07. April 2005

  • © Landkreis Reutlingen

Verabschiedung Landrat Dr. Edgar Wais und
Amtseinsetzung Landrat Thomas Reumann

 

Bürgermeister und 1. SV Vorsitzender des Kreistags Otwin Brucker


"Man kann ein bissle ängstlich sein oder ein bissle forsch, ängstlich war ich nie."
So hat er sich selbst erst vor wenigen Tagen charakterisiert.
Von diesem wackeren Schwaben, der sich vor nichts geforcht' hat, von Ihnen, lieber Herr Dr. Wais, verabschieden wir uns heute als Landrat.


Und wir feiern heute die Verpflichtung unseres neuen Landrats, von Ihnen, lieber Herr Reumann.
Dies hat nach dem Gesetz in öffentlicher Kreistagssitzung zu erfolgen, die hiermit - nebenbei bemerkt - eröffnet ist.


Dazu begrüße ich hier in den Pfullinger Hallen
Herrn Dr. Wais mit Frau und Familienangehörigen,
Herrn Reumann mit Frau und Familie,
eine große Anzahl honoriger Gäste
und viele Weggefährten und Freunde, die Dr. Wais in den zwanzig Jahren seiner Arbeit als Landrat beruflich begleitet haben und die ihm persönlich verbunden sind.


Dass wir in den Pfullinger Hallen zusammengekommen sind, entspringt einem Wunsch von Ihnen, lieber Herr Dr. Wais. Es hat ganz und gar nichts damit zu tun, dass es in Reutlingen das neue Kulturzentrum noch nicht gibt, sondern es ist Ausdruck für Ihre starke Beziehung zu Kultur und Kunst, dass wir heute in diesem baugeschichtlich bemerkenswerten Jugendstilgebäude feiern.

Ich weiß, dass man vor Lässlichkeiten bei einer namentlichen Begrüßung von Gästen nie ganz gefeit ist. Dehnt man die Liste zu sehr aus, steigt mit der Länge der Liste die Erwartung manchen Gastes und die Gefahr, dass man enttäuscht. Beschränkt man sich zu sehr, könnte man als mit der Etikette zu wenig vertraut gelten.

Ich will trotzdem die kürzere Variante wählen dürfen. Ihrer aller Verständnis werde ich dafür haben, wenn ich Ihnen allen versichere, dass sich die beiden Persönlichkeiten, die heute im Mittelpunkt stehen, über Ihr aller Kommen, meine verehrten Gäste, gleichermaßen freuen. Deshalb darf ich Sie alle gleich herzlich begrüßen.

Aber manche sind halt doch ein bisschen "gleicher".

Wir freuen uns über Ihr Hiersein, Herr Innenminister Rech.
So ein klein wenig sind Sie ja fast schon Reutlinger Kreisbürger.
Wir sehen in unserem Innenminister vor allem den Kommunal-Minister. Die Städte und Gemeinden brauchen Ihre Fürsprache in der Landespolitik ganz dringend, denn wir haben den Eindruck, dass ab und zu am Kabinettstisch vergessen worden ist, dass es ohne leistungsfähige Städte und Gemeinden auf Dauer kein starkes Land geben kann. Ich danke Ihnen dafür, dass Sie heute die Arbeit von Herrn Dr. Wais würdigen und dass Sie zu uns sprechen.
Mit Ihnen heiße ich führende Damen und Herren aus den Ministerien und aus vielen anderen Behörden und öffentlichen Institutionen willkommen.


Wenn ich die Herren Ministerialdirektor Bauer und Ministerialdirigent Dr. Kohler vom Sozialministerium anspreche, hat es einen ganz besonderen, sehr egoistischen Grund. Unser neuer Landrat wird in nächster Zeit häufiger Gast in Ihrem Haus sein. Deshalb will ich Ihnen sagen, je schneller er einen Finanzierungsbescheid in hohem zweistelligem Betrag für das Bettenhaus Süd in Reutlingen ausgehändigt bekommt, umso schneller werden Sie ihn los haben. Wir Kreisräte wollen Ihnen dies sehr ans Herz legen.

Herzlich willkommen heiße ich Herrn Staatssekretär Hillebrand und die Damen und Herren Abgeordneten des Bundestags und des Landtags aus dem Landkreis Reutlingen. Wir freuen uns, das Sie alle gekommen sind.

Ich begrüße den neuen Präsidenten des Landkreistags Baden-Württemberg, Sie Herrn Landrat Dr. Schütz und mit Ihnen die Damen und Herren Ihrer Geschäftsstelle und fast alle baden-württembergischen Landräte und eine Reihe ehemaliger Landräte. Sie, lieber Herr Dr. Schütz, haben in den letzten Tagen zwei Erklärungen abgegeben, die auch die Zustimmung unserer Städte und Gemeinden haben: Keine Direktwahl des Landrats und keine Regionalkreise. An derartigen Reformen haben auch unsere Gemeinden keinen Bedarf. Für Ihr Grußwort danke ich Ihnen schon im Voraus.

Herzlich willkommen Herr Regierungspräsident Wicker.
Sie sind von Dr. Wais Jahr für Jahr bei der Haushaltsdebatte im Kreistag - bildlich gesprochen - als Damoklesschwert über unsere kreisumlagedeckelnden Köpfe gehängt worden. Wir haben das immer sehr, sehr ernst genommen und uns sehr gefürchtet. Danke, dass Sie uns als Rechtsaufsichtsbehörde entgegen all seiner wilden Drohungen nie an den Kragen gegangen sind. Wir wissen, dass Sie kein Bürokrat, sondern ein verständnisvoller und kommunal-freundlicher Praktiker sind. Das schätzen wir sehr.


Ich begrüße die Präsidenten und Repräsentanten von Verbänden, Kammern und anderer Institutionen, unserer Sparkasse und unserer Kliniken, von Banken und Versicherungen - darunter die Herren Präsidenten Haasis, Möhrle und Pfründer, und die Herren Lehari und Dr. Narr, die Vertreter der Kirchen, an ihrer Spitze Herrn Prälat Maier, meine amtierenden und ehemaligen Kolleginnen und Kollegen aus den Rathäusern und aus dem Kreistag, angeführt von Frau Kollegin OB Bosch und die Vertreter unserer regionalen Medien.

Ihnen allen danke ich dafür, dass Sie gekommen sind. Es trifft sich, glaube ich, ganz gut, dass ich es bin, der heute Ihre Arbeit würdigen darf, lieber Herr Dr. Wais.

Wir haben einiges gemeinsam: Gleicher Jahrgang, beide auf der Alb aufgewachsen, kreispolitisch haben wir zwanzig Jahre lang sehr eng und auf einer Basis der Zuverlässigkeit zusammengearbeitet.
Verbandspolitisch haben wir für den Landkreistag und den Gemeindetag jahrelang an manchem Strang gemeinsam und mit Erfolg gezogen.


Sie waren dem Landkreis Reutlingen ein ausgezeichneter Landrat.
Überhaupt hat der Landkreis Reutlingen mit seinen Landräten, seit ich weiß, großes Glück gehabt.
Das gilt auch für Ihren Vorgänger im Amt, Herrn Gerhard Müller, den ich besonders herzlich unter unseren Gästen grüße. Auch Sie hatten einiges gemeinsam: Sie wussten, was Sie wollen. Sie waren zielstrebig und hartnäckig, und sie hatten Gespür und Geschick. Gerhard Müller eher an preußischen Tugenden orientiert, gepaart mit einem guten Schuss Schalk.
Sie, Herr Dr. Wais, haben mit gewinnendem Charme und manchmal fast jungenhafter Spitzbübigkeit, hinter der Sie Ihre Hartnäckigkeit versteckt haben, und mit einer zumindest nach außen getragenen Gelassenheit Ihre Ziele ganz konsequent verfolgt.
Wir haben Sie in Ihrer beruflichen Arbeit sehr geschätzt, nicht nur wegen Ihres Tatendrangs und wegen Ihrer Erfolge, sondern auch wegen Ihrer Partnerschaftlichkeit, Anständigkeit und Kollegialität.
Aber wir mögen Sie auch in Ihrer offenen, gewinnenden und geselligen Art.
Sie hatten ganz selten nicht recht, und wenn es einmal der Fall war, haben Sie es "uns großzügig verziehen".


Das ist fast eine Art kommunalpolitisch-freundschaftlicher Liebeserklärung.
Heute kann ich mir das ja erlauben. Zu Zeiten, als Sie noch im Amt waren, wäre mir das zu riskant gewesen - es hätte Sie übermütig machen können.


In den zwanzig Jahren Ihrer Arbeit hat der Landkreis Reutlingen eine ausgezeichnete weitere Entwicklung genommen. Dies ist Ergebnis Ihres enormen Fleißes und Ihres persönlichen Einsatzes.
Aber genauso Ergebnis einer guten Partnerschaft zwischen den Städten und Gemeinden, die den Landkreis tragen, und dem Landkreis, den ich in einer Kreistagsdebatte, sehr zu Ihrem Missvergnügen, einmal als "Tochterfirma der Städte und Gemeinden" bezeichnet habe.


Diese Partnerschaft zwischen dem Landkreis und den ihn tragenden Gemeinden wird Herr Kollege Heß als Vorsitzender des Kreisverbands Reutlingen für die Städte und Gemeinden in seinem Grußwort würdigen. Ich möchte mich auf die Feststellung beschränken, dass Sie das Subsidiaritätsprizip allermeist beachtet und die herausgehobene landespolitische Bedeutung und kommunalverfassungsrechtliche Stellung der Gemeinden geachtet haben.

Das Subsidiaritätsprinzip ist von Ministerpräsident Teufel in der Vergangenheit immer wieder zu Recht als elementar wichtig herausgestellt worden. Zuletzt bei seiner Rede bei der Landkreisversammlung in Bad Urach vor wenigen Wochen. Es bedeutet: Das Land soll nur machen, was Kommunen nicht leisten können, die Kreise sollen nur machen, was die Städte und Gemeinden nicht leisten können,
also Vorrang für die jeweils untere Ebene.


Für Städte und Gemeinden muss das in ganz besonderem Maß gelten, und die Landkreise haben das zu akzeptieren, weil die Menschen im Landkreis nicht Kreisbürger, sondern Bürger unserer Städte und Gemeinden sind.

Das ist immer wieder auch im Kreistag zum Ausdruck gekommen, nicht zuletzt bei den Diskussionen um die Kreisumlage. Sie haben das akzeptiert als Landrat und auch als Präsident des Landkreistags.

Die Städte und Gemeinden stehen zu ihrer Trägerverpflichtung dem Landkreis gegenüber und damit auch zu ihrer Verpflichtung, den Landkreis über die Kreisumlage zu finanzieren. Das schließt nicht aus, sondern das Subsidiaritätsprinzip gebietet es geradezu, dass die Kreisumlage jeweils so festgesetzt wird, dass der Kreis seine Aufgaben angemessen erfüllen kann, aber auch, dass die Leistungskraft der Gemeinden nicht ruiniert wird und dass ihre Aufgabenerfüllung im Sinne des Subsidiaritätsprinzips vorrangig gewährleistet bleibt.

Wir waren uns wegen des Subsidiaritätsprinzips beispielsweise auch einig,  dass das Kindergartenwesen mit allem, was dazu gehört, originäre Aufgabe der Städte und Gemeinden ist und bleibt, und es ist von Ihnen mit Selbstverständlichkeit akzeptiert worden, dass dieses Prinzip auch bei der Umsetzung des Tagesbetreuungsausbaugesetzes zur Anwendung kommen muss.

Ganz selten haben Sie auch einmal eine schwache Stunde gehabt. In solch schwachen Stunden haben Sie dann hie und da halblaut darüber nachgedacht, die Kreisumlage durch einen eigenen Steueranteil der Kreise zu ersetzen. Das könnte ansteckend sein. Deshalb, und weil landes- und bundespolitische Prominenz im Saal ist, sage ich:
Es wäre systemwidrig, und ich muss einmal mehr davon warnen, die Kreisumlage dadurch ersetzen zu wollen, dass Steueranteile den Städten und Gemeinden weggenommen und den Landkreisen gegeben werden. Das löst die Finanznot der Kommunen nicht, sondern es würde nur dazu führen, dass vor allem die Politiker im Bund sich zufrieden zurücklehnen. Denn dann hätten sie ganz elegant die ihnen offenbar lästige Forderung der Kommunen vom Hals, endlich für eine Absenkung der Kostenbelastung der Kommunen vor allem im sozialen Bereich (Stichwort Eingliederungshilfe) und für eine Gemeindefinanzreform zu sorgen, die überfällig ist. Kostenentlastung ist es, was wir endlich und dringendst brauchen. Dafür muss sich auch das Land, Herr Innenminister, ernsthaft und mit allem Nachdruck stark machen.


Ich bin dankbar, dass Sie, Herr Dr. Wais, das immer genauso gesehen haben, als Landrat und auch als Präsident des Landkreistages. Und ich habe die Bitte an Ihre Nachfolger in beiden Ämtern, in den Fragen von Subsidiarität und Kommunalfinanzreform diesen Kurs im gemeinsamen Interesse ohne Wenn und Aber weiterzuverfolgen. Aus den zwanzig Jahren Ihrer Arbeit als Landrat ergibt sich eine sehenswerte Leistungsbilanz für unseren Landkreis. Sie wird deutlich in der ledergebundenen Rückblende, die ich Ihnen nachher als Geschenk des Landkreises überreichen darf.

