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Fünf Personen sitzen auf Hockern an zwei runden Tischen und sind in ein Gespräch vertieft, wobei eine Frau ein Mikrofon hält.

Beim Tag der nicht sichtbaren Beeinträchtigungen dreht sich alles um Depressionen – Eva Jahnen berichtet aus ihrem Buch

Pressemitteilungen

Immer am 20. Oktober ist der Tag der nicht sichtbaren Beeinträchtigungen. Am vergangenen Dienstagabend hatte die Inklusionskonferenz ins neue Landratsamt eingeladen, rund 70 Interessierte, selbst Betroffene und Angehörige waren gekommen und lauschten gebannt den Ausführungen von Eva Jahnen. 

Die Kommunikationsdesignerin aus Wiesbaden leidet seit ihrem 13. Lebensjahr an Depressionen und hat auf Instagram in einer Art Tagebuch unter dem Titel „depridisco“ ihre Erkrankung öffentlich gemacht. Es sei ein langer Weg gewesen, bis sie mithilfe einer Psychoedukationsgruppe erkannt hatte: „Ich bin kein fauler Mensch mit einem schlechten Charakter“, sagte sie am Dienstagabend.

Ein Verlag sei auf sie aufmerksam geworden, habe sie gefragt, ob sie aus ihren Instagram-Berichten nicht ein Buch gestalten wolle. Warum Jahnen sich darauf einließ? „Ich will nicht, dass Depressionen noch mehr Menschen das Leben versauen“, sagte Jahnen. 

Anzeichen für einen sich anbahnenden Schub können vielseitig sein, führte die Designerin aus: Nicht aus dem Bett rauskommen, könne eines sein. Viel weniger Energie zu haben, zu viel Kaffee trinken und trotzdem müde sein, Unruhe, Gereiztheit verspüren, grübelnd aufwachen, alles verschieben – all das kann laut Eva Jahnen auf eine erneute Depression hinweisen.

Oftmals bestehe solch ein Schub aus Warten. Warten auf helle Momente, darauf, Aufstehen zu können, Warten, dass es leichter wird, Warten auf einen Therapieplatz – „ich schwebe dann in meiner Bleiglocke“. Und so heißt auch ihr Buch: „Die Gedanken sind Blei.“ 

Hilfreich sei Psychotherapie, aber schrecklich das elend lange Warten von bis zu einem Jahr auf einen Therapieplatz. „Das Gesundheitssystem ist alles andere als nutzerfreundlich“, sagte die Designerin. Genau das bestätigten auch die ebenfalls Betroffenen Nikolaus Mantel und Sandra Ebinger, die seit vielen Jahrzehnten unter Depressionen leiden.

„Kein Mensch sollte mit dem Hilfesuchen warten, bis man komplett am Boden liegt“, betonte Jahnen in einem Podiumsgespräch. Mantel sagte, dass der sozialpsychiatrische Dienst (SPDi) ein niederschwelliger Zugang sein kann. Auch eine Gruppentherapie wäre für manche Menschen ein hilfreicher Weg, sagte Angelika Zadick als Psychologin und Psychotherapeutin bei der PP.rt. Ebinger hat zudem eine Selbsthilfegruppe gegründet, berät und hilft seit vielen Jahren andere Betroffene.

Wichtig sei bei dem Thema aber auch die Frage, wo sich Angehörige von Depressionspatienten hinwenden könnten. Es gebe eine Möglichkeit, beim Verein für soziale Psychiatrie, sagte Juliana Kunrad vom Verein für Sozialpsychiatrie. Unter ihrer Email-Adresse juliana.kunrad@vsp-net.de könnten Angehörige sich bei ihr melden. 

Eine positive Nachricht hatte Zadick mitgebracht: „Bei der Schwere des Themas ist es doch positiv, dass Depressionen gut erforscht sind.“ Es gebe gute Medikamente und Psychotherapien. „Und wie sieht es mit Jugendlichen aus?“ wollte Moderatorin und Leiterin der Geschäftsstelle der Inklusionskonferenz Susanne Blum wissen. Vermehrt würden nun 18- bis 24-Jährige in der PP.rt Hilfe suchen. „Während Corona waren sie in der Pubertät“, so Zadick. 

Während der Pandemie hätten laut Sandra Ebinger auch vermehrt verzweifelte Mütter bei ihr angerufen. Daraufhin sei sie verstärkt in Schulen gegangen, um Jugendliche über die Erkrankung aufzuklären. Aber: „Selbsthilfegruppen sind für Jugendliche eher schwierig, sie suchen das Einzelgespräch.“ 

Am Dienstagabend wurde Susanne Blum zudem aus ihrem Amt verabschiedet – sie geht in den Ruhestand. Der Beirat Selbsthilfe der Inklusionskonferenz dankte ihr für ihre Arbeit. Ebenso wie Sozialdezernent Klaus Feistauer in Vertretung des erkrankten Landrats Dr. Ulrich Fiedler: Mit „Enthusiasmus, Herz, Weitblick und toller Vernetzungsarbeit“ habe Blum ihr Amt ausgefüllt. „Sie hinterlassen ein Erbe, das wir hüten und pflegen wollen.“