Hitzestress bei Tieren ist ein zunehmend bedeutendes Thema, das durch die fortschreitenden Klimaveränderungen immer mehr an Relevanz gewinnt; hohe Temperaturen und anhaltende Hitzeperioden können das Wohlbefinden und die Gesundheit von Haustieren erheblich beeinträchtigen. Hier finden Sie wertvolle Tipps für einen unbeschwerten Sommer für Hunde, Kaninchen und Meerschweinchen, Geflügel und Pferde.
Hunde können ihre Körpertemperatur bei Hitze schlechter regulieren als Menschen, da sie kaum Schweißdrüsen besitzen. Diese sitzen an den Pfoten und dienen hauptsächlich der Duftmarkierung. Sie kühlen sich hauptsächlich durch Hecheln (Verdunstungskühlung). Das ist allerdings weniger effizient als Schwitzen und erreicht bei Temperaturen von 30 Grad Celsius seine Grenzen. Bei mehr als 30 bis 32 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit findet keine effiziente Verdunstung mehr statt. Die Vermeidung von Hitzestress (Belastung des Organismus bei der die körpereigene Kühlung nicht mehr ausreicht) ist in solchen Situationen unabdingbar. Insbesondere sehr junge und alte Tiere, kranke Hunde (zum Beispiel Herzerkrankungen, Atemwegserkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen), übergewichtige Tiere und Tiere mit dichtem Fell, sowie brachyzephale Rassen (zum Beispiel Französische und Englische Bulldoggen, Möpse, Boxer, Shih Tzu und so weiter), aber auch Arbeitsrassen mit viel Eifer (anstrengungsinduzierter Hitzschlag) sind gefährdet. Ein Hitzschlag liegt dann vor, wenn eine Körpertemperatur von 41 Grad Celsius überschritten wird.
Hecheln entzieht dem Hundekörper Feuchtigkeit. Stellen Sie an mehreren Stellen im Haus oder der Wohnung und auch im Garten Wasser bereit und wechseln Sie es regelmäßig aus. Denken Sie auch daran, Wasser mitzunehmen und anzubieten, wenn Sie mit dem Hund unterwegs sind.
Verlegen Sie die langen Runden auf die frühen Morgenstunden und die späten Abendstunden wenn die Temperaturen nicht mehr so hoch sind. Während der Mittagshitze reicht es, wenn der Hund sein Geschäft kurz auf einer Wiese erledigt. Auch Spaziergänge im Wald sind eine gute Option.
Asphalt heizt sich extrem auf (bei 35 Grad Celsius Lufttemperatur bis zu 70 Grad Celsius) und kann zu schmerzhaften Verbrennungen an den Ballen führen. Legen Sie zum Testen ihren Handrücken flach auf den Boden. Ist es für Sie zu heiß, ist es das auch für den Hund. Wenn nötig können spezielle Pfotenschutzschuhe genutzt werden.
Lose Unterwolle sollte gründlich ausgebürstet und Verfilzungen beseitigt werden. Hunde mit einschichtigem Fell (ohne Unterwolle) können vorsichtig geschoren werden, Rassen mit Unterwolle benötigen ihr Fell auch als „Klimaanlage“, da es isoliert und vor der Sonne schützt. Auch die Haare zwischen den Ballen sollten gepflegt und gegebenenfalls gekürzt oder geschoren werden.
Viele Hunde bevorzugen kühle Liegeplätze. Spezielle Kühlmatten oder auch kalte Fließen werden gerne genommen. Auch Kühlwesten und Kühlhalsbänder schaffen Linderung. Der Hund sollte einen entsprechenden Liegeplatz allerdings immer freiwillig aufsuchen können und auch die Möglichkeit haben diesen zu wechseln.
Ihr Hund mag Wasser? Sie können flache Hundepools im Schatten oder Spaziergänge an ruhigen Wasserläufen anbieten. Achten Sie darauf, dass der Hund beim Spielen nicht zu viel Wasser schluckt, denn auch das kann unter Umständen gefährlich werden.
Hunde mit einschichtigem Fell (ohne Unterwolle), sehr dünnem oder weißem Fell oder auch welche ganz ohne, sowie Tiere mit wenig Pigmentierung an Ohren, Nase und um die Augen, können einen Sonnenbrand bekommen. An solchen exponierten Stellen können Sie eine unparfümierte, sensitive Sonnencreme für Kinder (hoher Lichtschutzfaktor) oder eine spezielle Sonnencreme für Hunde auftragen.
