend notwendige Investitionen von insgesamt 56,67 Millionen Euro im Jahr 2026 und 31,68 Millionen Euro im Jahr 2027 in die Wirtschaft, insbesondere in die Bauwirtschaft tätigen. Zudem erhöht sich die Verschuldung um 30,0 Millionen Euro im nächsten Jahr und um 10,0 Millionen Euro im Jahr 2027.

Sehr geehrte Damen und Herren, 

in den kommenden Minuten werde ich nur einen Bruchteil dessen erwähnen, was Sie in voller Länge auf 520 Seiten nachlesen können. 

Gleich zu Beginn erwähne ich die vom Kreistag erarbeiteten Schwerpunkte:

  • Neubau: 42,0 Millionen Euro im Jahr 2026 und 8,7 Millionen Euro im Jahr 2027
  • Bildung: 4,2 Millionen Euro im Jahr 2026 und 12,5 Millionen Euro im Jahr 2027
  • Mobilität: 4,9 Millionen Euro nächstes Jahr und 5,26 Millionen Euro übernächstes Jahr
  • Gesundheitsversorgung: jeweils 4,0 Millionen Euro für die Jahre 2026 und 2027.

Ich fahre fort mit guten Nachrichten, die es auch in diesen Zeiten gibt: 

Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat bei uns im Landkreis Reutlingen Fahrt aufgenommen. Es ist absehbar, dass wir die Ziele der Bundes- und Landesregierung, 2 Prozent der Flächen für erneuerbare Energien bereitzustellen, erfüllen werden, gegebenenfalls sogar übererfüllen.

Ich bedanke mich ausdrücklich bei unseren Kommunen, dass sie hier so viel Engagement zeigen. Denn nur gemeinsam schaffen wir die Energiewende. Als Genehmigungsbehörde tun wir alles, unsere Kommunen sowie die Projektierer zu unterstützen. Zugleich gilt es, die Belange der Fachdienststellen und Fachabteilungen ernst zu nehmen. Nur so schaffen wir es, eine möglichst breite Akzeptanz der Energiewende in der Bevölkerung zu erreichen. Und dieser Aspekt ist wichtiger denn je.

Aktuell sind 23 Projekte mit einer Nennleistung von fast 700 Megawatt im Genehmigungsprozess. 

Neben Freiflächen- und Agri-Photovoltaik-Anlagen, neben Aufbau einer regionalen Wasserstoffwirtschaft und Biogasanlagen tun wir alles, was in unserer Macht steht, um beim Netzausbau voranzukommen. Ohne erneuerbaren Energiemix, ohne belastbare Netzinfrastruktur und ohne Speichermöglichkeiten keine Energiewende - eine Wende, die wir dringend benötigen.

Die Regionalstadtbahn ist eine Investition in die Zukunft. 

Sie ist das zentrale Infrastrukturprojekt im Landkreis Reutlingen und der ganzen Region, wegweisende Säule der Mobilitätswende und ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz. 

Die Regionalstadtbahn ist ein wesentlicher Standortfaktor für Unternehmen, macht das Wohnen und Arbeiten im Landkreis Reutlingen noch attraktiver und hebt damit deutlich den Freizeitwert dieser Region - eine große Chance auch für den Tourismus.  

Der Zweckverband und die Verbandsmitglieder haben gemeinsam alle erforderlichen Anstrengungen unternommen und Maßnahmen ergriffen, damit wir die Regionalstadtbahn finanzieren können. Wir setzen das Zukunftsprojekt schrittweise um. So überlasten wir die Haushalte nicht, kommen aber gleichzeitig, Schritt für Schritt, in den Genuss der Vorteile dieses einzigartigen Projekts. 

Wir sind zuversichtlich, dass zum Fahrplanwechsel im Dezember dieses Jahres der Halbstundentakt auf der Ermstalbahn in Betrieb geht. Auch die Anschlüsse aus dem Ermstal nach Stuttgart werden dann wieder besser sein.

Zudem geht die Vorplanung für weitere Trassen in die entscheidende Phase. Für die Gomaringer Spange, die Innenstadtstrecke Reutlingen und die Echaztalbahn wurden für verschiedene Trassenvarianten standardisierte Bewertungen erstellt. Auf dieser Basis können die kommunalen Gremien noch in diesem Jahr eine Entscheidung treffen, welche Trassenvariante im Planfeststellungsverfahren als Vorzugstrasse aufgenommen wird. Entscheidungen, die weit in die Zukunft weisen und die zur Zukunftsfähigkeit unseres Landkreises erheblich beitragen.

