Vogelgrippe; Aviäre Influenza (AI)

Influenzaviren haben ein breites Wirtsspektrum und verändern sich ständig. Besonders durch den Austausch genetischer Informationen zwischen Influenzaviren des Menschen, der Vögel und der Schweine können Varianten entstehen, die für den Menschen stark krankmachend sind. Durch traditionelle Formen der Tierhaltung (z.B. Freilandhaltung) und den engen Kontakt zwischen Menschen und Nutztieren ist das Risiko für das Entstehen neuerer Influenzaviren in Asien besonders hoch. Die Wanderbewegungen der Zugvögel, aber vor allem der internationale Reise- und Warenverkehr sorgen für eine schnelle Verbreitung der Erreger. Um möglichst frühzeitig potentielle Seuchenerreger zu identifizieren und Gegenmaßnahmen wie z.B. die Impfstoffentwicklung anzupassen, wird das Geschehen weltweit intensiv überwacht.

Situation im Landkreis Reutlingen

Im Dezember 2020 wurde erstmalig für die Saison 2020/2021 ein hochpathogenes Influenza A-Virus bei einem Mäusebussard im Schwarzwald-Baar-Kreis nachgewiesen. Weitere Wildvögel wurden im Bereich des Bodensees positiv gestestet. An dem Seuchengeschehen sind mehrere Subtypen von Influenza A-Viren beteiligt: H5N8, H5N5 und H5N4.

Am 23.03.2021 wurde der Verdacht auf den Ausbruch der klassischen Geflügelpest in einer kleinen Legehennenhaltung in einem Ortsteil von Münsingen amtlich festgestellt. Alle Hühner wurden nur im Stall gehalten und bereits im Rahmen der Verdachtsuntersuchung am 23.03.2021 getötet. Da es sich um eine nicht gewerbliche Haltung handelt und kein Risiko für die Weiterverbreitung der Seuche besteht, wurde kein Restriktionsgebiet eingerichtet. Der Ausbruch ist Teil eines größeren Geschehens im Zusammenhang mit einem mobilen Geflügelhändler, weshalb weitere ähnliche Fälle auch im Landkreis Reutlingen nicht auszuschließen sind.

Am 29.03.2021 wurde der Subtyp H5N8 vom Referenzlabor bestätigt. Der Ausbruch der klassischen Geflügelpest wurde daraufhin amtlich festgestellt. Nachdem die dafür notwendigen Voraussetzungen erfüllt waren, wurde die Betriebssperre am 15.04.2021 wieder aufgehoben. Der Seuchenausbruch ist im Landkreis Reutlingen beendet.

Händler und Geflügelhalter, die seit Anfang März Junghennen aus Nordrhein-Westfalen gekauft haben, werden dazu aufgerufen, sich beim Veterinäramt zu melden.

Für den Fall, dass es im weiteren Verlauf des Seuchengeschehens zur Festlegung von Restriktionsgebieten kommen sollte, rät das Veterinäramt allen Direktvermarktern von Eiern über die Einrichtung einer Packstelle nachzudenken. Aus Betrieben in Restriktionsgebieten dürfen aus Gründen der Rückverfolgbarkeit nur Eier über zugelassene Packstellen vermarktet werden. Zuständig für die Zulassung als Packstelle sind die Regierungspräsidien.

Wildvogelmonitoring

Auf Anraten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) soll ein verstärktes AI-Monitoring in Baden-Württemberg durchgeführt werden. Die Untersuchung verendeter Wildvögel ist in diesem Zusammenhang eine wichtige Maßnahme und das Veterinäramt sorgt für die Zuleitung der Kadaver an das Staatliche Tierärztliche Untersuchungsamt - Diagnostikzentrum in Aulendorf (STUA).
Das Bergen von Kadavern erfolgt durch das Veterinäramt aber nur unter Wahrung der Verhältnismäßigkeit. Zum Beispiel schwer zugängliche oder in fortgeschrittener Verwesung befindliche Kadaver werden nicht geborgen. Grundvoraussetzung ist, dass der Fundort zeitnah und eindeutig bestimmt an das Veterinäramt übermittelt wird. Schon bei einer Zeitverzögerung über Nacht muss damit gerechnet werden, dass der Kadaver von Aasfressen entsorgt wurde. Geokoordinaten sind für die Beschreibung des Fundortes ideal geeignet. Beim Fund eines toten Vogels handelt es sich um keinen Notfall, der außerhalb der üblichen Geschäftszeiten bearbeitet werden müsste.

weitere Informationen:
MLR


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