21. Juli 2006

  • © Landkreis Reutlingen

1200 Jahr-Feier Sonnenbühl-Undingen

Grußwort – 1200 Jahre Sonnenbühl-Undingen, Ausstellungseröffnung zur 1200-Jahrfeier,  Steinbühlhalle Undingen
 
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Elser,
sehr geehrter Herr Ortsvorsteher Kratzer, 
meine Damen und Herren Gemeinde- und Ortschaftsräte,
MdLs, Kreisräte,
meine Damen und Herren,
 
es ist für mich eine besondere Freude, am Festwochenende aus Anlass des 1200-jährigen Ortsjubiläums von Undingen teilnehmen und am heutigen Abend die Bilder- und Fotoausstellung und die Ausstellung über archäologische und geologische Funde auf der Markung Undingen mit eröffnen zu können.
 
Gestatten Sie mir vorab ein Wort zur Ortschronik, die aus diesem Anlass erstellt worden ist: Ich spreche Ihnen meine Anerkennung aus für dieses mit großem Engagement zusammengetragene äußerst interessante historische Lesebuch über die Geschichte Undingens. Ich habe selten eine  mit so großer Liebe zum Detail erstellte und zugleich spannend lesbare Chronik einer Gemeinde gesehen. In mühevoller und zeitraubender Arbeit wurden die historischen Fakten und Inhalte aufgearbeitet und damit ein heimatgeschichtliches Werk über Undingen zusammengetragen, das seinesgleichen sucht.
 
Es ist ein ganz besonderer Anlass, der uns an diesem Festwochenende zusammenführt: Urkundlich wurde Undingen erstmals 806 n. Chr. erwähnt.
Ich möchte gar nicht erst versuchen, aus Anlass dieses Festwochenendes einen geschichtlichen Abriss über die Geschichte und Entwicklung Undingens zu geben. Dazu gibt es Berufenere. Ich lade Sie ein, einige Gedanken mit mir zu teilen:
 
Meine Damen und Herren, die Gemeinde Sonnenbühl und insbesondere Undingen bringen mit der Ortschronik und dem Festjubiläum ihre Verbundenheit mit der eigenen Geschichte und Kultur, aber auch mit unserer schwäbischen Heimat zum Ausdruck. Und gerade in einer Zeit des immer schnelleren Wandels suchen die Menschen nach Kontinuität, nach Anknüpfungspunkten. Beides finden sie in der Geschichte, finden sie in Traditionen und Bräuchen.
Friedrich Schiller sagte in seiner Jenaer Antrittsvorlesung im Mai 1789: „Der Mensch verwandelt sich und fliehet von der Bühne; seine Meinungen fliehen und verwandeln sich mit ihm; die Geschichte allein bleibt unausgesetzt auf dem Schauplatz, eine unsterbliche Bürgerin aller Nationen und Zeiten.“
 
Dennoch war die Beschäftigung mit Geschichte und Tradition in Deutschland lange nicht gefragt. In den 70er Jahren war nicht nur von der Abschaffung der Geschichtswissenschaft die Rede, auch die Pflege historischer Denkmäler erfuhr in der breiten Öffentlichkeit nur eine relativ mäßige Resonanz. Der damalige Bundespräsident Walter Scheel äußerte vor gut 30 Jahren gar die Befürchtung, wir seien in Gefahr, ein „geschichtsloses“ Land zu werden. Heute dagegen können wir feststellen: Geschichte liegt im Trend. Das Interesse ist erstaunlich gewachsen. Die Menschen besinnen sich zurück auf ihre Geschichte, sie wollen ihre Wurzeln wieder entdecken. Und Golo Mann hat trefflich beschrieben, warum Vergangenheit, Geschichte und Zukunft untrennbar zusammengehören:
 
„Wer nicht um seine Herkunft weiß, hat auch keine Zukunft.“
 
Geschichte, meine Damen und Herren, ist also eine Klammer, die die Menschen zusammenhält. Gemeinsame Tradition und Bräuche sind es, die die Menschen binden. Wenn Geschichtspflege und Geschichtsbewusstsein gerade im Zeitalter der Globalisierung, im Zeitalter des Internets, Konjunktur haben, dann hat es einen einfachen Grund: In der virtuellen Stadt und im globalen Dorf fühlt sich keiner zu Hause.
 
Wir alle brauchen, angesichts der Globalisierung und Internationalisierung, ohne den Verlust von Identität, um bestehen zu können, eine Heimat, in der wir verwurzelt sind. Eine Heimat, in der unsere regionale und lokale Identität auch von Tradition und Geschichte lebt.
 
Deshalb interessieren wir uns für Geschichte, deshalb ist das Bewusstsein von Geschichte so wichtig, deshalb kommt der Heimat- und Denkmalpflege ein unschätzbarer Wert zu: Beides ist Geschichtspflege, die Identität stiftet. Und ich möchte in diese Reihe ausdrücklich auch solche Werke wie die Ortschronik Undingens mit einbeziehen.
 
Eine Identität in einem geeinten Europa. In diesen Tagen, in denen wir am Rande des Abgrunds zu einem neuen Nahostkrieg stehen, wird uns schmerzlich bewusst, dass es gilt, mit ganzer Energie die Integration Europas voranzutreiben als ein Motor und wichtige Kraft für einen dauerhaften Frieden und Stabilität in der Welt.
Darüber, meine Damen und Herren, dass die Gemeinde Sonnenbühl und Undingen eine geschichtsbewusste Gemeinde ist, legt dieses Festwochenende, legt die Ortschronik, legt aber auch die heutige Bilder- und Fotoausstellung und die Ausstellung archäologischer und geologischer Funde auf der Markung Undingen beredtes Zeugnis ab.
 
Und ich sage es Ihnen ganz ehrlich: Ich bedaure es umso mehr, morgen Abend nicht an der Jubiläumsveranstaltung teilnehmen zu können, seit ich weiß, dass eigens zu diesem Jubiläum das „obergärige Märzen“ in eigens zum Jubiläum getöpferten Bechern ausgeschenkt wird.
 
Der Landkreis ist froh an seinen Undingern und an seinen Sonnenbühlern, einer lebendigen und belebenden Gemeinschaft. Es ist schön, einen so lebendigen Jubilar in seinen Kreisgrenzen zu haben. Ich wünsche Ihnen gute Resonanz, viele Besucher. Sonnenbühl und Undingen ein herzliches Glück auf!

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