Fütterungen können zu den kühleren Morgenstunden und Abendstunden erfolgen. Nassfutter enthält von Haus aus mehr Feuchtigkeit, aber bei Trockenfutter können Sie durch Hinzufügung von Wasser den Feuchtigkeitsgehalt erhöhen.
Viele Hunde genießen Erfrischungen in Form von „Hundeeis“, wie zum Beispiel gefrorener Naturjoghurt oder Hüttenkäse auf Schleckmatten oder in Schleckspielzeug oder auch Obstsorten wie Wassermelone, sofern diese vertragen werden. Für Menschen gefertigtes Eis ist hingegen nicht geeignet oder auch unter Umständen giftig für Hunde.
Lüften Sie das Auto bevor der Hund einsteigt. Nutzen Sie Sonnenschutzmöglichkeiten und denken Sie an eine gute Belüftung der Box oder des Kofferraums. Es gibt Schläuche, die helfen die kühle Luft nach hinten zu leiten. Denken Sie auch an regelmäßige Pausen bei längeren Fahrten und auch daran, dem Hund regelmäßig Wasser anzubieten oder zur Verfügung zu stellen.
Bereits bei 20 Grad Celsius Außentemperatur heizt sich der Innenraum eines Autos in einer Stunde auf 46 Grad Celsius auf, bei 30 Grad Celsius passiert das schon in der Hälfte der Zeit und bei 35 Grad Celsius Lufttemperatur bereits innerhalb von ein paar Minuten. Lassen Sie ihren Hund bei Hitze niemals unbeaufsichtigt in ihrem Auto, auch nicht bei geöffneten Fenstern. Es gibt online Tabellen, die die Hitzeentwicklung in Autos eindrücklich darstellen.
Anfänglich sind Unruhe, vermehrtes und flaches Hecheln mit weit herausgestreckter Zunge, überstrecktem Hals und angespanntem Gesicht, sowie starkes Speicheln zu sehen. Die Schleimhautfarbe ist kräftig rot (himbeerfarben) und der Puls ist hart und schnell. Manche Hunde werden panisch. Im Verlauf kommen Koordinationsstörungen (Taumeln), Muskelzittern, glasige Augen, Schwäche und auch Magendarmsymptome wie Erbrechen oder Durchfall (teilweise blutig) dazu. Da das Gehirn zentral betroffen ist, folgen im weiteren Verlauf Krämpfe und Bewusstlosigkeit bis zum Koma. Die Schleimhäute sind jetzt bläulich oder sehr blass durch den Schock.
Bringen Sie den Hund sofort aus der Sonne oder dem heißen Auto in den Schatten. Das Wichtigste ist die schnelle und aktive Kühlung durch Sie, um die Organschäden zu minimieren und die Überlebenschancen signifikant zu erhöhen. Am besten tauchen Sie den Hund in kaltes (nicht eiskaltes) Wasser oder übergießen ihn mit kaltem, fließendem Wasser bis er bis auf die Haut durchnässt ist. Überholte Tipps mit feuchten Handtüchern erzeugen nur Stauwärme und kühlen nicht. Das Prinzip ist hier „cool first, transport second“ (zuerst kühlen, dann transportieren). Nun sorgen Sie über einen kalten Luftstrom für zusätzliche Verdunstungskühlung (zum Beispiel ein Ventilator, die Klimaanlage im Auto oder die geöffneten Autofenster auf der Fahrt zum Tierarzt). Dann geht es so schnell wie möglich in die Tierarztpraxis. Am besten kündigen Sie sich telefonisch an und fahren zügig aber vorsichtig. Dort werden weitere, lebensrettende Maßnahmen eingeleitet. Bei Bewusstlosigkeit bringen Sie den Hund in eine stabile Seitenlage mit gestrecktem Hals und Kopf um die Atmung zu erleichtern. Bei einem Kreislaufstillstand können Sie versuchen mit Mund-zu-Nase-Beatmung und Herzdruckmassage zu reanimieren.
