Die Sperrung der Großen Lauter für das Baden und den Bootsverkehr

Hintergrundinformation


Durch eine detaillierte Untersuchung wurde dokumentiert, dass die geschützten Bereiche der Großen Lauter einen Lebensraum für die bedrohte Fauna von besonderer Qualität (z.T. Rote Liste Arten) darstellen. Insbesondere die Krautzone der Großen Lauter ist als Brutstätte für geschützte Vogelarten von großer Bedeutung und darf deshalb nicht übermäßig beansprucht werden. Steigende Besucherzahlen im Lautertal erhöhten die Belastung für die Große Lauter immer mehr. Insbesondere an schönen Wochenenden bevölkerten Besucherscharen die Ufer und Hunderte von Kajaks, Luftmatratzen und Paddelbooten befuhren den Fluss. Die Uferzone der Lauter wurde durch die Wasserfahrzeuge und -sportIer stark beschädigt, die sie bewohnenden Tiere erheblich gestört und auch der Pflanzenbewuchs wurde zertreten.
 
Mit der Verordnung wurde die gern und stark frequentierte Lauterstrecke zwischen
Buttenhausen und Anhausen daher in den Sommermonaten von Juli bis September für sämtliche Wasserfahrzeuge und Badende ausdrücklich an Samstagen und Sonntagen gesperrt. Durch die Beschränkung auf die Wochentage Montag bis Freitag sollte und konnte eine Reduzierung der Besucherzahlen erreicht werden. Eine nur teilweise Sperrung sollte gewährleisten, dass sich Ferien- und Übernachtungsgäste sowie die Bevölkerung nach wie vor unter der Woche erholen konnten. Badende können auf die im Lautertal ausgewiesenen Stellen ohne zeitliche Beschränkung ausweichen, sodass mit der Verordnung eine Lösung geschaffen wurde, die die Belange der Natur und des Menschen in Einklang bringt.

Verordnung des Landratsamtes Reutlingen als untere Naturschutzbehörde und untere Wasserbehörde zur Regelung des Bootfahrens auf und des Badens in der Großen Lauter zwischen Münsingen-Buttenhausen und Hayingen-Anhausen

vom 15.06.1988


 
Aufgrund der § 29 Abs. 7, 30 Abs. 5, 24 Abs. 4, 21 Abs. 2 Satz 2 Ziff. 2, 58 Abs. 5 i. V. m. Abs. 3 und 4 und 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz) vom 21.10.1975 (Gesetzblatt Seite 654, berichtigt Gesetzblatt 1976 Seite 96), zuletzt geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des Baden-Württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 06. Juni 1983 (Gesetzblatt Seite 199) und der § 28 Abs. 2, 95, 96 Abs. 1, 97 Abs. 1 und 120 Abs. 1 Nr. 4 des Wassergesetzes für Baden-Württemberg in der Fassung vom 22. Februar 1988 (Gesetzblatt Seite 55) wird mit Zustimmung des
Regierungspräsidiums Tübingen verordnet:
 
§1
 
Die in § 2 Abs. 2 und 3 näher bezeichneten Gewässerabschnitte der Groben Lauter werden aus Gründen des Wohls der Allgemeinheit, insbesondere zum Schutze der Natur
 
a) in der Zeit vom 15. März bis einschließlich 30. Juni und
 
b) an den Samstagen und Sonntagen in der Zeit vom 01. Juli bis 30. September
 
für das Baden und Befahren mit kleinen Fahrzeugen ohne eigene Triebkraft gesperrt. Die Ausübung des Gemeingebrauchs wird insoweit eingeschränkt.
 
 
§ 2 Schutzgegenstand
 
(1) Im Bereich der Großen Lauter sollen die Lebensstätten der in § 3 naher bezeichneten Tier- und Pflanzenarten besonders geschützt werden.
 
(2) Es handelt sich dabei um folgende Gewässerabschnitte:
Von der Lautertalbrücke am Feldweg Nr. 11 Gewann Oberes Ried, Gemarkung Buttenhausen der Stadt Münsingen bis zur Kreisgrenze, Gewann Hundswiesen, Gemarkung Anhausen, Stadt Hayingen - mit Ausnahme des Flusslaufs in den Ortslagen von Buttenhausen, Hundersingen, Bichishausen, Gundelfingen und Gundelfingen-Wittsteig der Stadt Münsingen sowie der Strecke vom Beginn der Ortslage Indelhausen bis zum Ende der Ortslage von Anhausen, Stadt Hayingen -.
 