Da ist alles akribisch festgehalten, was Sie mit uns zusammen bewirkt haben.
Von herausragendem Gewicht ist die Weiterentwicklung der kreisbedeutsamen Infrastruktur mit vielen Schwerpunkten, von denen ich nur vier herausgreifen möchte:
Berufliche Bildung, unter anderem mit Erweiterung der Berufsschulen in Reutlingen und Metzingen und Neubau der Sporthallen in Reutlingen und Bad Urach. Neustrukturierung und Ausbau des Krankenhauswesens, unter anderem mit dem Neubau Münsingen, Baumaßnahmen in Bad Urach und dem Ausbau des Klinikums am Steinenberg in Reutlingen mit Funktionsneubau, Cafeteria und Neuba Bettenhaus West, der Hereinnahme der Sana, der Umwandlung des Betriebs der Kreiskliniken in eine GmbH - manches davon im Kreistag heftig umstritten, aber am Ende doch mehrheitlich "von den Klügeren" durchgesetzt. Gerade im Krankenhausbereich verdanken wir sehr viel Ihrem persönlichen Einsatz. Verkehrsinfrastruktur mit Kreisstraßenbau und ÖPNV mit den Stichworten Lautertalstraße, Ermstalbahn, Schwäbische Albbahn und naldo. Sozialer Bereich mit Förderung der vielfältigen, freigemeinnützigen Institutionen und ehrenamtlichen Initiativen, der Familien-, Jugend- und Altenbetreuung. All das und die vielen größeren und kleineren anderen Aktivitäten unseres Landkreises hat hohe Wertigkeit für die Wohnqualität der Menschen und für die Standortqualität für die gewerbeliche Wirtschaft in unseren Städten und Gemeinden.


Nicht genannt habe ich die Verwaltungsreform.
Dafür haben Sie sich so oft selbst gelobt und schon loben lassen, dass ich mich darauf beschränken möchte, mich diesem Lob anzuschließen. Bewusst sage ich aber, Gemeinden und Städte, Bürgermeister und Kreistag stehen zu dieser Reform.
Uns ist genauso wichtig wie es Ihnen gewesen ist, dass sie nicht nur zum Erfolg für unser Land, sondern auch für unsere Städte und Gemeinden und für unsere Bürger und die gewerbliche Wirtschaft wird.


Sie waren ein kunstsinniger, an Kultur und Sport, bürgerschaftlichem Engagement und geselligem Vereinsleben bis hin zur Fasnet gleichermaßen interessierter, für die großen sozialen Aufgaben und Umweltbelange im Landkreis aufgeschlossener, verantwortungsbewusster und arbeitsfreudiger Landrat. Nicht zuletzt Ihnen verdankt unser Kreis die Aufnahme in die Umweltprogramme PLENUM und Regionen Aktiv.

Die Erfolge sind zuvörderst Ihre Erfolge, gleichzeitig aber auch Ergebnis der guten Partnerschaft mit den Städten und Gemeinden und einer effizienten Kreistagsarbeit. Dem Kreistag und seinen Ausschüssen waren Sie ein guter Vorsitzender, Sie waren Argumenten, Ideen, Initiativen und Kritik aus den Gremien gegenüber aufgeschlossen und beweglich - allermeist. Bei Bedarf haben wir ansonsten halt auch mal nachgehakt. Sie waren nicht beleidigt, wenn mal etwas nicht so lief, wie Sie es wollten und nicht nachtragend, wenn es mal heftig zur Sache ging. Wenn Sitzungen ab und an länger gedauert haben, lag das nie an Ihnen, sondern immer daran, dass Kreisrätinnen und -räte das letzte Wort haben wollten - was Sie ja verständlicherweise nicht zulassen konnten.
In Ihrer Entlassungsurkunde, die ich Ihnen vor wenigen Tagen ausgehändigt habe, durfte ich feststellen, dass Ihr außergewöhnlich engagiertes und überaus erfolgreiches Wirken für den Landkreis Reutlingen höchste Anerkennung verdient, und dass Bevölkerung und Kreistag des Landkreises Reutlingen Ihnen für Ihre Arbeit auf das Herzlicheste danken. Diesen Dank des ganzen Landkreises, seiner Menschen und des Kreistags möchte ich heute noch einmal öffentlich zum Ausdruck bringen.


In diesen Dank schließe ich Sie, verehrte liebe Frau Wais, herzlich gerne ein. Sie haben im Hintergrund die Arbeit Ihres Mannes mitgetragen, und Sie haben ihm - wie man so schön sagt - den Rücken freigehalten. Der Erfolg Ihres Mannes ist insofern auch Ihr Erfolg.  Wenn er jetzt häufiger in Sondelfingen zu Hause ist, als er bisher in Berlin, Stuttgart, auf dem Landratsamt und im Lande unterwegs war, wird der Tatendrang nicht ganz von ihm abfallen. Ich habe gehört, dass es Frauen oftmals schwer hätten mit ihren vormals so schwer beschäftigt gewesenen Pensionären, die plötzlich Dinge an sich reißen wollten, um die sie sich zuvor nie gekümmert hätten.
Ich will Ihnen ein wenig zur Seite stehen. Deshalb verweise ich Dich, lieber Edgar, freundschaftlich aber bestimmt auf § 1356 BGB. Dort heißt es, ich zitiere in etwas eigens für Dich zurechtgebogener Form:
"Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung in gegenseitigem Einvernehmen. Ist die Haushaltsführung wegen bisher beruflich bedingtem Desinteresse einem der Ehegatten überlassen gewesen, so leitet ausschließlich dieser den Haushalt weiterhin in eigener Verwantwortung."


Die Phase der ersten Ruhestandszeit wird ganz sicher entwöhnungs- und gewöhnungsbedürftig für Sie beide sein. Wir alle wünschen Ihnen für die Zukunft gute Gesundheit und dass Sie die jetzt frei werdende Zeit für die Dinge nutzen können, die Sie in der Zeit der großen beruflichen Belastung haben warten lassen müssen. Ihnen beiden zusammen mit Ihren Kindern, herzlich alles Gute.

Jetzt darf ich mich noch kurz an Sie, sehr geehrter, lieber Herr Reumann wenden. Für die Kürze bitte ich um Verständnis. Heute musste und durfte einfach vorrangig Ihrem Vorgänger Referenz erwiesen werden. Ich empfinde es aber als ausgesprochen wohltuend und als symbolhaft, dass Verabschiedung und Verpflichtung eine Einheit bilden. Das steht für Wertschätzung, für Stil und für Kontinuität.

Der Kreistag hat Sie mit ganz überwältigender Mehrheit im ersten Wahlgang zum Landrat gewählt. Ihre Ernennungsurkunde durfte ich Ihnen schon vor einigen Tagen übereichen. Sie sind uns allen als neuer Landrat herzlich willkommen.

Kollege Heß wird das für unsere Städte und Gemeinden und für die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zum Ausdruck bringen. Ich darf das für die Menschen in unserem Landkreis und für den Kreistag, aber auch mit ganz persönlicher Freude tun. Der Kreistag bietet Ihnen gerne eine offene, vertrauensvolle und engagierte Zusammenarbeit an. Und wir freuen uns auf das Miteinander.

Wir wünschen Ihnen Gesundheit, Geschick und Erfolg in der vor Ihnen liegenden Arbeit. Ihre Frau und Sie begrüßen wir mit ein paar Blumen.

Herr Innenminister Heribert Rech

 
Sie, sehr geehrter Herr Landrat Dr. Wais, sind am 31. März in den Ruhestand getreten. Es fällt mir nicht leicht, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass Sie nicht mehr die Geschicke des Landkreises leiten. Dr. Wais und der Landkreis Reutlingen - das sind für viele zwei fast austauschbare Begriffe.
 
Über Jahre, zwei Jahrzehnte, stand der Name Dr. Wais in Baden-Württemberg und weit darüber hinaus für den Landkreis Reutlingen. Der Name Dr. Edgar Wais wird in den Annalen des Landkreises einen besonderen Platz, einen Ehrenplatz einnehmen.
 
Eine Epoche geht zu Ende, für den Landkreis und für Sie, Herr Dr. Wais. Der Kapitän übergibt das Steuerrad,  er übergibt das Kommando über sein Schiff, das Landratsamt, einem jüngeren Nachfolger. Sie haben dieses Schiff 20 Jahre lang mit größtem Geschick und Erfolg durch Wind und Wetter gesteuert. Sie können nun zufrieden und mit Stolz die Kommandobrücke verlassen. Das Schiff ist auf Kurs und ich denke, es wird - auch auf Grund Ihrer hervorragenden Arbeit - weiterhin auf Kurs bleiben. Ich freue mich, heute im Namen der Landesregierung zu Ihnen sprechen zu dürfen; in einer Stunde, in der wir gemeinsam mit Ihnen einen Blick zurück werfen und die wichtigsten Stationen Ihres reichen politischen Lebens noch einmal betrachten wollen.
 
Sie, Herr Dr. Wais, waren einer der Vollblutpolitiker, die auf allen politischen Ebenen unseres Landes Verantwortung getragen haben, zeitlich hintereinander und zu einem großen Teil sogar nebeneinander: Zunächst in der Finanzverwaltung des Landes, als Landrat für einen Landkreis, als Präsident des Landkreistags für die Kreise des Landes sowie als Mitglied des Präsidiums bzw. Vizepräsident des Deutschen Landkreistages für die Landkreise im Bundesgebiet.
 
Ich weiß, dass man diese politische Vita, die politischen Erfolge eines Dr. Wais in einer Feierstunde nicht vollständig aufzählen und schon gar nicht angemessen würdigen kann. Ich muss mich heute darauf beschränken, nur die wichtigsten Stationen Ihres Wirkens nachzuzeichnen.
 
I. Der Landrat
 
Für das Amt des Landrats von Reutlingen brachten Sie bei Ihrem Amtsantritt am 1. August 1985 die besten Voraussetzungen mit: Eine exzellente juristische Ausbildung und reiche praktische Erfahrungen aus der Finanzverwaltung des Landes Baden-Württemberg. In Stuttgart geboren, sind Sie auf der Alb aufgewachsen und - mit Ausnahme Ihrer Studienzeit in Berlin -, im Lande sesshaft geblieben.
 
Im Spannungsfeld zwischen Land und Kommunen nimmt der Landrat eine zentrale Stellung ein. Er ist Mittler zwischen den staatlichen und kommunalen Belangen und damit ein Eckpfeiler der gesamten Verwaltung unseres Landes. Er ist nicht nur kommunaler Repräsentant, er ist auch der Vertreter des Staates auf der unteren Verwaltungsebene.
 
Der Landrat muss auf der einen Seite die Anliegen der Einwohner seines Landkreises mit der Autorität seines Amtes vertreten. Auf der anderen Seite muss er, auch wenn er nicht Landesbeamter, sondern kommunaler Wahlbeamter ist, doch in schwierigen Situationen auch die Interessen des Staates zur Geltung bringen. Dass dieses System bei uns in Baden-Württemberg ausgezeichnet funktioniert, ist zum einen seiner verfassungspolitischen Ausgewogenheit und der gewachsenen Tradition zu verdanken. Zum anderen ist es aber auch Landräten wie Dr. Edgar Wais zu verdanken, denen dieser Spagat gelingt und die diese Doppelrolle aus Überzeugung mit politischem Leben füllen.
 
In Ihrer Funktion als Landrat und als Vertreter der Landkreise waren Sie ein Diplomat auf dem landespolitischen Parkett; abgewogen in Ihren Aussagen und verbindlich in der Wortwahl. Damit war Ihnen die Aufgabe des Moderators zwischen Land und Landkreisen, aber auch zwischen den Gemeinden im Kreis wie auf den Leib geschneidert.
 
Der Landkreis Reutlingen hat sich unter Ihrer Regie in den vergangenen 20 Jahren mustergültig entwickelt. Wir brauchen nur einmal einen Blick auf die Einwohnerzahlen zu Beginn und am Ende Ihrer Amtszeit zu werfen, um zu sehen, wie attraktiv dieser Landkreis ist. So haben sich die Einwohnerzahlen von 1987 (Datum der Volkszählung) von 244.246 Einwohner auf 281.664 Einwohner, also um fast 40.000 Einwohner erhöht. Damit war es auch notwendig, in zentralen Bereichen die Infrastruktur der höheren Bevölkerungszahl anzupassen und weiter zu entwickeln. Dieser Aufgabe sind Sie als Landrat gerecht geworden. Sie haben sich in vielen Handlungsfeldern um den Landkreis Reutlingen verdient gemacht. Als Beispiele möchte ich nennen:
 
Ihrem Engagement für die drei Kreiskliniken ist es zu danken, dass sie nach den durchgeführten Erweiterungen und Sanierungsmaßnahmen, zahlreichen Verbesserungen im medizinischen Bereich und der Umwandlung in eine GmbH für den Wettbewerb gut gerüstet sind.
Besonders wichtig waren Ihnen die Beruflichen Schulen des Landkreises, weil sie von entscheidender Bedeutung für die Lebenschancen der jungen Menschen sind. Der Landkreis Reutlingen verfügt heute über ein vielfältiges Angebot für die berufliche Bildung für mehr als 9.000 Schülerinnen und Schüler.
 
Auch für die Verkehrsentwicklung haben Sie viel getan. Während Ihrer Amtszeit wurde der Verkehrsverbund „Neckar-Alb-Donau“ gegründet, die Ermstalbahn und die Schwäbische Albbahn wieder in Betrieb genommen. Das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs wurde ebenso verbessert wie das Netz der Kreisstrassen. Auch beim Schienenverkehr haben Sie alles unternommen, um die Distanz nach Stuttgart kürzer zu machen.
 
Die Wertschätzung, die Ihnen entgegengebracht wurde, zeigt sich auch darin, dass Sie 1993 und 2001 mit großer Mehrheit als Landrat wiedergewählt worden sind.
 