Kaninchen und Meerschweinchen sind äußerst hitzeempfindlich, da sie nicht in der Lage sind ihre Körpertemperatur aktiv zu senken. Sie können weder schwitzen, noch hecheln um Verdunstungskühlung zu erzeugen. Kleine Heimsäuger haben im Verhältnis zu ihrem Volumen mehr Körperoberfläche, was ein schnelleres Aufheizen begünstigt. Ab 25 Grad Celsius Außentemperatur sind sie anfällig für Hitzestress und ab ca. 30 Grad Celsius droht ein Hitzschlag mit möglichem Hitzetod. Besonders gefährdet sind hier sehr junge oder alte Tiere, kranke Tiere (zum Beispiel Herzerkrankungen oder Atemwegserkrankungen), langhaarige Rassen und Tiere mit sehr dichtem Fell und übergewichtige Individuen. Man kann sich einen sogenannten Hitze Index (findet man online) als Hilfsmittel zu Rate ziehen um eine mögliche Gefährdung realistisch einzuschätzen.
Frisches Wasser sollte an verschiedenen Stellen zur Verfügung stehen und regelmäßig gewechselt werden. Hier sollten unbedingt Trinknäpfe verwendet werden, da Nippeltränken keine ausreichende Menge abgeben. Frischfutter ist eine tolle und schmackhafte Möglichkeit den Flüssigkeitshaushalt aufzufüllen. Werden die Tiere mit Grünfutter (Wiese und Blattgemüse) ernährt, versorgen sie sich optimal mit Flüssigkeit. Das Futter immer in den Schatten legen. Gurken sind sehr wasserreich und werden von vielen Tieren gerne genommen. Auch Wassermelone in kleinen Mengen ist ein gerngegessener Sommersnack.
Die Räume sollten in den kühleren Stunden sehr früh am Morgen und nachts gelüftet werden. Die Fenster sollten tagsüber geschlossen bleiben. Heruntergelassene Rollläden oder Thermovorhänge schützen vor Sonneneinstrahlung. Ventilatoren können einen Luftzug erzeugen, reichen allerdings als Alleinmaßnahme nicht aus. Es kann auf Klimaanlagen zurückgegriffen werden. Vor allem in Dachgeschoßwohnungen sind sie oft die einzige Option. In beiden Fällen die Geräte nicht direkt auf die Tiere richten und ihnen die Möglichkeit geben dem Zug auszuweichen. Man kann sie auch vorübergehend in kühleren Räumen unterbringen.
Das Gehege muss unbedingt und jederzeit im Schatten stehen und viele Möglichkeiten mit idealerweise natürlichem Schatten (Bäume, Büsche) bieten. Die Hitze sollte sich nicht unter dem Schattenspender stauen, auf ausreichende Luftzirkulation achten. Sonnenschirme und Sonnensegel sollten nur zusätzlich verwendet werden, sie sind als alleinige Schattenspender nicht ausreichend. Und Achtung, die Sonne wandert! Viele Kaninchen und Meerschweinchen liegen gerne auf feuchter Erde. Dazu kann entweder eine große Schale mit angefeuchteter Erde angeboten werden oder es wird sich selbst eine Mulde gegraben. Einzelne Bereiche können sogar gewässert oder befeuchtet werden. Bei extremer Hitze empfiehlt es sich die Tiere tagsüber in einen kühleren Raum (im Haus oder Keller) zu bringen. Achtung: eine Unterbringung in geschlossenen Ställen oder Behältern ist lebensbedrohlich! Dazu zählen handelsübliche Ställe oder Buchten, Käfige oder Boxen.
Langhaarrassen sollten einen Sommerschnitt bekommen. Vor allem der Bereich um den Po und am Bauch sollte gewissenhaft gekürzt werden, denn im Fell klebender Kot kann im Sommer sehr schnell zu Fliegenmadenbefall führen. Lose Unterwolle wird am besten ordentlich und regelmäßig herausgebürstet mit einem geeigneten Gerät. Auch Verfilzungen sollten herausgeschnitten oder herausgebürstet werden. Darunter können sich feuchte oder wunde Stellen bilden und von Maden befallen werden. Die Haut und das Fell, insbesondere im Anogenitalbereich sollte mindestens zweimal täglich kontrolliert und gegebenenfalls gereinigt und behandelt werden.
