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„Ich bin stolz auf mich“ - Mitglieder des Beirats Selbsthilfe stellen sich vor

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Zeitgleich mit der Inklusionskonferenz des Landkreises Reutlingen wurde 2013 der Beirat Selbsthilfe ins Leben gerufen. Vier der 15 Mitglieder stellen sich in den kommenden Wochen in einer kleinen Sommerreihe vor. Den Beginn macht Dorothee Eisele.

BAD URACH. Dorothee Eisele wurde im Jahr 1990 geboren. Sie wuchs in Riederich und Metzingen auf, ging ganz normal in den Kindergarten, dann auf die Seyboldschule in Metzingen, eine Förderschule. „Die ersten beiden Klassen waren okay, da gab es nicht viel Druck“, erinnert sie sich heute. „Aber ab der dritten Klasse musste ich Diktate schreiben.“ Und Rechnen war nun wirklich nicht ihr Ding. Sie wechselte die Lehreinrichtung, kam auf die Karl-Georg-Haldenwang-Schule in Münsingen. „Das war gut“, sagt sie heute und strahlt.

Bis zum 18. Lebensjahr besuchte sie die Schule, „da war kein Druck“, sagt Eisele. Danach wechselte sie in den Berufsbildungsbereich einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen. Sie machte zwei Praktika, eines im Kindergarten und eines als Alltagsbegleiterin. Besonders der Kindergarten hätte ihr gefallen, aber eine Tätigkeit dort blieb ihr verwehrt: „Da hätte ich eine Ausbildung machen müssen“, sagt sie enttäuscht. Allerdings war das zu Zeiten, als noch ausreichend Fachpersonal vorhanden war.

Ein großer Wunsch

Die fast 35-Jährige zeigt sich im Gespräch sehr aufgeräumt, sie liebt offensichtlich das Leben und hat einen wirklich großen Wunsch: Sie möchte mit ihrem Freund zusammenziehen. Den hat sie in der Dettinger Werkstatt für behinderte Menschen kennengelernt. Dort arbeitet sie selbst auch, „ich falte Schachteln und verpacke Schrauben“, sagt Dorothee Eisele. Die Tätigkeit gefällt ihr. Zudem betreut sie einen Mann aus dem Förder- und Betreuungsbereich (FuB), hilft ihm, die Jacke aus- und anzuziehen sowie beim Essen.

Dafür erhält Eisele zusätzlich ein paar Euro. Viel Geld verdient sie nicht in der Werkstatt, einmal im Monat geht sie zur Bank, hebt einen bestimmten Betrag ab, gibt den dann einem Mitarbeiter in dem Haus in Bad Urach, das die Bruderhaus-Diakonie angemietet hat. Dort befindet sich eine Außenwohngruppen der Bruderhausdiakonie, Eisele wohnt im mittleren Stockwerk, geht an den Wochenenden auch mal mit einem älteren Bewohner aus dem Erdgeschoss spazieren oder einkaufen.

Sie ist froh, dass sie nicht selber kochen und putzen muss – allerdings hätte sie, wie bereits erwähnt, auch gerne eine größere Wohnung, in der sie zusammen mit ihrem Freund leben könnte. Er wohnt im „Ambulant betreuten Wohnen“, auch in Bad Urach, aber ohne den Service in der Außenwohngruppe.

Dorothee Eisele würde gerne ausprobieren, ob das funktioniert mit dem (fast) selbständigen Wohnen im Ambulant betreuten Wohnen. „Aber man findet in Urach ja keine Wohnung“, sagt sie enttäuscht.

Immer im Einsatz

Im Großen und Ganzen ist sie aber mit ihrem momentanen Leben zufrieden. Wobei noch lange nicht alle Bereiche zur Sprache kamen: Eisele treibt Sport. Leichtathletik. Sie zieht eine golden-glänzende Medaille aus der Hosentasche. Vor drei Jahren, 2022, ist sie bei den Special Olympics in Berlin dabei gewesen. Darauf ist sie richtig stolz. Und Eisele trainiert auch jede Woche bei der TSG Inklusiv in Urach.

Außerdem ist sie im Bewohnerbeirat aktiv, vertritt alle behinderten Bewohner im Ermstal. Eisele fragt alle nach ihren Themen, was sie gerne machen würden, ob es Probleme gibt. Zusätzlich ist die 35-Jährige im Beirat Selbsthilfe der Inklusionskonferenz. „Dort sind Experten mit allen möglichen Beeinträchtigungen vertreten“, erläutert Susanne Blum als Leiterin der Inklusionskonferenz.

Ob blind, ob taub, mit kognitiven, psychischen oder sonstigen Einschränkungen – in dem Gremium sprechen sie für sich selbst und machen sich stark für die Beseitigung der Probleme, mit denen beeinträchtigte Menschen leben müssen. „Dorothee Eisele hat dort eine wichtige Funktion, sie trägt aktiv dazu bei, die Teilhabechancen für alle Menschen zu erhöhen und ist damit eine wichtige Säule in der Gesellschaft“, betont Susanne Blum.

„Ich bin stolz auf mich, so viel geschafft zu haben“, sagt Dorothee Eisele. Darauf, dass sie selbständig mit Bus und Bahn auch ihre Mutter und ihre Schwester in Freiburg besuchen kann. Wenn eine Fee zu ihr käme, sie einen Wunsch frei hätte – was würde sie wählen? Keine Frage: „Endlich eine größere Wohnung mit meinem Freund“, sagt sie.

Über die Inklusionskonferenz

Der Landkreis Reutlingen hat sich mit der Inklusionskonferenz 2013 auf den Weg gemacht, die Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention auf kommunaler Ebene umzusetzen. Unterstützt durch den Beirat Selbsthilfe und in Kooperation mit unterschiedlichen Netzwerkpartnern wurden viele Maßnahmen und Projekte zum Abbau von Barrieren und einer umfassenden Teilhabe am Leben in der Gesellschaft umgesetzt.

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