Zu Ihrer letzten Haushaltsrede vor dem Kreistag haben Sie die anstehenden Probleme sachlich nüchtern analysiert und dargestellt. Sie haben gut gewirtschaftet und einen gesetzmäßigen Haushalt vorgelegt. Sie haben darauf hingewiesen, dass trotz größter Sparbemühungen sich die Deckungslücke vergrößert. Das Aufkommen der Kreisumlage ist auf Grund rückläufiger Steuerkraft trotz Erhöhung des Umlagesatzes um 2,2 Prozentpunkte nicht höher als im Vorjahr. Sie haben zu Recht auf erhebliche Unwägbarkeiten und Risiken hingewiesen.
 
Die Finanzbeziehungen Land - Kommunen standen in den letzten Monaten in der politischen Diskussion, nachdem bekannt geworden war, dass das Land zur Milderung seiner Haushaltsprobleme einen Solidarbeitrag der Kommunen benötigt. Angesichts der schlechten Finanzsituation vieler Kommunen habe ich zwar Verständnis für die Kritik an der Landesregierung. Aber: Die Situation des Landes ist deutlich schlechter. So ist zum Beispiel der Schuldenstand wegen der strukturellen Besonderheiten beim Land fast drei Mal so hoch wie bei den Kommunen.
 
Anders auch als für das Land zeichnet sich für die Kommunen eine insgesamt günstigere Entwicklung bei den Steuereinnahmen ab. Die Steuereinnahmen der Kommunen sind in den ersten neun Monaten 2004 um 15 % gestiegen gegenüber einem Steuerplus beim Land von nur 1,4 %. Die Mai-Steuerschätzung hat für die Kommunen auch ab 2005 eine deutlich günstigere Steuerentwicklung prognostiziert als für das Land.
 
Die Bestrebungen der Bundesregierung im Zusammenhang mit einer Reform der Gemeindefinanzen sind gescheitert.
 
Die dringend notwendige Reform der Gewerbesteuer ist gänzlich unterblieben. Dies ist um so bedauerlicher, als die Gewerbesteuer eine der wesentlichen Einnahmequellen der Kommunen darstellt.
 
II. Der Präsident des Landkreistags
 
Herr Dr. Wais hat nicht nur als Landrat des Landkreises Reutlingen sondern für die Landkreise insgesamt vieles bewegt. Als Präsident des Landkreistages haben Sie sich insbesondere hinter die Idee der kommunalen Selbstverwaltung gestellt. Im Landkreistag Baden-Württemberg waren Sie von 1989 bis 1997 Vorsitzender des Kulturausschusses, von 1993 bis 1997 waren Sie Vorsitzender des Landrätesprengels im Regierungsbezirk Tübingen und seit 1989 Mitglied des Präsidiums des Landkreistages. Die Landkreisversammlung hat Sie am 22.09.1997 zum Präsidenten des Landkreistags Baden-Württemberg gewählt. Seit diesem Zeitpunkt gehörten Sie auch dem Präsidium des Deutschen Landkreistags an. Seit dem 30.09.1999 waren Sie zudem Vizepräsident des Deutschen Landkreistags.
 
Da Sie vom Landkreistag bereits verabschiedet wurden, möchte ich mich darauf beschränken, vor allem auf die herausragenden Verdienste hinzuweisen, die Sie sich in der Kulturarbeit erworben haben. Aus Anlass des 40jährigen Landesjubiläums hatten Sie eine Kunstausstellung als Vorsitzender des Kulturausschusses initiiert, in der das kulturelle Engagement der Landkreise sichtbar wurde und die in der Öffentlichkeit eine hervorragende Resonanz gefunden hat. Ihnen Herr Dr. Wais, war und ist es ein besonderes Anliegen, die kulturellen und künstlerischen Besonderheiten in und aus Baden-Württemberg deutlich zu machen. Sie haben in besonderem Maße die Kunst- und Kulturförderung unterstützt, nicht nur im Landkreis Reutlingen, sondern über den Landkreistag hinaus auch in allen Landkreisen in Baden-Württemberg.
 
Vor wenigen Tagen hat der Ministerpräsident Ihr Wirken als Präsident des Landkreistags ausführlich gewürdigt und Ihnen seinen Dank und den Dank des Landes ausgesprochen. Der Landkreistag hat Ihnen als Zeichen seiner Dankbarkeit eine sehr seltene Auszeichnung, die Landkreismedaille in Gold, verliehen. Ich möchte mich diesem Dank heute nochmals von Herzen anschließen.
 
III. Der vielseitig Engagierte im öffentlichen Leben
 
Neben Ihren politischen Aufgaben haben Sie immer Zeit und Kraft für weitere gesellschaftliche Tätigkeiten gefunden. So waren Sie Vorsitzender des Verwaltungsrats der Kreissparkasse Reutlingen und haben das Sparkassenwesen wesentlich mitgestaltet.
 
Weiterhin waren Sie Mitglied in verschiedenen Aufsichts- bzw. Verwaltungsräten:
 
-  im Verwaltungsrat der Gemeindeprüfungsanstalt,
-  im Verwaltungsrat des Arbeitsamts Reutlingen,
-  in der Verbandsversammlung des Landeswohlfahrtsverbands Württemberg Hohenzollern,
- im Aufsichtsrat der Neckarwerke,
-  im Verwaltungsrat der oberschwäbischen Elektrizitätswerke,
-  im  Kuratorium der Denkmalstiftung Baden-Württemberg,
-  im Aufsichtsrat der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH,
-  im Aufsichtsrat der Gebäudeversicherung Baden-Württemberg AG,
-  im Stiftungsrat der herbstlichen Musiktage Bad Urach,
-  im Verwaltungsrat des Landestheaters Württemberg Hohenzollern,
-  im Rundfunkrat sowie im Verwaltungsrat des SWR.
 
Eine Funktion, die mir von Amtswegen besonders nahe steht, ist die des Verwaltungsreformers Dr. Wais. Bereits im Jahr 1995 hatten Sie wesentlichen Anteil an der Eingliederung der Gesundheitsämter, der Veterinärämter und der Wasserwirtschaftsämter in die Landratsämter. Außerdem waren Sie ein entschiedener Verfechter der jüngsten Verwaltungsreform und haben diesen „Kraftakt“ der Landesregierung in vielfältiger Weise unterstützt.
 
Die Bündelung der Kräfte auf Kreisebene ist Chance, aber auch eine Verantwortung für die Kreise, die neu hinzugekommenen Aufgabenbereiche zu strukturieren und in das Vorhandene so zu integrieren, dass die Aufgaben künftig kostengünstiger wahrgenommen werden können. Die Umsetzung der Verwaltungsreform wird auch in Zukunft auf der politischen Agenda ganz oben stehen. Wir sind es unseren Bürgern, den Steuerzahlern, einfach schuldig, dass wir unsere Verwaltung zu einem modernen, leistungsfähigen und kostengünstigeren Dienstleistungsunternehmen weiter entwickeln. Auch ein Blick in unsere leeren öffentlichen Kassen reicht aus, um zu erkennen: Unsere Verwaltung muss schlanker, effizienter und kostengünstiger werden. Mit Landräten wie Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Wais, wird dies, da bin ich mir sicher, gelingen.
 
Sie haben - und da möchte ich Ihnen zustimmen - die Verwaltungsreform als Ihren wichtigsten Erfolg bezeichnet.
 
IV. Der Privatmann
 
Dr. Edgar Wais ist nicht nur Politiker, der im öffentlichen Leben steht. Er hat auch ein Privatleben. Das kam bisher sicher zu kurz, aber hier dürfte Besserung in Sicht sein.
 
Auch für Sie, Frau Wais. Als Gattin des Landrats waren Sie ins öffentliche Leben eingebunden. Das bedeutete für Sie sicherlich viel Positives und Interessantes, aber auch viel Verzicht in der Familie. Ich möchte Ihnen dafür ausdrücklich danken, dass Sie bereit waren, Ihren Mann mit uns, der Öffentlichkeit, der Politik, zu teilen.
 
Für Ihren weiteren Lebensweg wünsche ich Ihnen eine gute Gesundheit, Glück, Freude und Muße um möglichst vieles von dem nachholen zu können, was in der Vergangenheit zu kurz gekommen ist.
 
Amtseinführung von Herrn Thomas Reumann
 
Der scheidende Landrat hinterlässt ein wohlbestelltes Haus. Er hat Maßstäbe gesetzt. Jetzt richten sich die Erwartungen auf Sie, Herr Reumann, als Nachfolger.
 
Sie kennen den Landkreis bereits aus Ihrer Zeit als Erster Landesbeamter in den Jahren 1997 bis 2000. Besonders hervorzuheben sind hier Ihre Verdienste um den ÖPNV, wobei insbesondere die Wiederinbetriebnahme der Ermstalbahn sowie die Vorbereitung des Tarifverbundes zu nennen sind.
 
Erwähnen möchte ich jedoch auch Ihre Verdienste, die Sie im Zusammenhang mit der Integrierten Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst im Landkreis Reutlingen erbracht haben. Die integrierte Leitstelle von Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz war eine der ersten in Baden-Württemberg. Nach ihrer Neueinrichtung ist sie seit ca. einem Dreivierteljahr wieder in Betrieb. Zuständig ist die Leitstelle für rd. 282.000 Menschen im Landkreis Reutlingen, die die Leitstelle per Notruf erreichen.
 
Als ehemaliger Stellvertreter des Landrats und zuletzt Finanzbürgermeister der Stadt Reutlingen kennen Sie den Landkreis mit all seinen Besonderheiten und Problemen, vor allem aber auch das Spannungsverhältnis zwischen der finanziellen Situation der Landkreise und der Städte und Gemeinden, die den Kreishaushalt mittels Kreisumlage zum wesentlichen Teil finanzieren. Sie bringen damit das Rüstzeug mit, den Landkreis und die Kommunen durch diese schwierigen Zeiten zu navigieren.
 
Sie, sehr geehrter Herr Reumann, werden, dessen bin ich sicher, dieses Amt mit Wissen und Können fortführen. Sie sind durch Ihren persönlichen und beruflichen Werdegang bestens qualifiziert, dieses bedeutende Amt auf Ihre Weise mit Leben zu erfüllen und Ihre neue Aufgabe zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger auszuüben.
 
Für Ihre neue Tätigkeit wünsche ich Ihnen viel Glück und Erfolg. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen und wünsche dem Landkreis Reutlingen eine gute Zukunft in Frieden und Freiheit.

Bürgermeister Rudolf Heß für die Städte und Gemeinden


Sehr geehrter Herr Minister,
sehr geehrter Herr Staatsekretär,
verehrte Frau Abgeordnete,
meine Herren Abgeordneten,
Herr Landrat Dr. Wais mit Familie,
Herr Landrat Reumann mit Familie,
meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen,
meine Damen und Herren,


wenn die Bürgermeister anlässlich der Verabschiedung und der Amtseinsetzung eines Landrates Grund zum Singen haben, ist dieser Landkreis in Ordnung.

Ich danke meinen Kollegen für die musikalische Begrüßung.

"Alle Kreise mit idealen Bestrebungen sollen jederzeit herzlich in den Hallen willkommen sein!" – mit diesen Worten Louis Laiblins aus seinem Stifterbrief vom 22. Oktober 1907 darf ich Sie herzlich grüßen und willkommen heißen.

Ich habe mich, sehr geehrter Herr Landrat Dr. Wais, darüber gefreut, dass Sie gerade die Pfullinger Hallen als Ort Ihrer Verabschiedung gewünscht haben und Sie, Herr Reumann, damit den Auftakt Ihrer Landratstätigkeit mit Pfullingen und den Hallen in Verbindung bringen werden.

Die Pfullinger Hallen – ein Kulturdenkmal internationalen Ranges – geben dafür einen würdigen Rahmen ab. Louis Laiblin, der Geheime Hofrat und große Mäzen der Stadt, hat damals, 1907, vor bald 100 Jahren, diese Hallen "zur Pflege des Schönen und Edlen" gestiftet. Laiblin hat den bekannten Architekten Theodor Fischer mit diesem Bau beauftragt. Für die künstlerische Ausgestaltung der Innenräume konnte der bedeutende Kunstprofessor Adolf Hölzel gewonnen werden, dessen Schüler Hans Brühlmann, Louis Moillet, Melchior von Hugo und Ulrich Nitschke dann auch die einzelnen Werke gestaltet haben. Besonders darf ich dabei auf das Gemälde "Das Erwachen der Menschheit" von Louis Moillet hinweisen. Es ist aussagekräftig – auch heute noch! Wenn man vielleicht anderenorts noch darauf wartet – unser Landkreis ist hellwach! Noch etwas mehr beeindruckt mich aber das von Hans Brühlmann gestaltete Wandgemälde, mit dem Titel "Die Herabkunft der Freude".

Ich bin der Meinung, dass wir trotz der gegenwärtigen Probleme und Schwierigkeiten Freude an unserer kommunalen Arbeit haben sollten und uns dabei vor allem daran erinnern: es ist schon etwas Besonderes, vom Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger getragen, politische Verantwortung zu übernehmen und damit der Allgemeinheit zu dienen.

Wenn heute Herr Landrat Dr. Wais offiziell aus seinem Amt verabschiedet wird, dann geht eine überaus erfolgreiche Ära zu Ende, aber das Staffelholz der landkreispolitischen Verantwortung wird gleichzeitig an Thomas Reumann weitergegeben. Es hört also auf und es fängt gleichzeitig an, oder richtigerweise: Es geht weiter!