In den warmen Monaten besteht erhöhte Gefahr für verschmutzte oder kranke Tiere. Erkrankungen des Magendarmtraktes (zum Beispiel Durchfallerkrankungen) oder des Harnapparates (Blasenentzündungen oder Blasengries) führen häufig zu Verschmutzung der Haut und des Fells und ziehen Fliegen an. Solche Tiere sollten mindestens zwei Mal am Tag kontrolliert und gegebenenfalls gesäubert werden. Denken Sie auch an übergewichtige oder sehr alte Tiere. Diese können sich häufig nicht mehr so gut selbst pflegen, aber auch Tiere mit Schmerzen, wie zum Beispiel Arthroseschmerzen, haben ähnliche Probleme. Im Zweifelsfall sollten betroffene Tiere mit nach innen genommen werden um sie zu schützen. Auch Fliegennetze können in solchen Fällen hilfreich sein. Sollten Fliegeneier oder auch schon Fliegenmaden gefunden werden, müssen sie zügig abgesammelt werden und das Tier muss umgehend in einer Tierarztpraxis vorgestellt werden. Ein Fliegenmadenbefall kann einen tierärztlichen Notfall darstellen. Man kann in der Tierarztpraxis auch nach für Kaninchen geeigneten Spot-on-Präparaten fragen.
Planbare Termine wie zum Beispiel Impfungen sollten auf kühlere Tage verlegt werden und Transporte auf kühlere Morgenstunden oder Abendstunden. Unnötige Transporte sollten wenn möglich ganz vermieden werden. Wenn ein klimatisiertes Fahrzeug zur Verfügung steht, sollte man nur darauf achten, dass die kalte Luft nicht direkt auf die Tiere gerichtet wird. Auch kalte Kühlakkus unter der Transportbox stellen eine gute Kühlmöglichkeit dar.
Nasse Handtücher die über dem Gehege gebreitet werden schaffen ein feuchtwarmes Klima, dass den Hitzestress erhöhen kann. Außerdem kann sich darunter ein gefährlicher Hitzestau bilden. Generell sollte besonders im Innenraum vermieden werden die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Auch sollte darauf geachtet werden, dass alles was ins Gehege gegeben wird nicht benagt oder beknabbert werden kann um durch abgeschluckte Fremdkörper lebensbedrohliche Verschlüsse im Darm zu vermeiden. Eis für Kleinsäuger: Sommer und Eis gehört zusammen, aber bei ihnen kann gefrorenes zu schwerwiegenden Magen-Darm-Beschwerden führen!
Wenn ein Tier teilnahmslos, eventuell in Seitenlage mit Flankenatmung gefunden wird, sofort ins Kühle bringen und in kaltes (nicht eiskaltes) Wasser tauchen. Den Kopf dabei aussparen. Auch mit kaltem, fließendem Wasser übergießen funktioniert gut. Das Kaninchen oder Meerschweinchen muss dabei nass bis auf die Haut werden. Im Anschluss zügig und am besten nach Voranmeldung in die Tierarztpraxis fahren. Prinzip: „cool first, transport second“ (zuerst kühlen, dann transportieren). Dieses Prinzip erhöht die Überlebenschancen signifikant. Im Auto die Klimaanlage oder Lüftung aufdrehen oder die Fenster öffnen, damit über den Fahrtwind weitere Verdunstungskühlung auftritt. Bewusstlose Tiere (Atmung und Puls vorhanden) sollten in die stabile Seitenlage gebracht werden mit gestrecktem Hals. Bei einem Herzkreislaufstillstand kann mittels Schwenken und Mund-zu-Nase-Beatmung eine Reanimation versucht werden. In der Praxis werden dann die weiteren lebensrettenden Maßnahmen eingeleitet. Ein Hitzschlag ist immer ein lebensbedrohlicher Notfall!