(3) Von der Sperrung sind im Einzelnen folgende Gewässerabschnitte einschließlich der genannten Flurstücke betroffen:
 
a) Oberhalb von Buttenhausen von Flst. Nr. 348 bis Flst. Nr. 370/3
 
b) zwischen Buttenhausen und Hundersingen ab Flst. Nr. 509 bis Flst. Nr. 287
 
c) zwischen Hundersingen und Bichishausen ab Mitte Flst. Nr. 160 bis Flst. Nr. 175
 
d) zwischen Bichishausen und Gundelfingen ab Flst. Nr. 79 bis Flst. Nr. 72
 
e) zwischen Gundeifingen und Gundelfingen-Wittsteig ab Flst. Nr. 134/1 bis Flst. Nr. 89
 
f) zwischen Gundelfingen-Wittsteig und Indelhausen ab Flst. Nr. 297 bis Flst. Nr. 206
 
g) unterhalb von Anhausen ab Flst. Nr. 144 bis Kreisgrenze
 
(4) Das Baden ist außer in den unter Abs. 2 genannten Ortslagen auch im Bereich
folgender Grundstücke gestattet:
 
a) Oberhalb von Buttenhausen, Bereich Weiherwiesen, Fist. Nr. 348 und 349 (im Bereich der markierten Liegewiese)
 
b) unterhalb von Bichishausen, Flst. Nr. 78 (im Bereich der markierten Liegewiese)
 
c) unterhalb von Gundelfingen, Ausgang Heiligental, Flst. Nr. 308/3, 308/4 und 310 (im Bereich der markierten Liegewiese)
 
d) vom südlichen Ende der Ortslage von Hundersingen bis einschließlich Flst. Nr. 167
 
e) zwischen Buttenhausen und Hundersingen, Fist. Nr. 247 (im Bereich der markierten Liegewiese)
 
f) nördlich der Münzdorfer Brücke, Fist. Nr. 786 (im Bereich der markierten Liegewiese)
 
g) unterhalb der Maisenburg, südöstlich des Feldwegs Nr. 2, Fist. Nr. 12/1 (im Bereich der markierten Liegewiese).
 
(5) Die gesperrten Strecken sind in einer Übersichtskarte des Landratsamtes Reutlingen vom 14.05.1987, geändert am 23.09.1987, im Maßstab 1:10.000 rot, die ausgenommenen Ortslagen blau und die ausgenommenen Badeplätze grün eingetragen. Beginn und Ende der ausgenommenen Ortslagen sind in den 16 Flurkartenausschnitten des Landratsamtes Reutlingen vom 14.05.1987, geändert am 23.09.1987, im Maßstab 1:2.500 blau, die vom Badeverbot ausgenommenen Badeplätze grün dargestellt. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Reutlingen in Reutlingen und bei den Bürgermeisterämtern Münsingen in Münsingen und Hayingen in Hayingen zur kostenlosen Einsichtnahme durch jedermann während der Dienstzeit niedergelegt.
 
§ 3 Schutzzweck
 
Die in § 1 genannten Verbote dienen
 
a) dem Schutz der Lebensstätten von Vögeln, die am und im Wasser leben,
insbesondere des Zwergtauchers, des Teichhuhns, der Stockente, der Wasseramsel,
der Gebirgsstelze, des Blä3huhns, der Bachstelze, des Stumpfrohrsängers,
des Graureihers und des Eisvogels während der Revierbildung,
der Brutzeit und der Mauser,
 
b) der Erhaltung der Standorte von Wasserpflanzen und der Pflanzenwelt der
Uferzone, insbesondere der Fluthahnenfußgesellschaft, der Laichkrautgesellschaft, der Rohrglanzgrasgesellschaft, der Stillwasserröhrichte und der Seggenriede mit verschiedenen Sauergräsern als Lebensgrundlage für die Fisch- und Vogelfauna sowie für Insekten,
 
c) der Sicherung von Laichmöglichkeiten für Fische, insbesondere für die
Bachforelle und Asche sowie der Verbesserung der Überlebensmöglichkeiten
für Fischbrut und Jungfische.
 
§ 4 Befreiungen
 
Auf Antrag kann das Landratsamt von den Bestimmungen des § 1 dieser Verordnung im Einzelfall Befreiungen erteilen, wenn
 
a) überwiegend öffentliche Belange die Befreiung erfordern oder
 
b) der Vollzug der Bestimmung zu einer offenbar nicht beabsichtigten Härte führen würde und die Abweichung mit den öffentlichen Belangen vereinbar ist.
 
§ 5 Ordnungswidrigkeiten
 
Ordnungswidrig im Sinne von § 64 Abs. 1 Nr. 2 Naturschutzgesetz und § 120 Abs. 1 Nr. 4 Wassergesetz handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig einen gemäß § 2 Abs. 2 und 3 dieser Verordnung gesperrten Gewässerabschnitt der Großen Lauter mit kleinen Fahrzeugen ohne eigene Triebkraft befährt oder wer vorsätzlich oder fahrlässig in einem gemäß § 2 Abs. 2 dieser Verordnung gesperrten Gewässerabschnitt badet.
 
§ 6 Inkrafttreten
 
Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündigung in Kraft.
 
Reutlingen, den 15.06.1988
 
 
Dr. Wais, Landrat



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