Bei seiner Antrittsrede vor 20 Jahren hat der neu gewählte Landrat damals unter anderem auch ausgeführt, dass er versuchen wolle, mehr zu halten als zu versprechen, also Mann der Tat zu sein. Und was für uns, die Städte und Gemeinden, besonders wichtig war, dass er eine stets gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit anstrebe.

Dieses tatkräftige, gute und vertrauensvolle Miteinander kann ich heute, 20 Jahre danach, in vollem Umfang bestätigen. Stets hatte unser "frisch gebackener Altlandrat" ein offenes Ohr, wenn es darum ging, Probleme aus den Kommunen aufzugreifen und dabei im Rahmen seiner Möglichkeiten auch zu helfen. Sie waren, Herr Landrat Dr. Wais, auch bereit, sich dann gegen die Meinung der Fachleute durchzusetzen, wenn entsprechende politische oder sachliche Notwendigkeiten gegeben waren.

Es kann an Projekten festgemacht werden, dass das landrätliche Machtwort Zukunftsorientiertes erst ermöglicht hat. Ohne einen starken Landrat hätten wir sonst eine schwache Entscheidung in der Sache bekommen.

Edgar Wais hat auch erkannt und danach gehandelt, dass alle wesentlichen Entscheidungen nicht nur am Schreibtisch getroffen werden, sondern dass der Landrat raus aus dem Landratsamt muss, um im Interesse der Kreise, im Interesse der kommunalen Seite Politik zu machen und damit Zukunft zu gestalten. Als Präsident des Landkreistages waren Sie in einer ganz wichtigen Phase der Landespolitik Partner des Ministerpräsidenten und haben durch geschicktes, zielgerichtetes Verhalten eine Reform wesentlich mitgetragen und mitgestaltet, die sonst - zumindest nicht so – zustande gekommen wäre.

Diese Verwaltungsreform ist politisch gelungen – der Landkreistag spricht sogar von einem "Glücksfall" für die Landkreise. Sie ist aber aus meiner Sicht längst noch nicht abgeschlossen. Sie muss sich in der Praxis bewähren und im Ergebnis stimmen! Diese Reform muss für die Städte und Gemeinden vor allem kostenneutral sein – die 20-%ige Effizienzrendite darf nicht über die Kreisumlage finanziert werden. Und sie muss, meine Damen und Herren, vor allem weitergehen! Die Möglichkeiten für die Städte und Gemeinden und die damit zusammenhängenden Zuständigkeiten müssen erweitert und optimal ausgeformt werden. Denn, was vor Ort auf den Rathäusern gemacht werden kann, das braucht nicht im Landratsamt erledigt werden. Und auch wir, die Städte und Gemeinden, könnten natürlich jederzeit eine Effizienzrendite bei der Übertragung von Aufgaben auf die Rathäuser abgeben und vor allem ein Mehr an Bürgernähe garantieren. Ich bin der Meinung, dass wir auch alles auf den Prüfstand stellen müssen und jetzt auch die Zeit dafür reif ist, kritisch zu hinterfragen: Was haben wir? Was brauchen wir? Und vor allem: Was können wir uns leisten? Diese Aufgabenkritik muss kommen. Edgar Wais, meine Damen und Herren, hat auch erkannt, und das möchte ich heute besonders unterstreichen: Wenn diese Reform nicht in dieser Art und Weise gekommen wäre, hätte sie im Ergebnis das Aus der Landkreise bedeutet! Denn man war ja schon vor Jahren auf dem Weg - fast unumkehrbar unterwegs, Regionalkreise ins Leben zu rufen.

In der Kreispolitik war Herr Dr. Wais stets ein fairer Partner den Städten und Gemeinden gegenüber. Dass wir uns fast jedes Jahr um die Höhe der Kreisumlage auseinandergesetzt haben, meine ich, gehört fast zum Ritual, zur Natur der Sache. Aber am Ende stand immer: Leben und leben lassen! Wer weiß, meine Damen und Herren, wenn nicht Wais unser Landrat gewesen wäre, was aus allem letztlich geworden wäre.

Sehr geehrter Herr Landrat Dr. Wais, im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen, und auch persönlich, darf ich Ihnen von Herzen alles Gute, Gesundheit, Freude und Gottes Segen für den nun vor Ihnen liegenden Lebensabschnitt wünschen. Ich möchte Ihnen dabei sagen, dass Sie stets herzlich in Ihren Städten und Gemeinden willkommen sind und der Altlandrat bei uns nicht zum "alten Eisen" zählt, sondern schon seinen Platz an der richtigen Stelle hat. Nicht nur im Rückblick, im Geschichtsbuch – Vieles wirkt in die Zukunft hinein.

Als Geschenk der Städte und Gemeinden darf ich Ihnen, Herr Dr. Wais, ein Kunstwerk aus dem Landkreis, aus unserer Stadt, in der heute Ihr offzieller Abschied stattfindet, übergeben. Der Künstler Tilman Geiselhart hat sein Werk als "Der Denker" tituliert, was auch auf Edgar Wais in seiner Funktion als Landrat übertragen werden kann. Er war in vielen Bereichen Denker und Lenker zugleich.

Mit dem Ammoniten aus einem Münsinger Stadtteil soll die Bodenständigkeit und auch die Liebe gerade auch zur Alblandschaft, die Sie immer ausgezeichnet hat, zum Ausdruck kommen.

Gutschein Klosterkirche:
Der Gutschein für die Konzertreihe in unserer Klosterkirche ist für Sie, liebe Frau Wais gedacht. Er gilt für zwei Personen! Sie können also Ihren Mann, der ja jetzt etwas mehr Zeit hat, mitnehmen!


Es stellt sich nun die Frage: Was macht ein Landrat im Ruhestand? Gespannt sind wir alle  – vor allem, diejenigen, die im Kreistag sitzen – auf das in der Presse angekündigte nächste Projekt, das unser Altlandrat angehen möchte, nämlich einen Kreistag aus Holz zu schnitzen! Schnell können so aus 70 markanten Köpfen …! Ein Schelm, der da zuviel hineininterpretiert oder in dieser Arbeit des Künstlers Wais gar eine späte "Rache" des Landrates an seinen Gremium vermutet!

Nochmals herzlichen Dank für das Geleistete und alles Gute für die vor Ihnen liegende Zeit!

Ihnen, sehr geehrter Herr Reumann, sage ich gerne namens der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, aber auch persönlich,  unsere vertrauensvolle Zusammenarbeit zu. Wir bringen uns ein und wir sehen den Landkreis als unsere gemeinsame Sache an – denn wir, die Städte und Gemeinden machen den Landkreis aus! Wir sind der Kreis!
Wir erwarten von unserem Landrat aber auch, dass er dann hinter seinen Kommunen steht, wenn es einmal schwieriger oder ein Interessenausgleich zwischen Land und Stadt, groß und klein, notwendig werden sollte. Ich gehe davon aus, Herr Reumann, dass sich bei Ihnen der nun in den letzten Jahren als Reutlinger Finanzbürgermeister erworbene kommunale "Stallgeruch" nicht verflüchtigt.


Als Kommunaler sind Sie in den Wahlkampf gegangen, als Kommunaler sind Sie vom Kreistag gewählt worden und als kommunaler Landrat werden Sie sicher Ihre Arbeit in gemeinsamer Verantwortung mit uns angehen. Angelehnt an Ihr Motto wollen wir miteinander schaffa, miteinander schwätza, um dann am Ende auch etwas gemeinsam geschaffen zu haben.

Ein musikalischer Strauß bunter Melodien soll Sie, Frau Reumann, und Ihren Mann erfreuen und dem Landrat gleichzeitig sagen, wo die Musik spielt – nämlich in den Städten und Gemeinden!

Ihnen, Herr Reumann, alles Gute für die bevorstehenden Aufgaben und ein herzliches Willkommen im Kreise der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister!

Grußwort von Landrat Dr. Jürgen Schütz, Präsident des Landkreistages Baden Württemberg


Sehr geehrter, lieber Herr Kollege Dr. Wais,
sehr geehrter Herr Innenminister,
sehr geehrter Herr Regierungspräsident,
meine verehrten Damen, meine Herren,


aus den Aussagen meiner geschätzten Herren Vorredner zur Tätigkeit eines Landrates in der heutigen Zeit lässt sich entnehmen, dass wirklich kaum etwas vielfältiger und fantastischer ist als die gemeinhin eigentlich für staubtrocken gehaltene Verwaltungsarbeit.

Wo wir uns auf lokaler und regionaler Ebene um gute soziale Bedingungen, um Bildungschancen für junge Menschen, um die Zukunft der Familie oder um Gesundheit kümmern, da zeigt es sich, wie sehr ein Landrat zuerst den Menschen verpflichtet ist. Das lässt sich nur noch steigern, wenn man es mit der gleichen Leidenschaft und ohne Scheuklappen auf überregionaler oder sogar Bundesebene tut – so, wie Sie, sehr geehrter Herr Kollege Dr. Wais, es als Präsident des baden-württembergischen Landkreistages und Vizepräsident des Deutschen Landkreistages getan haben.

Da ich den Kollegen Dr. Wais schon zu Ministerialratszeiten gekannt habe, ich erinnere mich noch gut an ein Seminar, das wir 1981 gemeinsam besuchten – es ging - damals schon! - um das Thema „Parlamentarismus in der Krise“ -, und ihm vor wenigen Tagen in der Funktion des Landkreistags-Präsidenten nachgefolgt bin, erlauben Sie mir einige Worte zu seiner Arbeit auf Landes- und Bundesebene.

Ich glaube, dass es für einen kommunalen Spitzenverband wichtig ist, gerade in Zeiten schwierigster Finanzen, für und in der Politik immer wieder Warnschilder aufzustellen und sich als Wegweiser an entscheidenden Stellen zu versuchen, um solide und ehrliche Konsolidierungsmöglichkeiten zu erreichen. Dabei wissen wir uns einig darin, dass kommunale und staatliche Aufgaben - mit der entsprechenden Finanzausstattung versehen - am effektivsten auf den unteren Verwaltungsebenen wahrgenommen werden können.

Sie, lieber Herr Dr. Wais, haben es hier in Baden-Württemberg bei der zum 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Verwaltungsreform in besonderer Weise verstanden, in vielen Gesprächen mit der Landesregierung, den Landtagsfraktionen und den Ministerien die Anliegen der Landkreise vorzutragen und weitgehendst durchzusetzen. Kein Termin war Ihnen dabei zuviel, und Sie sahen das nicht als Pflicht, sondern folgten damit dem Diktat Ihres Herzens. Deshalb will ich auch an dieser Stelle noch einmal ganz dick unterstreichen, wie großartig Sie sich für die Landkreise und das Land in dieser landespolitisch herausragenden Aufgabe eingebracht haben.

Doch das war, wenn auch ein ganz wichtiger zum Abschluss, nur ein Mosaikstein in der Arbeit für die Landkreise. Denn vor der Wahl zum Präsidenten des Landkreistags im Jahre 1997 war Dr. Wais Vorsitzender des Kulturausschusses, Mitglied im Kulturausschuss des Deutschen Landkreistags sowie Mitglied in drei weiteren Ausschüssen des Landkreistags Baden-Württemberg. Acht Jahre gehörte er auch dem Präsidium des Deutschen Landkreistages an und ist seit 1999 Vizepräsident dieses kommunalen Spitzenverbandes auf der Bundesebene. Für seine großen und bleibenden Verdienste hat ihm das Präsidium des baden-württembergischen Landkreistages anlässlich der 32. Landkreisversammlung in Bad Urach vor wenigen Tagen die Landkreismedaille in Gold verliehen. Er ist damit der erst fünfte Träger dieser höchsten Auszeichnung des Landkreistages, und wir drücken damit eine hohe Wertschätzung aus. Denn die von Dr. Edgar Wais für uns und den Deutschen Landkreistag geleistete Arbeit hatte diese Qualität, und zwar in allen seinen Funktionen.

Wie Sie vielleicht wissen, verbindet Dr. Wais und mich die gemeinsame Begeisterung für Kunst und Kultur. Deshalb habe mich nicht nur gefreut, wenn wir auch im Deutschen Landkreistag zusammen arbeiten konnten, sondern gerne die Idee unterstützt, die Kunstsammlungen der einzelnen Landkreise einer breiten, über die Kreisgrenzen hinaus gehenden Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ihm gebührt besonderer Dank dafür, dass Ausstellungen mit Kunstwerken aus den Sammlungen der Landkreise in den Jahren 1992, 1998/1999 und 2004/2005 an wechselnden Ausstellungsorten Wirklichkeit werden konnten. Die Kulturförderung ist ja ebenfalls ein wichtiges Element der Arbeit der Landkreise, und ein gemeinsames Bewusstsein schafft es obendrein.

Für die kommenden Jahre wünsche ich Ihnen, lieber Herr Dr. Wais, und Ihrer Familie, namens des Landkreistages und ganz persönlich von Herzen alles Gute. Es lässt sich im Leben zwar nichts nachholen, keine Muße, keine Freizeit, keine Freude, keine Arbeit, aber die Kunst zu leben besteht darin, das, was einem erwartet, mit Zuversicht anzunehmen.

Nachher wird der Herr Regierungspräsident, Ihren Nachfolger im Amt des Landrats, Herrn Thomas Reumann, verpflichten. Auch ihm an dieser Stelle viel Erfolg bei seiner Arbeit für den Landkreis Reutlingen. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit.


Frau Gerda Koppi, Personalratsvorsitzende


Wohlauf! noch getrunken den funkelnden Wein.
Ade nun ihr Lieben, geschieden muss sein.
Ade nun ihr Räume in der Bismarckstraß‘
kann ab sofort machen, was mir macht Spaß.