Geflügel besitzt keine Schweißdrüsen. Im Unterschied zum Menschen können die Tiere ihre Körpertemperatur nicht über die Schweißabgabe regulieren. Dies wird bei steigenden Temperaturen zu einem Problem. Je mehr Muskelmasse ein Vogel besitzt, umso mehr Wärme wird darin produziert und gespeichert. Zudem wirkt das Gefieder von Geflügel isolierend (Daunenjackeneffekt), was die Temperaturabgabe reduziert. Nehmen die Tiere viel Futter auf, entsteht mit der Verdauung zusätzlich körpereigene Wärme. Oberhalb der thermoneutralen Zone ist Geflügel dann nicht mehr in der Lage, überschüssige Wärme in ausreichender Menge an die Umgebung abzugeben. Sie atmen dann hechelnd mit weit geöffnetem Schnabel (Schnabelatmung), was auf hohen Stress hindeutet. In der Folge steigt die Körpertemperatur der Tiere auf bis zu 43 bis 44 Grad Celsius an (Normaltemperatur: ungefähr 41 Grad Celsius). Die Tiere trocknen aus, die Blutgefäße sind stark geweitet. Dies führt zum Kreislaufversagen und dann eventuell zum Hitzetod. Durch Maßnahmen wie Belüftung, Kühlung und gute Pflege der Tiere kann dies in der Regel vermieden werden. Doch bereits unterhalb des Richtwertes ist das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere gefährdet. Um die Wirkung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf Geflügel einschätzen zu können, wird der sogenannte Enthalpie-Wert. Ab einem Wert von 67 Kilojoule pro Kilogramm (Tagesmaximum) besteht für Geflügel eine kritische Wärmebelastung, die den Beginn von Hitzestress bedeutet.
| Enthalpie (in Kilojoule pro Kilogramm) | Temperatur (in Grad Celsius) |
| bis 50 | kein Hitzestress |
| 51 bis 57 | milder Hitzestress |
| 58 bis 66 | mäßiger Hitzestress |
| 68 bis 71 | starker Hitzestress |
| ab 72 | extremer Hitzestress |
Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD)
Der Enthalpiewert kann über die Website des Deutschen Wetterdienstes (von Mai bis September) im Blick behalten werden. In den Karten werden die Tagesmaxima der Enthalpie für den aktuellen Tag und die vier Folgetage dargestellt. Diese beziehen sich immer auf die Temperatur der Außenluft! Das Stallklima spielt aber auch eine entscheidende Rolle. Schon bei einem Enthalpiewert von 67 Kilojoule pro Kilogramm in der Außenluft kann in der Stallluft ein Wert von 72 Kilojoule pro Kilogramm erreicht werden. Tipp: Die App „Thermotool“ gibt es kostenlos im App-Store und dort wird graphisch der aktuelle Wert dargestellt.
An heißen Tagen oder Tagen mit hohen Enthalpiewerten sollten die Tiere mehrmals am Tag kontrolliert werden, um rechtzeitig im Notfall handeln zu können.
Die Fütterungszeiten auf die kühleren Morgenstunden und Abendstunden legen. Körnerfutter sollte reduziert werden. Wasserreiches Frischfutter erhöht die Flüssigkeitszufuhr und wird von vielen Tieren gerne genommen. Wassermelone, Gurke oder auch Beeren eignen sich sehr gut. Zusätzlich bietet Frischfutter Vitamin C. Zitrusfrüchte sollten aufgrund des hohen Säuregehaltes nicht angeboten werden. Auch die Zugabe von Kalk ist sinnvoll, da die Eierschalendicke im Sommer reduziert ist. Getrocknete (oder auch lebende) Würmer sind eine gerngenommene und proteinreiche Leckerei für den Sommer.
Mit am wichtigsten ist es den Tieren ausreichend Wasserquellen zur Verfügung zu stellen, damit alle Tiere, auch die rangniedrigeren, gleichzeitig trinken können. Das Wasser sollte frisch, sauber und möglichst kühl sein. Gegebenenfalls sollte man bei großer Hitze das Tränkenwasser mehrmals am Tag (mindestens zwei Mal) wechseln.
Schattige Plätze sind gerne genommene Ruheplätze und natürlich auch Schutz vor Raubvögeln. Natürlicher, abwechslungsreicher Schatten in Form von Bäumen und Sträuchern ist ideal, aber auch Sonnensegel und Schirme können ergänzend zum Einsatz kommen. Den Tieren sollten ausreichend Schattenmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Der Stall kann auch „sommerfest“ gemacht werden. Helle Farben (weiß) reflektieren Hitze mehr und Holz ist angenehmer als Metall. Das Dach kann mit reflektierendem Material abgedeckt werden, wie zum Beispiel Aludecken für Autos oder mit Wasser benetzt werden (Stichwort Verdunstungskälte). An den Fenstern kann ebenfalls ein Sonnenschutz angebracht werden, allerdings muss darauf geachtet werden, dass die Luftzirkulation nicht verhindert wird. Zusätzliche Möglichkeiten die Luft zu bewegen (unbedingt Zugluft vermeiden!) wie Ventilatoren helfen die Hitze von den Vögeln wegzuleiten und das Klima im Stall zu verbessern. Auch Wasservernebelungssysteme sind eine gute Sache. In großen, modernen Betrieben gehören sie mittlerweile zum Standard.
