Ich lade euch ein, mit mir gedanklich ein wenig durch den Landkreis zu streifen.
Da ist die sportliche junge Frau im Rollstuhl, die sich flink durch den Verkehr schlängelt. An einem Marktstand steht der freundliche ältere Herr mit Rollator, der sich mit der Verkäuferin unterhält. Das hübsche junge Mädchen, das ein wenig blass und unbeteiligt neben den Freundinnen in der Fußgängerzone mitgeht. Und nicht zu vergessen der junge Mann, der am Handy lauscht, um die Fahrauskunft für den nächsten Bus abzuhören... Da ist das kleine Mädchen, das „Musik mag, wenn sie laut ist“.
Nehmen wir wahr, dass die flotte junge Frau im Rollstuhl spätestens, wenn sie die Stufe ins Café nehmen möchte, umkehren muss, dass der ältere Herr die schwere Tasche nach dem Einkauf eigentlich nicht nach Hause tragen kann, dass das junge Mädchen Angst hat unter Menschen, dass der junge Mann nun zwar weiß, wann der Bus fährt aber keine Leitlinien findet, die ihn zum Bus geleiten, dass das Mädchen stört, wenn sie den Bass hochdreht, um den Rhythmus zu spüren, weil sie ihn nicht hören kann?
Der Tag der Behinderungen soll sichtbar machen – vor allem aber das Bewusstsein stärken. Er möchte erinnern, dass Barrieren Menschen daran hindern, selbstverständlich und selbstbestimmt „mittendrin“ und „mit dabei“ zu sein. Und er soll uns daran erinnern, dass wir uns selbst durch Barrieren begrenzen.
Für mich als neue kommunale Beauftragte für Menschen mit Behinderungen ist dieser Anlass ein guter Tag um inne zu halten, vor allem darüber nachzudenken, wo wir im Landkreis in Sachen Inklusion stehen.
Wie leben wir als Gemeinschaft, als Gesellschaft heute in den Städten oder auf dem Land? Wo findet Inklusion im Landkreis tatsächlich statt und wo müssen wir weitergehen und dranbleiben?
Inklusion als Leitbild für politisches und gesellschaftliches Handeln zu betrachten, davon sind wir noch ein paar Schritte entfernt aber auch irgendwie „mittendrin“!
Ich sehe viele engagierte Menschen, viele abgebaute Barrieren, ein gutes Miteinander.
Ich sehe aber auch, dass wir in allen Bereichen, in der Arbeit, beim Wohnen, in Bildung und in der Freizeit dranbleiben müssen.
Dranbleiben, um zu erkennen, was wir verpassen, wenn wir Barrieren nicht abbauen!
Ich freue mich darauf, mit euch allen weiterzugehen.
Ramona Mathes
Kommunale Beauftragte für Menschen mit Behinderungen