Sehr geehrter Herr Dr. Wais,

so ungefähr könnten wohl Ihre Abschiedsworte frei nach Justinus Kerner, er möge mir die kleine Veränderung seines Verses verzeihen, lauten.

Nur - Abschied nehmen ist so etwas Endgültiges. Ihr Abschied vom Landratsamt ist ein Abschied in den Ruhestand, ein Abschied lediglich von dienstlichen Verpflichtungen, aber es werden andere Verpflichtungen folgen, an die Sie sich wieder neu gewöhnen müssen. Ich bin mir sicher, es wird Ihnen auch in Zukunft nicht langweilig werden. Auch für Sie, sehr geehrte Frau Wais, wird ein völlig neuer Lebensabschnitt beginnen, Ihr Mann wird nämlich jetzt viel mehr Zeit zu Hause verbringen – und das ist, glauben Sie mir – zunächst sehr gewöhnungsbedürftig.

Sehr geehrter Herr Dr. Wais, jetzt wird aber für Sie auch die Zeit kommen, in der Sie sich Ihren Hobbys voll und ganz widmen können. Ich habe gehört und auch in der Zeitung gelesen, dass Sie sich unter anderem die Zeit nehmen werden, um auf unserer schönen Schwäbischen Alb zu wandern. In Vertretung und im Namen des Personalrats des Landratsamts Reutlingen möchte ich Ihnen nun unser Abschiedsgeschenk überreichen.

‘S Landratsamt bleibt en Reutlinge stehn,
a nuier Chef durch die Gäng‘ wird geh’n,
z’ruckschaue möchte i jetzt et ond au et heit‘
das hent ja scho gemacht vor mir die andere Leit‘.
die hent g‘würdigt Ihr Lebenswerk von d’r Geburt bis zur Rent‘,
doch Ihr Lebe isch, so hoff‘ i doch, jo no lang et am End‘.
Ihr Haus isch b‘stellt, Se kennet en Ruhestand geh’n
ond au getroscht ohne Sorge in die Zukunft seh’n.


Aber - oi Problem weret Se han, des Ihne bleibt,
was machet se no mit dere viele Zeit
die Sie no hent am Morge, am Mittag, am Obed, bei Nacht,
darüber han i mir doch ernschthaft Gedanke g’macht.


Des G’schenk isch et riesig, Sie kennet’s gut trage,
aber a bissle muss i doch d’rzu was erkläre ond sage:
D’rom bitt‘ i Sie jetzt, kommet Se zu mir auf’s Parkett,
lang daure wird’s eta, s’isch fascht älles perfekt,
aber a bissle assischtiere sollte Se mir g’schwend,
denn i han dafür oifach jetzt z’wenig Händ.


En des Tüchle kommt älles, was i do han, ois nach am andre,
koi Honger, koi Durscht soll Sie ploge beim Wand’re,
zerscht an Loib Brot, an kloine, an ronda,
sehr guat wird der bei der erschte Rascht sicher munde,
d’rzua, s’soll jo doch a bissle kräftigend sei,
kommt a Wurscht von d’r Schwäbische Alb mit do nei,
ond an Käs‘, er sieht aus wie an eckiger Stoi,
Radiesle d’rzua, au des schmeckt no fei.
Und domit’s et so trocke isch, beim Veschpre soll’s jo et staube,
no a Flasch‘ Silvaner d’rzu aus Metzinger Traube.


Ond - dass Se sich uf dr Schwäbische Alb et verlaufe,
han i au drodenkt, a Wanderkart‘ z‘kaufe.
Au - halt – no ebbes han i au no drzu g’legt für Sie,
a kleis Büchle mit bekannte Melodiee,
denn beim Laufe die Schritt ganget viel leichter vora,
wenn ma a Liedle d’rbei trällre ka.


An gold’ne Stock han i rausg’holt für Sie aus em Kaschte,
do druff kennet Sie sich, wenn Se müd send, ausruhe ond raschte.


So, Ihr Veschper hent mir jo en des Tüchle neibonde,
s’wird jetzt an de Stock nag’hengt, an de ronde.
Ond jetzt passet Se mol uf, Sie müsst sich a bissle bucke,
kommt älles nauf auf Ihr Schulter ond auf da Rucke.


So versorget könnet Se Ihr Steckapferd pflege,
die Vögel, die Blume, die Bäum‘, die schöne
bewundere en d’r Natur,
denn Sie hent jo jetzt Freizeit pur!


Sehr geehrter Herr Dr. Wais,

Sie können auf eine lange, sicher nicht immer leichte Dienstzeit zurückblicken. 20 Jahre waren Sie unser Chef und haben dem Landratsamt als Dienststellenleiter vorgestanden. Man kann sagen, es geht eine Ära zu Ende, die Ära Wais. Im Namen des Personalrats und hier stellvertretend auch im Namen aller Bediensteten des Landratsamts Reutlingen möchte ich Ihnen für den neuen Lebensabschnitt alles Gute wünschen, dass Sie ihn noch viele Jahre gemeinsam mit Ihrer Familie erleben und vor allen Dingen bei guter Gesundheit genießen können. 

Ansprache von Regierungspräsident Hubert Wicker


Herr Minister,
lieber Herr Landrat Dr. Wais, sehr geehrte Frau Wais,
Herr Landrat Reumann, sehr geehrte Frau Reumann,
meine sehr geehrten Damen und Herren,


heute auf den Tag genau vor einem Monat wurden ausführlich Ihre Verdienste als Präsident des Landkreistages in Bad Urach gewürdigt. Wollte man die Meriten, die Sie sich in zwei Dekaden an der Spitze des Landkreises Reutlingen erworben haben, hinreichend würdigen, würde das jeden Zeitrahmen sprengen.

Herr Innenminister Rech hat eben die wichtigsten Stationen Ihres Wirkens als Landrat, als Präsident des Landkreistages und in Ämtern des öffentlichen Lebens genannt. Anstelle einer eigenen Aufzählung möchte ich nur meine persönliche Einschätzung vorbringen: Verehrter Herr Dr. Wais, der Regierungsbezirk Tübingen verliert mit Ihnen einen seiner hellsten Köpfe in der öffentlichen Verwaltung. Mit denkerischer Schärfe und klugem Sachverstand haben Sie sich mit Ihren Argumenten nicht nur Gehör, sondern auch Achtung und Wertschätzung verschafft. Es war mir immer eine Freude, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.

Lassen Sie es mich auch noch einmal betonen: Neben dem Ministerpräsidenten haben Sie bei der großen Verwaltungsreform, die seit 1.1. diesen Jahres in Kraft ist, die größten Verdienste. Sie haben als Präsident des Landkreistages schon seit vielen Jahren eine Verwaltungsreform mit dem Ziel der Stärkung der Bündelungsfunktion sowohl der Landratsämter als auch der Regierungspräsidien gefordert. Diese ihre Forderung hat sich letztlich durchgesetzt. Auf Kreisebene kann man zusammengefasst sagen: Der Landkreis Reutlingen kann sich glücklich schätzen, Sie als Landrat gehabt zu haben.

Sie, sehr geehrter Herr Reumann, treten mit dem heutigen Tag in große Schuhe. Dabei kommen Ihnen die Erfahrungen, die Sie an unterschiedlichen Orten und auf unterschiedlichen Ebenen der Verwaltung in Baden-Württemberg gesammelt haben, zugute. Ihre Vita der letzten zwanzig Jahre gleicht einem Kaleidoskop an Tätigkeitsfeldern. Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen im Jahr 1985 arbeiteten Sie zunächst im Landratsamt Schwäbisch Hall, kamen aber schon nach wenigen Monaten 1986 an das Regierungspräsidium Tübingen. Mit Beginn des Jahres 1990 erfolgte eine Abordnung zum Sozialministerium nach Stuttgart. Dann haben Sie von Oktober 1991 bis Dezember 1992 die Führungsakademie des Landes besucht und wurden mit Beginn des Jahres 1993 Leiter der Bezirksstelle für Asyl in Reutlingen. Als ich vor 8 Jahren an das Regierungspräsidium Tübingen kam, wurden Sie mir als Regierungsdirektor - inzwischen mit der Leitung des Referates „Eingliederung, Ausländer- und Asylrecht“ betraut - und als herausragende fachliche und rhetorische Größe vorgestellt. Sie haben dann das Regierungspräsidium zum März 1997 verlassen, um eine Position als erster Landesbeamter und damit Stellvertreter des Landrats beim Landratsamt Reutlingen anzunehmen. Durch diese Tätigkeit waren Sie bestens für das Amt des ersten Bürgermeisters der Stadt Reutlingen geeignet, in das Sie im Juni 2000 gewählt wurden. Sie haben dieses Amt in jeder Beziehung hervorragend ausgefüllt. Am 31. Januar dieses Jahres wählte Sie der Kreistag zum Nachfolger von Landrat Dr. Edgar Wais. Meine Damen und Herren, Sie sehen, Herr Reumann ist kein Unbekannter in Reutlingen. Der Landkreis Reutlingen kauft keine Katze im Sack. Sehr geehrter Herr Reumann: Man hat Sie hier kennen und schätzen gelernt. Sie haben sich in Ihren bisherigen Aufgabenfeldern als zuverlässiger Fachmann erwiesen und bewährt. Auch wir kennen uns bestens und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen.

Als neuer Landrat von Reutlingen warten auf Sie große Herausforderungen. Sie treten Ihr Amt in einer nicht gerade einfachen Zeit an.

Es gab eine Zeit, da hörte man des öfteren den Satz: Tübingen hat den Geist, Reutlingen das Geld. Abgesehen davon, dass ich schon immer auch gescheiten Reutlingern begegnet bin und wir eben erst einen solchen verabschiedet haben, sind die Kommunalfinanzen hier wie dort so schwierig wie nie zuvor in den vergangenen Jahrzehnten. Die schwache Konjunktur und die hohe Arbeitslosigkeit, aber auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen haben eine schwere Schieflage der Kreishaushalte zur Folge. Zwar schien letztes Jahr in den ersten Quartalen eine Besserung in Sicht zu sein, doch unterm Strich wird die Finanzlage von Jahr zu Jahr prekärer. Innerhalb von nur drei Jahren ist die Steuerkraft des Landkreises Reutlingen von 923 Euro pro Einwohner im Jahr 2002 auf 796 Euro im laufenden Jahr gefallen (in 2004 immerhin noch 856 Euro). Um seine Aufgaben erfüllen zu können, muss sich der Landkreis das nötige Geld über die Kreisumlage von den kreisangehörigen Gemeinden holen. Jahr für Jahr musste der Hebesatz der Kreisumlage von 2002 mit 29 % auf aktuell 37,2 % erhöht werden (in 2004 noch 35 %). In der gleichen Zeit ist der Schuldenstand von 54,4 Millionen Euro auf rund 70 Millionen Euro angestiegen. Helfen können auf Dauer nur ein kräftiger Aufschwung und die schon längst überfällige Gemeindefinanzreform.

Als Landrat werden Sie, sehr geehrter Herr Reumann, Aufsichtsratsvorsitzender der Kreiskliniken Reutlingen GmbH sein. Das Kreisklinikum ist mit 2000 Mitarbeitern nach Bosch der zweitgrößte Arbeitgeber im Landkreis und zugleich der größte kommunale Arbeitgeber. Auch hier warten große Aufgaben auf Sie. Das 2. Fallpauschalen-Änderungsgesetz bringt seit dem 1. Januar 2005 eine weitere Verschiebung der Leistungen zugunsten der Großkliniken mit sich. Trotz steigender Kosten insbesondere im Personalbereich kann das Kreisklinikum durch das neue Abrechnungssystem nicht die erhofften Mehrerlöse erwirtschaften.

Ein wichtiges Projekt ist auch der große Bettenbau Süd, der über 500 Betten verfügt. Er ist in das Landeskrankenhausbauprogramm 2005/2006 aufgenommen worden und soll komplett saniert werden. Noch ist offen, in welcher Höhe Mittel vom Land für die Sanierung bereit gestellt werden. Ich wünsche Ihnen viel Geschick bei den Verhandlungen mit dem Sozialministerium und den Beratungen im Kreistag. Hier werden Sie die erste größere Probe bestehen und demonstrieren können, dass der Kreis Reutlingen eine gute Wahl mit Ihnen als Landrat getroffen hat.

Ein wesentliches Element für eine gute wirtschaftliche Entwicklung ist eine leistungsfähige Verkehrsanbindung. Günstige und schnelle Verkehrsverbindungen sind für den Erhalt und die Stärkung des Standorts unerlässlich.

Mit großem Erfolg haben Sie als 1. Landesbeamter und zuständiger Dezernent für den ÖPNV - unter der Ägide des verehrten Vorgängers Edgar Wais - einen gelungenen Nahverkehrsplan aufgestellt, den Städte und Regionen zusammenführenden Verkehrsverbund NALDO mit auf den Weg gebracht und mit der Reaktivierung der Ermstalbahn im August 1999 den Landkreis überregional zusammen mit der Ammertalbahn bis Herrenberg verkehrstechnisch angebunden.

Selbstverständlich werden wir auch weiter am Ausbau des ÖPNV arbeiten. Aber genauso müssen wir gemeinsam alles tun, um die Straßenanbindung zu verbessern. Wir haben hier erheblichen Nachholbedarf. Zwar ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten einiges geschehen, um die Verkehrsanbindung im Landkreis Reutlingen zu verbessern. Ich erinnere nur an Metzingen, wo wir jetzt in der glücklichen Lage sind, die B 28 weiter bauen zu können. Auch die Ortsumgehungen Pfullingen und Bremelau sowie der Ausbau der B 28 zwischen Reutlingen und Metzingen sind zu erwähnen. Aber es bleibt viel zu tun. Wir müssen gemeinsam auf einen baldigen Baubeginn des Scheibengipfeltunnels drängen. Ebenso brauchen wir eine Lösung für die Verbesserung des Albaufstiegs, um den Verkehrsfluss im starken Berufsverkehr und im hohen Ausflugsverkehr zu erleichtern.