Hühner und andere Vögel können Vitamin C selber synthetisieren. In Stresssysuationen wie zum Beispiel Hitze kann es sinnvoll sein zu supplementieren wenn die körpereigene Synthese nicht schnell genug hinterherkommt und die Speicherfähigkeit des Körpers nur sehr gering ist. Über das vermehrte Hecheln kann es auch zu einer sogenannten respiratorischen Alkalose kommen. Vitamin C wirkt dem oxidativen Stress entgegen und sollte dem Trinkwasser zugegeben werden.
Durch das Hecheln (vermehrtes Abatmen von Kohlenstoffdioxid), die vermehrte Wasseraufnahme und Durchfall kann es zu einem Elektrolytmangel kommen. Es sollte in Hitzeperioden dem Trinkwasser zugegeben werden um einen Mangel auszugleichen und Problemen vorzubeugen. Dazu kann man handelsübliche Mischungen einsetzen oder zur Not selber mischen.
zum Beispiel:
auf 4 - 5 Liter Wasser (2 Teelöffel Gemisch auf 1 Liter Wasser)
Quelle: befluegelt.vet
Hühner und andere Vögel baden sehr gerne. Allerdings nicht in Wasser, sondern in Sand. Das reinigt das Gefieder und hilft bei Parasiten. Das Sandbad sollte auch im Schatten liegen, denn Sand heizt sich in der Sonne stark auf. Kühle Sandkuhlen dienen auch als Kühlplätze, vor allem wenn man sie etwas befeuchtet.
Hühner sind relativ wasserscheu, aber beim Laufen auf feuchtem Gras kühlen sie sich über die Beine ab und es lässt sich auch viel leichter picken.
Kühlakkus oder auch gefrorenes Wasser in Plastikflaschen können im Stall oder in Sandbädern ausgelegt werden. Mit Tüchern abgedeckt kommt es nicht zum direkten Hautkontakt und viele Tiere nutzen sie gern als Kühlmöglichkeit.
Flache Wasserschalen, wie zum Beispiel Tontopfuntetsetzer, mit Steinen darin können mit Wasser gefüllt werden. Man kann auch Leckereien wie Würmchen reinwerfen.
Zusätzliche Stresssituationen sollten an Tagen mit einem hohen Enthalpiewert unbedingt vermieden werden. Zukäufe und Transporte können auf andere Tage verschoben werden und auch „jagen“ oder einfangen sollte man die Tiere nicht. Auch Schlachtungen sollten vermieden werden, um zusätzlichen Stress für die Tiere zu vermeiden.
Parasiten belasten das durch die Hitze geschwächte Abwehrsystem im Sommer vermehrt. Es sollten regelmäßige Kontrollen und notwendige Behandlungen durchgeführt werden um die Tiere nicht noch zusätzlich zu belasten. Wenn die Körpertemperatur auf über 43 Grad Celsius ansteigt, kann es für die Tiere lebensbedrohlich werden. Ein solches Tier wirkt apathisch und sollte sofort in den Schatten gebracht werden und mit kaltem Wasser gekühlt werden. Auch die sofortige Verabreichung einer Elektrolytlösung ist hier sinnvoll. Sollten weitere Maßnahmen erforderlich sein, wäre es sinnvoll das Tier in eine Tierarztpraxis zu bringen.
Nicht nur wir Menschen, sondern auch Tiere leiden unter starker Hitze. Pferde besitzen zwar als Steppentiere ein ausgeprägtes Thermoregulationsvermögen, überhitzen aber bei körperlicher Anstrengung sogar deutlich schneller als Menschen, da sie eine höhere Muskelmasse besitzen und viel Wärme produzieren. Hitzestress kann bei Pferden zu ernstzunehmenden Problemen wie Koliken, Kreislaufkollaps und Hitzschlag führen. Besonders gefährdet sind sehr junge, alte oder vorerkrankte Tiere.
Denken Sie selber auch an Ihren Hitzeschutz - deshalb ausreichend trinken, leichtes Essen und helle Kleidung bevorzugen, Sonnenschutz auftragen und heiße Stunden vermeiden.
Die vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) veröffentlichen Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten definieren die Mindestanforderungen an eine artgerechte Pferdehaltung. Diese schließen diverse Maßnahmen zur Vermeidung von Stress durch Hitze, Sonneneinstrahlung und Insekten ein.