Ich bin sehr dankbar, dass diesem Gremium Bildung in den vergangenen Jahren immer besonders wichtig war und auch weiterhin ist. Als Schulträger der beruflichen Schulen sind wir unmittelbar für sieben Schulen verantwortlich. Mit dem Jugendamt, dem Sozialamt, der Eingliederungshilfe, der Organisation des Öffentlichen Personennahverkehrs und dem Kreismedienzentrum, um nur ein paar Beispiele zu nennen, unterstützen wir darüber hinaus den schulischen Alltag an unzähligen Stellen.

In diesem Jahr hat der Kreistag einen Grundsatzbeschluss zur regionalen Schulentwicklung für die Beruflichen Schulen des Landkreises gefasst. Dieser sieht eine inhaltliche Weiterentwicklung unter Erhalt der bestehenden Schulstandorte vor. Der Plan umfasst aber auch ein großes Investitionsprogramm, das die Sanierung und Neugestaltung der Schulen in Reutlingen, Metzigen und Münsingen vorsieht. Wir sehen uns hier einer enormen Aufgabe gegenüber, zweifellos auch finanzieller Art. Geleitet werden wir von der Frage: Was müssen wir tun, damit wir als Standort der beruflichen Bildung aus der Defensive kommen und eine positive Zukunft in diesem Themenfeld gestalten können? Natürlich spielen funktionsfähige Schulgebäude und Werkstätten dabei eine zentrale Rolle.

Trotz der angespannten finanziellen Lage sieht der vorgelegte Haushaltsentwurf erhebliche Investitionen in den Schulstandort vor. Wir schlagen für das kommende Haushaltsjahr 2026 den Baubeginn für die Sanierung der Karl-Georg-Haldenwang-Schule vor. Für die Generalsanierung gehen wir von Kosten im Umfang von 11,4 Millionen Euro aus - aber auch von einer erheblichen Förderung durch das Land Baden-Württemberg.

Im Jahr 2027 ist der Baubeginn für die Sanierung der Theodor-Heuss-Schule vorgesehen, die Kosten werden hier aktuell auf rund 39 Millionen Euro geschätzt. Im Anschluss an diese Maßnahmen werden dann aufeinander abgestimmte Maßnahmen an den weiteren Schulstandorten erfolgen.

Für die Eingliederungshilfe werden wir im Jahr 2026 100,23 Millionen Euro und im Jahr 2027 105,65 Millionen Euro aufbringen. Diese Planung basiert auf den Ist-Zahlen von 2025. 

Wir gehen hier in Vorleistung für Bund und Land und stoßen nicht erst seit heute an unsere Grenzen. Wir müssen mit Abschlagszahlungen arbeiten, von Spitzabrechnungen sind wir weit entfernt. Wir wissen nicht, ob die Aufgabe der Eingliederungshilfe, die eine absolut gute und absolut sinnvolle ist, auskömmlich von Bund und Land finanziert wird. Unsere Planungen wurden aufgrund der bisherigen Verhandlungsergebnisse mit dem Land vorsichtig optimistisch angesetzt. Aber sie bergen ein Haushaltsrisiko, auf das wir nur wenig Einfluss haben. Wir können nicht ausschließen, dass beispielsweise bei einzelnen Leistungserbringern Nachholeffekte entstehen und damit die Kosten steigen. 

Gleichzeitig ist der bürokratische Aufwand, den die Eingliederungshilfe mit sich bringt, kaum zu stemmen. Weder von uns. Noch von den Bürgerinnen und Bürgern. 

Die Art und Weise, wie die Eingliederungshilfe gestaltet ist, belastet unseren Haushalt enorm. Ein einfach machen ist hier fast nicht möglich. Weder für die Bürgerinnen und Bürger noch für meine Kolleginnen und Kollegen hier im Haus. Wir brauchen Veränderungen, um Vorgänge, gerade im sozialen Bereich, einfacher zu machen. Für die Bürgerinnen und Bürgern. Für meine Kolleginnen und Kollegen. 

Auch das gehört zu einem Sozialstaat. 

An dieser Stelle appelliere ich erneut an Bund und Land, endlich ihren Verpflichtungen nachzukommen, endlich für echte Vereinfachungen in den Verfahren zu sorgen und endlich unseren Sozialstaat sozialer zu machen. 

Zu September 2026 tritt der Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung für Grundschulkinder in Kraft. Der rechtliche Handlungsrahmen ist nach wie vor auf Landesebene nur unzureichend geklärt.

Unsere Städte und Gemeinden agieren bei den Vorbereitungen vorbildlich und kooperieren untereinander, aber auch mit unserem Kreisjugendamt. Es ist daher absolut zielführend, ein Reutlinger Modell der interkommunalen Kooperation zu etablieren. Wir sind hier auf einem guten Weg. 

Dennoch kommen auch in diesem Fall zusätzliche Kosten auf den Landkreis zu, die weder gegenfinanziert noch personell adäquat ausgestattet sind. Allein für die Maßnahmen zur Umsetzung werden 2026 50.000 Euro und 2027 100.000 Euro notwendig sein.