Eine besonders anspruchsvolle Aufgabe und ein großes Zukunftsthema wird der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen sein. Wir wollen für dieses Gebiet - in enger Zusammenarbeit zwischen dem Regierungspräsidium, dem Landratsamt und den betroffenen Städten und Gemeinden - einen Status finden, der von der bisherigen Sperrwirkung wegführt und eine positive Wertschöpfung für die Raumschaft ermöglicht. Dieses Juwel darf der Öffentlichkeit nicht vorenthalten bleiben und muss deshalb - wenn auch in eingeschränkter Weise - zugänglich gemacht werden. Wenn das gelingt, schafft dies auch Kaufkraft und bietet eine wirtschaftlich interessante Perspektive. Wir werden durch den Ausbau der L 230 zwischen Münsingen und dem Autobahnanschluss die Anbindung an die Autobahn verbessern.

Diese Beispiele zeigen, es gibt viel zu tun. Ich darf Ihnen versichern, dass wir von Seiten des Regierungspräsidiums alles in unserer Macht stehende tun werden, um die kommenden Aufgaben im Landkreis Reutlingen zum Wohl unserer Bürgerinnen und Bürger zu erledigen.

Sehr geehrter Herr Reumann,

Sie bringen die besten Voraussetzungen mit, die Geschicke des Landkreises Reutlingen zu lenken und die künftigen Aufgaben in Angriff zu nehmen. Das Landratsamt verfügt über eine qualifizierte, leistungsfähige und motivierte Verwaltung, die Sie nach Kräften unterstützen wird. Auch ich darf Ihnen für meine Person und das Regierungspräsidium - aber auch für alle anderen Behörden - eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit versprechen. Für die Ausübung Ihres neuen Amtes wünsche ich Ihnen das richtige Augenmaß und eine glückliche Hand.

Ich darf Sie bitten, nach vorne zur Vereidigung zu kommen.
Ich spreche Ihnen, Herr Reumann, jetzt die Eidesformel vor und bitte Sie, diese Formel nachzusprechen. Heben Sie bitte die rechte Hand und sprechen Sie mir nach:


„Ich schwöre, dass ich mein Amt nach bestem Wissen und Können führen, das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, die Landesverfassung und das Recht achten und verteidigen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. (So wahr mir Gott helfe).“

Nun kommen wir zur Verpflichtung.

„Geloben Sie, Ihre Pflichten als Landrat gewissenhaft zu erfüllen, die Rechte des Landkreises zu wahren und sein Wohl, das seiner Einwohner und seiner Gemeinden nach Kräften zu fördern, so antworten Sie: Ja, ich gelobe es.“

Ich darf Sie bitten, dies mit einem Handschlag zu bekräftigen.

Rede von Landrat Dr. Edgar Wais

 
Meine Damen, meine Herren,
 
nach diesem Gesang des Bürgermeisterchors steht nun mein Schwanengesang hier auf der Tagesordnung, aber verehrte Kreisrätinnen und Kreisräte, Herr Minister, Herr Regierungspräsident, Herr Staatssekretär, verehrte Abgeordnete, meine Damen und Herren Bürgermeister, Oberbürgermeister, Oberbürgermeisterin, liebe Kollegen Landräte, lieber Nachfolger-Präsident Kollege Dr. Schütz, Prälat Maier, liebe Ehrengäste,
 
es wurde heute schon so viel Gutes, Schönes und auch Bedeutendes gesagt, gerapt und gesungen, dass ich mich schon fragen muss, ob überhaupt noch etwas zu sagen für mich übrig bleibt. Aber mein Name steht nun mal auf der heutigen Tagesordnung, wir haben ja eine Kreistagsitzung, Kollege Brucker hat eben darauf hingewiesen, und an die Tagesordnungen habe ich mich doch meistens gehalten, liebe Kreisrätinnen und Kreisräte, und deswegen möchte ich dies auch heute zum Abschluss tun. Abschied, das ist zunächst einmal ein Rückblick. Obgleich mir persönlich der Ausblick eigentlich immer viel lieber war. Und bei mir ist es heute ein Rückblick auf rund 20 Jahre Tätigkeit als Landrat, auf rund 45 Jahre öffentlicher Dienst, nach der etwas komplizierten Berechnung des Innenministeriums, aber auf die einfacher zu berechnenden 65 Lebensjahre, die ich bisher hinter mich gebracht habe.
 
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich etwas ernster beginnen: In diesen Tagen wird in vielfältiger Weise an die schlimme Zeit vor 60 und mehr Jahren erinnert. Und mein frühester bewahrter Eindruck, den ich habe aus meiner Kindheit, das war eher ein Alptraum, nämlich brennende Häuser in meiner Geburtsstadt Stuttgart, später bin ich dann noch als Kleinkind auf die Schwäbische Alb gekommen. Und mit meinem Jahrgang, auch das muss man sehen, scheiden nun so schrittweise die letzten aus dem aktiven Berufsleben aus, die noch eine eigene Erinnerung an den Wahnsinn des Zweiten Weltkriegs haben. "Leergebrannt ist die Stätte" kann man dazu rückblickend im Schillerjahr 2005 sagen. Es war ein Zitat aus der "Glocke". Die Nachkriegszeit, wenn ich dann weitermachen darf in Verbindung mit meinem nicht eben stromlinienförmigen Elternhaus, das mir aber sehr viele Anregungen mitgeben konnte, machten es für mich persönlich notwendig und zwingend, Schule und Studium zügig zu beenden. Nur so konnten die vom Innenministerium berechneten 45 Dienstjahre überhaupt zusammenkommen, indem man nämlich relativ früh fertig war mit der Ausbildung und mit dem Beruf beginnen konnte. Und diese Dienstzeit brachte mich bald in den Ministerialbereich, zuvor war ich allerdings zwei Jahre hauptamtlicher Lehrer im Rahmen der Ausbildung des gehobenen Dienstes, eine Tätigkeit, die ich auch nebenamtlich noch viele Jahre fortgesetzt habe. Ich muss sagen, das hat mir ehrlich gemeint mehr Freude bereitet als in Ämtern Bescheide zu schreiben beziehungsweise zu unterschreiben. Recht ansprechend war allerdings auch meine langjährige Funktion als Referatsleiter für staatliche Betriebe und Beteiligungen. Und hier kam ich dann auch in engeren Kontakt mit den Kommunen, z. B. im Verwaltungsrat der Bodensee-Wasserversorgung, und dieses Wasser fließt bis nach Reutlingen und bis nach Pfullingen und so kam es im Prinzip auch, dass ich vor 20 Jahren hierher kam. Und damit meine Damen und Herrn habe ich die ersten 45 Jahre meines Lebens schon abgehandelt.
 
Und die nächsten 20 Jahre als Landrat die kann ich eigentlich noch schneller abhandeln, denn verehrte Kreisrätinnen und Kreisräte, meine Herren Abgeordneten, meine Dame Abgeordnete, meine Herren Bürgermeister, Oberbürgermeister, Oberbürgermeisterin, verehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was in diesen 20 Jahren von uns gemeinsam zu Stande gebracht wurde - einer allein bewegt in unseren Tagen nicht mehr sehr viel, es war eine gemeinsame Arbeit - zu Stande gebracht wurde im Bereich der Schulen, des Verkehrs, der Krankenhäuser, der Umwelt, der Kultur der sozialen Leistungen, im Rahmen verschiedener wichtiger Förderprogramme und nicht zuletzt im Bereich der Reformen, das brauche ich nicht zu wiederholen, darüber wurde heute schon breit gesprochen und darüber wurde auch in den letzten Tagen und Wochen ausführlich berichtet und auch diskutiert.
 
Somit kann ich mich gleich dem Hauptteil einer ordentlichen Abschiedsrede zuwenden, nämlich dem Dank. Und ich habe allen Grund zu danken, denn vor 20 Jahren kam ich allein hierher in den Landkreis Reutlingen, ohne den inzwischen in der Politik und insbesondere auch in der Wirtschaft üblichen Tross, den ein neuer Chef mit sich bringt. Ich kam allein, ich kannte niemand, oder nur vom Sehen oder vom Hören sagen oder von kurzen Gesprächen in der Vorbereitungszeit für die Wahl, und umso wichtiger war es, dass ich sehr rasch Bekannte und Freunde gewonnen habe, das ist mir gelungen, die wirklich das gleiche Ziel verfolgt haben, nämlich das Beste des Landkreises Reutlingen und seiner Städte und Gemeinden und der Menschen die hier leben zu erreichen - Kollege Brucker, ich habe bewusst nicht von Bürgern gesprochen, das möchte ich bemerken, aber ich war versucht, es zu tun. Und dies war auch wichtig, denn wie gesagt ich kam ja ganz allein hierher, meine Frau und meine Familie haben mich begleitet, wobei mich besonders freut, dass heute meine zwei Töchter Verena und Theresa auch hier mit im Saal sind, die sitzen direkt hinter meiner Frau. Sie sind zur Welt gekommen, als ich bereit Landrat war, und Herr Innenminister, die haben mit dazu beigetragen, dass die Einwohnerzahl des Landkreises nach oben gegangen ist. Aber ich erinnere mich auch mal, wie die Verena, die eben im Abitur schwitzt, vor etlichen Jahren - da war sie fünf Jahre alt - mich mal begleitet hat zu einer Veranstaltung. Da ist ein Feuerwehrhaus eingeweiht worden auf der Schwäbischen Alb. Da hat sie unterwegs plötzlich zu mir gesagt: "Papa red nicht so lang, dann reden die anderen auch kürzer." Aber nun, da ich heute ja fast am Ende der Rednerliste stehe, hat dieser gute Ratschlag ja nicht mehr sehr viel Bedeutung.
 
Aber lassen Sie mich jetzt endlich mit dem Dank beginnen. Ich danke ganz herzlich und in erster Linie den verehrten Kreisrätinnen und Kreisräten, auch den ehemaligen, die ich heute doch in großer Zahl hier auch entdecken konnte. Für das stets sachliche, aber auch in menschlicher Hinsicht angenehme Zusammenwirken. Wir haben wirklich im Sinne einer Hegelschen Dialektik aus These und Antithese meist eine sinnvolle Synthese gefunden. Zwar hat sich der eine oder andere mal beklagt, dass vielleicht zu lange diskutiert worden ist, so zum Beispiel der unvergessene Kreisrat Dr. Noller, der seinen Überdruss an Worten, wie er sich wörtlich ausgedrückt hat, bereits im Jahr 1989 mit einem Zitat von Jesaja, er war selbst Theologe, untermauert hat. Dieses Jesaja-Zitat lautet: "Du hast mich müde gemacht mit der Menge deiner Pläne", aber werte Kreisrätinnen und Kreisräte, es waren ja unsere gemeinsamen Pläne. Gut, es war eine Menge, und im übrigen, Jesaja hat die Stadt Babel gemeint und nicht den Landkreis Reutlingen, auch darauf muss hingewiesen werden. Mit unseren Ergebnissen, verehrte Kreisrätinnen und Kreisräte, da können wir, meine ich insgesamt zufrieden sein. Mögen auch nicht absolut alle Blütenträume erfüllt worden sein, aber ich meine, doch die allermeisten. Und deswegen darf ich Ihnen nochmals ganz herzlich danken, dass wir doch am gleichen Strick in die gleiche Richtung über 20 Jahre gezogen haben.
 
Ich darf mich auch vielmals für die schönen Geschenke bedanken, die ich von Ihnen und den Bürgermeistern in unterschiedlichster Zusammensetzung heute bekommen habe. Dank für die Plastik von Zimmermann, die mir der Kollege Brucker ganz am Anfang überreicht hat. Sie passt ein bisschen zum Jugendstil, so gewisse Reminiszenzen an den Jugendstil sind bei Zimmermann immer mit drin. Ich habe den Eindruck, sie blinzelt mich mit dem goldenen Auge etwas an und sie ist frohgemut, und sie symbolisiert tatsächlich etwas den Kreistag. Er trägt den Kopf hoch, auch wenn die materielle Basis relativ dünn ist. Und lieber Herr Kollege Heß, Herr Bürgermeister, es ist kein Alteisen, diese Plastik, es ist Schmiedeisen, und da lege ich großen Wert drauf, und ich hoffe, dass ich auch in Zukunft entsprechend dem Schmiedeisen noch einige Zeit stabil dastehen kann. Auch für die Plastik von Geiselhart, die mir die Bürgermeister überreicht haben durch Herrn Bürgermeister Heß, darf ich mich vielmals bedanken. Auch diese Plastik, die ja Intelligenz symbolisieren soll, zwinkert mit einem Auge ähnlich wie die große schmiedeiserne Plastik von Zimmermann. Auch der Ammonit erinnert mich an meine Wanderungen als Kind schon auf der Schwäbischen Alb, wo ich Ammoniten gesucht habe. Aber den größten Ammonit, den habe ich heute Abend gefunden, hier in den Pfullinger Hallen, dafür ganz herzlichen Dank.
 