Hier finden Sie die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten
Auch bei der Haltung im Freien müssen Pferden ständig gegen schädliche Witterungseinflüsse (zum Beispiel übermäßige Sonneneinstrahlung) wirksam geschützt werden. Steht kein natürlicher Schutz (zum Beispiel Bäume) zur Verfügung, müssen ein künstlicher Witterungsschutz erstellt oder geeignete Managementmaßnahmen getroffen werden.
Pferden sollte insbesondere bei Hitze ständig Tränkewasser zur Verfügung stehen. Ein Pferd kann bei Hitze bis zu 80 Liter Wasser am Tag benötigen. Kontrollieren Sie die Selbsttränken auf Durchfluss oder bieten Sie zusätzlich Wasser aus Eimern an. Das Wasser sollte sauber und frisch, aber nicht eiskalt sein.
Schicken Sie Ihre Pferde in der Sommerhitze nur nachts oder in den kühlen frühen Morgenstunden auf die Koppel oder aufs Paddock und nicht in die pralle Sonne. Ab dem späten Vormittag ist ein kühler, gut belüfteter Stall oder ein tiefschattiger Offenstall der bessere Ort.
Hitze bedeutet oft auch eine hohe Fliegenbelastung, die Stress verursacht. Nutzen Sie leichte, atmungsaktive Fliegendecken und Masken zum Schutz vor Insekten.
Verzichten Sie bei extremer Hitze auf schwere Arbeit. Wenn Sie reiten, dann nur kurz in den frühen Morgenstunden. Achten Sie auf die Atemfrequenz und gönnen Sie dem Pferd regelmäßige Pausen im Schatten.
Durch starkes Schwitzen verliert das Pferd wichtige Mineralien. Stellen Sie einen Salzleckstein zur Verfügung oder füttern Sie Elektrolyte zu, um den Mineralhaushalt und Elektrolythaushalt auszugleichen.
Kühlen Sie das Pferd nach der Arbeit vorsichtig ab. Beginnen Sie an den Hufen und arbeiten Sie sich langsam über die Beine Richtung Körper vor. Das Wasser sollte handwarm bis kühl aber nicht kalt sein, um einen Kreislaufschock zu vermeiden. Stellen Sie Ihr nasses Pferd nicht in die direkte Sonne, das kann zu Hitzestau führen!
Nasses Fell nach dem Abspritzen wirkt wie eine Isolierschicht und heizt das Tier weiter auf. Ziehen Sie das Restwasser mit einem Schweißmesser gründlich ab. Lassen Sie das Pferd anschließend im Schatten trocknen oder reiben Sie es mit einem Tuch ab.
Sorgen Sie für Durchzug im Stall, ohne dass die Pferde direkt im starken Luftzug stehen. Ventilatoren können helfen, die Luft in Bewegung zu halten. Auch das Wässern der Stallgasse kann die Umgebungstemperatur senken. Achten Sie auf genügend Schattenplätze in Offenställen mit mehreren Pferden.
Vermeiden Sie Fahrten im Pferdeanhänger bei Hitze. Müssen Sie Ihr Pferd dennoch transportieren, tun Sie dies bevorzugt nachts oder in den kühlen Morgenstunden. Öffnen Sie dabei alle verfügbaren Lüftungsklappen.
Pferde mit weißen Abzeichen an der Nüsternpartie oder unpigmentierter Haut um die Augen sind sonnenbrandgefährdet. Tragen Sie dort sensitive Sonnencreme auf oder nutzen Sie spezielle Nüsternschutz-Netze.
Achten Sie auf eine erhöhte Atmung, extremes Pumpen der Flanken, starkes Schwitzen ohne Anstrengung, Teilnahmslosigkeit, Muskelzittern, Koordinationsstörungen oder sehr dunklen Urin. Prüfen Sie das Zahnfleisch auf blasse/dunkle Schleimhäute Bei ersten Anzeichen das Pferd sofort in den Schatten führen und langsam mit Wasser kühlen.
Bei schweren Fällen und starken Anzeichen von Hitzestress, zögern Sie nicht und rufen Sie einen Tierarzt. Ein Hitzschlag beim Pferd ist ein lebensbedrohlicher Zustand und erfordert sofortige medizinische Hilfe.