Ganz zu schweigen vom Verwaltungsaufwand, der nicht nur bei den Städten und Gemeinden, sondern auch bei uns entstehen wird.

Die Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung sind enorm. Wir lassen uns davon aber nicht abschrecken. Wir machen einfach. Wir werden bis Ende der kommenden Haushaltsperiode, bis Ende 2027 ein Gesamtkonzept vorlegen, das die Weiterentwicklung der gesundheitlichen Versorgung im Landkreis unter Beachtung der Megatrends Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, personalisierte Medizin und personalisierte Prävention berücksichtigt. An diesem Gesamtkonzept werden sich künftig all unsere Entscheidungen ausrichten. 

Nur so können wir ein wirtschaftlicheres und effizienteres Gesamtsystem aufstellen, gleichzeitig die immer knapper werdenden finanziellen und personellen Ressourcen bei steigendem Bedarf bestmöglich einsetzen und unseren Bürgerinnen und Bürgern eine optimale Gesundheitsversorgung anbieten. 

Weil wir einfach machen. 

Das klingt aktuell sehr abstrakt. Einen ersten Sachstandsbericht hat es in der letzten SKA-Sitzung am 01.10.2025 gegeben, werte Kreistagsmitglieder.

Zu einer optimalen Gesundheitsversorgung gehören auch moderne Klinikgebäude, die den zukünftigen Anforderungen an einen Klinikstandort gerecht werden. Wir brauchen einen Gesundheitscampus, auf dem die unterschiedlichsten Akteure aus dem Gesundheitswesen, der Wirtschaft sowie der Forschung und Entwicklung untergebracht sind, und die unserer Bevölkerung die richtigen Lösungen anbieten. 

Die Errichtung einer modernen Klinikinfrastruktur wird hohe dreistellige Millionenbeträge erfordern. 

Bereits heute werbe ich bei den Vertreterinnen und Vertretern des Landes bei jeder Gelegenheit für eine auskömmliche Finanzierung dieser zwingend notwendigen Investitionen. 

Ich werbe auch in diesem Gremium für dieses Vorhaben, auch wenn der vorliegende Haushaltsentwurf für die Finanzierung eines Klinikneubaus keine Finanzmittel vorsieht und vorsehen kann. 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

ich habe nur einen Bruchteil dessen benannt, was wir in den kommenden zwei Jahren auf die Straße bringen werden. Und da bin ich bei meinem nächsten Thema. Es ist unerlässlich, dass wir nicht nur die genannten Themen vorantreiben, sondern uns auch um die bestehende Infrastruktur kümmern - Infrastruktur verstanden in einem weiten Sinn von Straßen und Brücken über Grünflächen bis hin zur Förderung kultureller Einrichtungen und Maßnahmen. 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

all das, was wir bisher umgesetzt haben, und noch viel mehr all das, was wir in den nächsten zwei Jahren vorhaben, kann ich nicht alleine umsetzen. Dafür brauche ich jeden Kollegen und jede Kollegin hier im Haus. Unser Tun ist immer auch eine Gemeinschaftsleistung - für die Gemeinschaft. Mein herzlicher Dank geht an alle meinen Kolleginnen und Kollegen, die täglich gemeinsam einfach machen. Stellvertretend für die rund 1.500 Personen danke ich namentlich unserem Personalratsvorsitzenden, Uwe Köppen. 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

hinter dieser Haushaltsrede steht ein fundiertes Zahlenwerk, das die Weichen des Landkreises Reutlingen der nächsten zwei Jahres stellt. Dieser Haushaltsplanentwurf ist entstanden, weil sich Kolleginnen und Kollegen mit herausragender Qualität, Engagement und dem Blick fürs Ganze hingesetzt und diesen gemeinsam erarbeitet haben. 

Vielen Dank an alle, die daran beteiligt waren. 

Mein ganz besonderer Dank geht hier an Marius Pawlak, der diesen Prozess zum ersten Mal orchestriert hat. 

Ich danke ebenso besonders meinen Kollegen der Kämmerei, namentlich Wolfgang Klett und Günther Gekeler, die mit ihrer langjährigen Erfahrung, ihrer unschätzbaren Expertise und ihren starken Nerven dieses Gesamtwerk hart erarbeitet haben.  

Werte Mitglieder des Kreistags, 

nun liegt es an Ihnen, über diesen Haushaltsplanentwurf zu beraten und zu entscheiden. Ich wünsche Ihnen dafür einen klaren Blick in die Zukunft für die Menschen hier in unserem Landkreis. 

Sehr geehrte Mitglieder des Kreistags, 

lassen Sie uns gemeinsam einfach machen.