Dank darf ich auch den Abgeordneten und den Regierungsmitgliedern aus dem Landkreis Reutlingen in den vergangenen 20 Jahren sagen. Sie haben wichtige Drähte hergestellt - ich habe mir zwar immer eingebildet, auch einen zu haben, aber man kann gar nicht genug davon haben - wichtige Drähte hergestellt nach Stuttgart, Bonn beziehungsweise später Berlin. Und Sie waren für uns im Prinzip auch ein Strick in diese Richtung, an dem man sich von Fall zu Fall festhalten konnte. Herzlichen Dank Herr Staatssekretär, Herr Minister a. D. Schaufler, allen, die entscheidend hier mitgewirkt haben. Derselbe Dank gilt auch der Rechtsaufsicht, Herrn Regierungspräsident a. D. Dr. Gögler und Herrn Regierungspräsident Wicker. Es war nicht immer einfach, das ist vorher schon angeklungen, mit den Kommunalfinanzen und den Problemen, die sich gestellt haben, aber unsere Regierungspräsidenten waren immer verständnisvoll, sie haben uns im allgemeinen den Landkreis und mich besonders auch in schwierigeren Lagen, die gab es auch, nie im Stich gelassen. Dank auch den Bürgermeistern, Bürgermeisterinnen, Oberbürgermeistern, Oberbürgermeisterin und allen, die bei den Gemeinden mitgewirkt haben. Wir haben weitgehend gemeinsame Ziele verfolgt und es hat selten ernste Diskussionen zwischen dem Landkreis und den Gemeinden oder einer Gemeinde gegeben. Und wenn es solche gab, dann hat man immer eine gute einvernehmliche Lösung gefunden. Auch dafür ein herzliches Dankeschön. Aber ohne die qualifizierte Frau- und Mannschaft des Landratsamts, die ich in wesentlichen Teilen bereits von meinem Vorgänger, verehrten Landrat a. D. Gerhard Müller mitübernommen habe, da wäre vieles von dem was wir erreicht haben nicht möglich gewesen. Haben Sie alle, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter samt dem Personalrat ganz herzlichen Dank. Dem Personalrat noch einen besonderen Dank für dieses wirklich interessante und geistreiche Geschenk, das mir überreicht worden ist, auch wenn ich mit meinem Tipp, was es denn nun für ein Käse oder eine Wurst sei, das eine oder andere Mal daneben lag, aber es wird uns dennoch - mir und meiner Familie - munden.
 
Und meine Damen und Herrn, ich rede gerne von allen, denn wie gesagt alle im Landratsamt haben entscheidend mitwirken müssen. Gestatten Sie mir dennoch, dass ich einige wenige Namen nenne. Vom ersten Tag bis zum letzten war mir Herr Leitender Kreisverwaltungsdirektor Gerhard Walker eine wirklich unverzichtbare Stütze, besonders in den letzten Jahren bei der Neuorganisation im Krankenhausbereich und bei der internen Umsetzung der Verwaltungsreform. Damit, meine Damen und Herren, so komplexe und schwierigere Reformen klappen können, da muss man sich nicht nur aufeinander verlassen, sondern da muss man sich auch verstehen können. Lieber Herr Walker herzlichen Dank. Ich danke meinen drei ersten Landesbeamten Herrn Eiberger, Herrn Reumann und Herrn Stede. Sie haben mir in vielfacher Weise den Rücken freigehalten und geholfen, vor Ort umzusetzen, was in Stuttgart, Bonn oder Berlin zunächst durchgesetzt werden musste. Es nützt wenig, Erfolge zu haben, wenn man diese Erfolge nicht nützt. Wie heißt es schon im lateinischen: "Vinceret vis victoria uti nescit." Wir haben beides, wir haben's errungen und auch umgesetzt, das ist das Wichtigste daran. Ich hatte, das muss ich ganz offen sagen, ich hatte Glück mit meinen leitenden Damen und Herrn. Keiner von ihnen handelte nach der bequemen Devise: "Ich habe hier bloß ein Amt und keine Meinung", und ich hielt mich an die Erkenntnis "all zu straff gespannt zerspringt der Bogen." Sie werden's gemerkt haben, zwei Schiller-Zitate im Schillerjahr, die kann man ja insbesondere hier in Pfullingen bringen, Herr Bürgermeister, Herr Abgeordneter Beck, nachdem wir hier das Schillergymnasium haben. Das erste Zitat ist aus dem Wallenstein, das zweite aus dem Wilhelm Tell.
 
Meine Damen und Herrn, alle Dezernenten und Amtsleiter waren und sind Persönlichkeiten, an die ich mich sicher noch lange gerne erinnern werde und gerade der Rap, der heute vorgetragen wurde, hat nochmal gezeigt, dass sie deutlich mehr sind als gute Verwaltungsbeamte - das ist absolut Grundvoraussetzung - sondern dass es auch Menschen sind mit Humor. So kann man gut miteinander zusammenarbeiten. Ich werde mich deswegen gerne an die Namen von Herrn Melchinger, von Herrn Pilz, von Frau Ankele und von Frau Bürgermeisterin Mayer-Dölle erinnern, um nur noch wenige Namen zu nennen. Ich danke aber auch den neuen Kolleginnen und Kollegen, die zum 1. Januar 2005 zu uns gekommen sind im Zuge der Verwaltungsreform. Sie haben von vorneherein engagiert mitgewirkt, sonst hätte diese Reform wirklich nicht so reibungslos klappen können, wie sie bisher geklappt hat und wovon ich überzeugt bin, dass sie dies auch in Zukunft tun wird. Damit bin ich aber schon beim Landkreistag, bei unserem Hauptgeschäftsführer Eberhard Trumpp, der heute, dafür bin ich sehr dankbar, mit doch den gesamten Referentinnen und Referenten des Landkreistags zu uns gekommen ist. Lieber Eberhard Trumpp, Pfullingen ist ja deine Geburtsstadt, und deswegen ist es sicher auch gut, dass der Landkreistag so breit vertreten ist, aber der Landkreistag war ganz entscheidend dafür, dass wir in wichtigen Fragen der Verwaltungsreform eben doch zu guten Ergebnissen gekommen sind. Der Landkreistag ist einerseits unsere Speerspitze, die Speerspitze der 35 Landkreise in Stuttgart, aber über den Deutschen Landkreistag bis hin nach Berlin. Aber er ist eben auch mehr, er ist zugleich auch Partner, und das ist wichtig zu sehen, für die Landesregierung und auch für die Bundesregierung und für die Abgeordneten.
 
Ich danke auch den Kollegen, die heute, und das freut mich ganz besonders, doch in stattlicher Zahl hierher gekommen sind, für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den Gremien unseres Landkreistags und auch des Deutschen Landkreistags. Hier konnten wir die wichtigen Weichen stellen, auf denen dann der Zug des Landkreises in die richtige Richtung rollen konnte. Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit danke ich insbesondere den Kollegen aus den Nachbarkreisen, dem Kollegen Fischer, dem Kollegen a. D. Kroymann, Kollege Walter und Kollege Gärte in erster Linie, mit denen wir zusammen den ÖPNV, den naldo auf den Weg gebracht haben. Es war ein gutes und vertrauensvolles Zusammenwirken. Und lieber Albrecht Kroymann, die alten Abfallgeschichten, die lassen wir heute auf sich beruhen. Ein besonders herzlicher Dank doch an dieser Stelle auch an den Kollegen Hans Volle, der noch im Ruhestand kraft seiner Überzeugungskraft und auch seiner guten Kontakte ganz entscheidend mitgewirkt hat, dass die Verwaltungsreform zu einem Erfolg geworden ist. Ich danke den Vertretern der Wirtschaft und des Handwerks und der Landwirtschaft sowie den Kammern und berufsständischen Organisationen. Ohne wirtschaftlichen Erfolg, meine Damen und Herrn, kann eine wirklich erfolgreiche Kommunalpolitik kaum betrieben werden. Damit bin ich aber auch schon beim engeren Kreis der großen Unternehmen, mit denen der Landkreis in besonderer Weise verbunden ist. Und da ist in erster Linie unsere Kreissparkasse zu nennen. Ich danke dem Vorstand und seinen Vorsitzenden Herrn Dr. Jasper und Herrn Schäufele. Sie haben mir meine Aufgabe als Verwaltungsratsvorsitzender dieses Instituts von vornherein leicht gemacht. Und unsere Kreissparkasse hat sich aber nicht nur auf den wirklich im Vordergrund stehenden sehr wichtigen wirtschaftlichen Bereich beschränkt, sondern sie hat darüber hinaus viel im sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben geleistet und insbesondere auch unsere Kreiskliniken nachhaltig unterstützt, dafür ein herzliches Dankeschön von mir persönlich.
 
Ja, und damit bin ich schon bei unserer Kreiskliniken GmbH. Auch dort bereitete eine Reform nach der anderen sowie die größten Investitionen, die wir in dieser Zeit getätigt haben, sowohl dem Kreistag als auch mir als Landrat und der Verwaltung manches Kopfzerbrechen. Aber wir haben die Aufgaben weitgehend gelöst. Und Ihnen, Herr Geschäftsführer Bredel, den Damen und Herren Chefärzten, Pflegedirektoren und allen leitenden Kräften, aber allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - über 2.000 an der Zahl bei den Kreiskliniken - ein ganz herzliches Dankeschön für ihre großartige Leistung, und insbesondere dafür, dass sie das medizinische Angebot weiterentwickelt haben. Wir wollten als Kreis ja nicht nur in Kubikmeter Beton investieren, sondern dies mit Leben erfüllen. Und dies ist gelungen, das zeigt insbesondere der Neubau in Münsingen, der trotz aller Unkenrufe deutlich besser läuft, hervorragend läuft, als man dies ursprünglich angenommen hat. Ihnen allen beim Krankenhauskonzern des Landkreises Reutlingen mein herzliches Dankeschön.
 
Vielen Dank auch den zahlreichen ehrenamtlich Tätigen im Landkreis Reutlingen bei der Feuerwehr, dem THW, dem DRK und dem DLRG und den ehrenamtlich Tätigen in den Vereinen und gemeinnützigen Organisationen. Sie alle tragen zu einem menschlichen Leben und einem sicheren Leben auch auf kommunaler Ebene entscheidend bei. Dass ich meinen Abschied hier in den kulturhistorisch bedeutenden Pfullinger Hallen gewünscht habe, soll meine Verbundenheit mit den Künstlern und der Kultur und den Kulturschaffenden zum Ausdruck bringen. Und dies ist wichtig in einer Zeit, wo es wirtschaftlich nicht so leicht geht, auch in solchen Zeiten darf man die Kultur im allgemeinen und die Künstler im besonderen nicht vergessen. Abschließend darf ich allen danken, die entscheidend mit zum Gelingen der Arbeit des Landkreises beigetragen haben und darin insbesondere auch die Kirchen mit ihrem sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Engagement, das gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, miteinbeziehen.
 
Ich danke allen denen, die heute mitgewirkt haben, besonders dem Bürgermeisterchor, der auch zeigt, dass die kulturpolitischen Facetten hier bei uns im Landkreis doch außerordentlich breite sind. Sie beschränken sich nicht nur auf die wirklich klassische Kunst, sie reichen bis weit hinein in das Brauchtum, und schließlich und endlich kann man auch die Fasnet, die heute auch schon angesprochen ist und die meiner Frau mir immer besonders Freude gemacht hat, hier miteinbeziehen. An dieser Stelle allen, auch denen, die ich jetzt nicht erwähnt habe - ich muss auch ein bisschen auf die Uhr schauen und dran denken, was meine Tochter Verena mir mit auf den Weg gegeben hat - ich danke allen für das vertrauensvolle Zusammenwirken, dafür, dass wir 20 Jahre in guter Kameradschaft, ja ich möchte schon sagen Freundschaft hier zusammenwirken konnten. Und an dieser Stelle erfolgt dann immer der Dank auch an die Frau und meine Familie. Aber das habe ich zur Abkürzung meiner Rede bereits zu Hause besorgt, weil sonst würde es heute Abend - weil da ist wirklich großer Dank am Platze - etwas zu lang dauern.
 
Abschließend, da möchte ich aber doch ganz herzlich unserem Pressesprecher Herrn Herbert Binsch danken. Er war immer ein ganz hervorragender Herold von mir und ein hervorragender Herold der Kreispolitik, und selbst bei Ölunfällen, die bei uns ja nie aufhören, war man sofort beruhigt, wenn man ihn gehört hat. Aber herzlichen Dank auch meinen Sekretärinnen Frau Frick und insbesondere Frau Wilhelm. Es ist schon bemerkenswert und bewundernswert, wie die Damen, insbesondere Frau Wilhelm, meinen immer größeren und umfangreicheren und zum Schluss kaum noch entwirrbaren Terminkalender und meinen Schreibtisch in Ordnung gehalten haben. Dank auch meinem Fahrer Herrn Herbert Hotz, er verdient Anerkennung, hat mich einige 100.000 Kilometer unfallfrei gefahren. Sie sehen, ich lebe noch, ich bin unversehrt und habe in 20 Jahren Landratstätigkeit mich an keinem einzigen Tag krank melden müssen. Und wenn es so weitergeht, dies ist mir ja vorher schon signalisiert worden, dann kann ich mich ja noch etliche Jahre meinem neuen Job, nämlich den eines Gärtners und eines Hausmeisters, der mir im übrigen außerordentlich viel Freude bereitet, widmen. Aber meine Damen und Herren, sind sie getrost, etwas Ehrenamt wird doch auch noch dabei sein. Und ich hätte vorher fast versucht sein können, zu dem, was Kollege Brucker und der Herr Innenminister gesagt haben, auch mein Nachfolger auf der Ebene des Landkreistags Dr. Schütz, in kommunalpolitischer Hinsicht etwas zu sagen, aber es fällt mir heute außerordentlich leicht, dazu zu schweigen. Das ist jetzt Aufgabe der nachfolgenden Generation und diese Last - das war manchmal schon eine Zentnerlast - die habe ich ganz gerne, muss ich sagen, abgegeben. Dir lieber Jürgen Schütz und Ihnen Herr Reumann.
 
Es waren, ich darf nochmals sagen, es waren wunderschöne Jahre, es waren erfüllte Jahre, es waren Jahre, an die ich lange gerne zurückdenken werde, aber insbesondere an die Menschen, mit denen ich's zu tun gehabt habe. Denen werde ich stets eine gute und angenehme Erinnerung bewahren und insbesondere hoffe ich, dass ich diesen Menschen, dass ich ihnen hier im Landkreis Reutlingen - und da werden wir bleiben - immer wieder einmal begegne, sei es beim Wandern auf der Schwäbischen Alb oder sei es da oder dort bei der einen oder anderen Veranstaltung. Wobei ich mich dabei allerdings zunächst einmal deutlich zurücknehmen werde.
 
Ihnen lieber Herr Reumann zunächst mal ganz herzlichen Glückwunsch nochmal an dieser Stelle zu Ihrer überzeugenden Wahl und zu Ihrer heutigen Verpflichtung. Ich wünsche Ihnen Glück, Erfolg und Freude bei der Arbeit. Den nötigen Elan, das wissen wir, das weiß ich, Sie waren ja drei Jahre mein erster Landesbeamter, das weiß man im Landratsamt, den bringen Sie mit. Und anders als ich vor 20 Jahren bringen Sie auch das überaus Nützliche, was Ortskenntnisse und insbesondere Personenkenntnisse anbelangt, mit. Auch dies kann die Arbeit wesentlich erleichtern. Langweilig werden wird es Ihnen hier ganz sicher nicht, denn ein paar Kastanien sind für den Landkreis immer noch aus dem Feuer zu holen, Sie müssen nur aufpassen, dass man dabei die Finger nicht allzu sehr verbrennt. Auch sowas kann passieren, aber Sie als ein alter kommunalpolitischer Fuchs werden dies zu vermeiden wissen.
 
Im übrigen, meine Damen und Herrn, die Arbeit, die kommunale Arbeit wird nie zu Ende gehen. Auch dann, wenn man vieles gut gelöst hat, dann stehen die neuen Aufgaben schon vor der Türe, oder die bereits begonnenen Aufgaben Bettenhaus Süd beim Krankenhaus, Truppenübungsplatz stehen an, dass sie weiter gelöst werden. Im übrigen, der Herr Regierungspräsident hat vorher von großen Schuhen gesprochen. Da hat er offenkundig meine gemeint, und ich habe in der Zwischenzeit festgestellt - meine Frau hat mich darauf hingewiesen - lieber Herr Reumann, Sie haben größere Schuhe als ich. Also wird es Ihnen gar keine Schwierigkeiten bereiten, die Fußspuren, die ich gelegt habe, selbstverständlich in Ihrem Stile fortzusetzen.
 
Unserem Landkreis, dem schönen Kreis Reutlingen, seinen Gemeinden und Städten, seiner Wirtschaft und seiner Kultur, aber vor allem den Menschen in diesem Landkreis wünsche ich von Herzen auch weiterhin Gottes Segen und ein Blühen und Gedeihen. Und der Lateiner sagt "Vivat, crescat, floreat". Ich danke Ihnen.

Ansprache von Herrn Landrat Thomas Reumann


Sehr geehrter Herr Brucker,
verehrter Herr Minister,
sehr geehrter Herr Staatssekretär,
meine Damen und Herren Abgeordneten, Herr Regierungspräsident,
Herr Präsident Dr. Schütz, liebe Kollegen,
meine Damen und Herren Bürgermeister,
Frau Koppi, Herr Heß, meine Damen und Herren Kreisräte,
meine Herren Dekane,
vor allen Dingen aber lieber Herr Dr. Wais, sehr verehrte Frau Wais,
verehrte Festgesellschaft,


ich danke ganz herzlich für die freundlichen Worte und Ihre guten Wünsche. Darüber freue ich mich. Sie sind mir Ansporn und Ermutigung für mein Amt. Ihnen, sehr verehrter Herr Landrat Dr. Wais, möchte ich besonderen Dank sagen. Ihre Amtszeit – wir haben es gehört – waren bewegte Jahre. Und Sie gestatten mir, dass ich als Ihr ehemaliger Erster Landesbeamter und als Ihr Nachfolger im Amte meinen hohen Respekt vor Ihrer Lebensleistung zum Ausdruck bringe. Eine Lebensleistung, die durch die Verleihung der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg öffentlich gewürdigt wird. Zu dieser herausragenden Ehrung gratuliere ich Ihnen von ganzem Herzen. Sie waren im besten Sinne „der Landrat“, ein Landrat, dessen Wirken weit über die eigenen Landkreisgrenzen hinaus gereicht hat. So bleiben Sie uns und so bleiben Sie mir ein Vorbild.

Meine Damen und Herren, wir alle sind heute mit einer Wirklichkeit konfrontiert, wie es sie vor 10 oder 20 Jahren nicht gegeben hat. Eine Wirklichkeit, mit der wir hadern. Umso mehr ist es angebracht, auch am heutigen Tag darüber nachzudenken, was das für Zeiten gewesen sind, in denen die Generation vor uns unser Land nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufbauen musste. Damals hat es überhaupt keinen Sinn gemacht, sich zu versammeln und Forderungen gegen den Staat und die öffentliche Hand zu erheben. Es gab die Länder nicht, es gab den Bund nicht, und die Kommunen, bei denen man hätte Forderungen anbringen können, waren zerstört. Man konnte sich nur auf Eigeninitiative, auf die eigene Kraft und den eigenen Einsatz verlassen. Und wenn ich meine Mutter, über deren Anwesenheit ich mich heute Abend sehr freue, von ihren ganz persönlichen Erlebnissen erzählen höre, lohnt es sich sehr wohl, sich dies vor Augen zu halten. Wir sind doch der Meinung, wir würden in so schlechten Zeiten leben, wie es sie überhaupt noch nicht gegeben hat, und wir hätten nur Grund zur Klage.

Ich selbst bin Teil der Nachkriegsgeneration, die die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland als Erfolgsgeschichte erlebt hat. Die Aussöhnung mit unseren europäischen Nachbarn und die Integration in Europa, das Wirtschaftswunder und ein ständiges Wirtschaftswachstum bis hin zur Wiedervereinigung! Ich erinnere mich sehr gut daran, wie mein Vater Anfang der 60er Jahre als Personalleiter eines mittelständischen Familienunternehmens der Region nach Italien und in die Türkei gereist ist, um dort Arbeitskräfte anzuwerben.

All dies sind gute Gründe, auch unserer Generation und uns selbst etwas zuzutrauen und etwas zuzumuten. Wir haben die Verantwortung, und es liegt in unserer Hand, die schöpferischen Kräfte der Menschen zu wecken und zur Entfaltung kommen zu lassen. Wir brauchen Ideen, die verwirklicht werden. Jeder Einzelne hat Ideen. Sie und ich. Aber kämpfen wir genug darum? Kämpfen wir um ihre Verwirklichung? Was wir brauchen, ist Konsequenz und Stetigkeit. Wir brauchen den Mut zu Initiativen. Wir brauchen den Mut, auch ungewöhnliche Alternativen zuzulassen und zu denken und diese umfassend und vollständig abzuwägen. Und wir brauchen nach meiner festen Überzeugung mehr politischen Spielraum für die Verwirklichung von Ideen auf kommunaler Ebene.

Wir brauchen aber vor allem die Fähigkeit zu konstruktiven Kompromissen. Wir hören es jeden Tag und wir alle bekräftigen es aus tiefer innerer Überzeugung, dass wir Reformen brauchen. Viele Menschen können das Wort „Reform“ aber schon nicht mehr hören, denn Ideen und Visionen müssen zu Taten werden. Und deshalb, lieber Herr Dr. Wais, ist die von Herrn Ministerpräsident Teufel und Ihnen maßgeblich mit vorangetriebene Verwaltungsreform des Landes Baden-Württemberg für mich von so entscheidender Bedeutung. Sie haben nicht nur den Mut zu Visionen gehabt, Sie haben auch die Kraft und die Bereitschaft gehabt, sie gegen Widerstand umzusetzen und zu verwirklichen. Diese Verwaltungsreform hat nicht das Schicksal so vieler Reformansätze – ich denke etwa an die Ergebnisse der Bulling-Kommission im Jahr 1976 – erfahren, die zerredet worden und in Schubladen verschwunden sind.

Nun, meine Damen und Herren, es ist heute weder Zeit noch Ort, die von uns in den kommenden Jahren im Landkreis Reutlingen zu diskutierenden und zu beantwortenden Fragen im Einzelnen und detailliert auszuführen. Wobei ich Ihnen, lieber Herr Dr. Wais, fast dankbar bin, dass Sie mir bei Ihrem Engagement noch etwas übrig gelassen haben!

Nun, mich bewegt eine Frage, die für den Landkreis Reutlingen von entscheidender Bedeutung sein wird. Und ich möchte diese Frage als These formulieren:

Wir brauchen auch im sozialen Bereich noch mehr Ideen und die Kraft, diese umzusetzen.

Was heißt das? Wir können mit Innovation und Wissensvorsprung einen Weg finden, auch in der globalisierten Welt Arbeitsplätze bei uns vor Ort zu sichern. Und es gibt ja im Landkreis Reutlingen unternehmerische Erfolgsgeschichten im traditionellen Produktionsbereich, etwa im Maschinenbau, im Bio- und Medizintechnologiebereich, im Hochtechnologiebereich und auch und gerade im Handwerk. Aber das Verständnis von Arbeit wird ein anderes werden: Neue wissensgestärkte Berufe werden wenig qualifizierte Jobs weiter verdrängen und es wird mehr Dienstleistungen als industrielle Arbeit geben. Aber nicht jeder kann jedem die Haare schneiden und jeder jedem eine Pizza backen: Wir brauchen also auch weiterhin im Produktionsbereich Arbeitsplätze.

Aber der Kernpunkt ist, meine Damen und Herren, dass eine weitere Verschuldung weder auf kommunaler Ebene noch auf Landes- oder Bundesebene akzeptabel ist und dies auch nicht sein darf, weil die hohen Schulden schon jetzt die Zukunft unserer Kinder belasten. Keine Frage: Der Sozialstaat ist für mich eine Errungenschaft, auf die wir stolz sein können und um die es sich zu kämpfen lohnt. Aber der Sozialstaat, wie er sich heute darstellt, kann nicht mehr alles leisten, was wir von ihm erwarten. Wir haben es nicht geschafft, den Sozialstaat rechtzeitig auf die Bedingung einer alternden Gesellschaft und einer veränderten Arbeitswelt einzustellen. Wir müssen deshalb unsere Sozialpolitik auch auf örtlicher Ebene nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit gestalten und bei allen Entscheidungen immer auch die Auswirkung auf die zukünftigen Generationen berücksichtigen.

Damit müssen auch im Landkreis alle Besitzstände auf den Prüfstand. Wir alle müssen uns bewegen. Wer nur etwas vom anderen fordert – je nach Standort von den Arbeitgebern, von den Gewerkschaften, dem Staat, der Gemeinde, dem Landkreis – der bewegt gar nichts. Wir brauchen eine neue Balance von Eigenverantwortung und einer staatlichen Fürsorge. Dies ist nicht abstrakt, hier vor Ort wird es ganz konkret, denn dies betrifft unsere Arbeit im Landkreis Reutlingen angesichts der hohen Sozialausgaben im Sozial- und vor allem im Jugendhilfebereich in besonderem Maße. Wir brauchen deshalb ein gemeinsames Verständnis von Solidarität, Solidarität im Vertrauen auf das verantwortliche Handeln jedes Einzelnen für sich selbst und die Gemeinschaft. Solidarität verstanden als Hilfe für den Erwachsenen, den Jugendlichen, das Kind, dem die Kraft fehlt, sich selbst zu helfen und für sich selbst einzustehen. Solidarität verstanden aber auch als Rücksicht auf die kommenden Generationen. Dazu werden wir die Kraft brauchen, alte Denkmuster zu überwinden und uns vor Augen zu halten, dass Demokraten mehr Gemeinsames haben als Trennendes. Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft – jeder muss Verantwortung für das Wohl des Landkreises übernehmen; jeder kann und muss sich einbringen und einbinden lassen.

Lassen Sie mich einen letzten Gedanken formulieren:
Natürlich fallen Menschen mit Mut, Ideen und Verantwortungsbewusstsein nicht vom Himmel. Sie werden geprägt: in der Familie, der Schule, in ihrem Wohnviertel. Deshalb sind Bildung und Erziehung tatsächlich der Schlüssel. Bildung und Erziehung, das bedeutet, Kreativität zu fördern, Ideen zu wecken und Werte zu vermitteln. Das gelingt aber nur denen, die Vorbilder schaffen und Ideale auch selbst vorleben. Vielleicht ist die Zeit endlich reif für ein Wiederentdecken der Familie und der Vereine. Mit Sicherheit ist es wert, diese Entwicklung zu stärken und intensiv zu fördern.


Meine Damen und Herren,
ich räume ein: Auch ich habe auf die vielen offenen Fragen nicht bereits fix und fertige Antworten. Wichtig ist, dass wir gemeinsam nach Lösungen suchen.


Meinen Amtseid verstehe ich deshalb als Verpflichtung, meinen Teil hierzu beizutragen und zum Wohle des Landkreises und seiner Bürgerinnen und Bürger zu arbeiten. Als Landrat werde ich zuhören, hinschauen und auch hinterfragen. Ich bin überzeugt davon, wir können im Landkreis vieles möglich machen. In diesem Sinne freue ich mich auf eine enge und erfolgreiche Zusammenarbeit!
Vielen Dank!


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